+
Ralf Wolter war neun Jahre lang Kurdirektor von Bad Homburg.

Bad Homburg

Überraschender Vergleich

  • schließen

Die Städtische Kur-Gesellschaft in Bad Homburg (Hochtaunus) und der entlassener Geschäftsführer Ralf Wolter einigen sich außergerichtlich.

Am 25. Januar wollte Richterin Cornelia Kopke am Frankfurter Landgericht ihr endgültiges Urteil im Kündigungsverfahren zwischen dem entlassenen Bad Homburger Kurdirektor Ralf Wolter und der städtischen Kur- und Kongress GmbH (KUK) verkünden. Dazu wird es nun wohl nicht mehr kommen. 

Wie die KUK am Mittwoch mitgeteilt hat, haben beide Parteien einen Vergleich geschlossen. Man habe sich mit Wolter auf „eine ordentliche Beendigung des Dienstvertrages verständigt und finanzielle Bedingungen für sein Ausscheiden ausgearbeitet, die auf einem Entgegenkommen beider Parteien beruhen“, heißt es in dem Schreiben. Zu den Details habe man Stillschweigen vereinbart. Auch auf Nachfrage war dazu nicht mehr zu erfahren. Ralf Wolter war gestern gar nicht zu erreichen. 

Nach Informationen der FR soll der Vertrag zwischen Wolter und der KUK Ende Februar auslaufen. In einem ersten Urteil war das Landgericht vom 31. Dezember 2019 ausgegangen. Darüber hinaus soll der ehemalige Kurdirektor finanzielle Zugeständnisse gemacht haben. Laut einer internen Vorlage, die der FR vorliegt, hätte der 57-Jährige nach seinem unfreiwilligen Ausscheiden als Geschäftsführer Anspruch auf ein Übergangsgeld in Höhe von insgesamt einer Million Euro plus eine Abfindung von 275 000 Euro gehabt. Hinzu kommt ab dem 65. Lebensjahr eine Altersversorgung.

Im Gegenzug sind nun offenkundig die fristlose Kündigung und die damit verbundenen Vorwürfe vom Tisch. Im März 2018 hatte Ralf Wolter zunächst die ordentliche Kündigung seines Vertrages erhalten. Begründet wurde sie mit Plänen der Stadt, die Vertragsverhältnisse mit ihrer wichtigsten Tochtergesellschaft neu zu regeln. Im Zusammenhang damit hätte Wolter als Mitarbeiter in die Stadtverwaltung integriert werden sollen.

Nur einen Monat später folgte die fristlose Kündigung. Anlass war ein Rechtsgutachten zu der neuen Gesellschaftsstruktur, das Wolter angeblich zu Unrecht auf Kosten der KUK in Auftrag gegeben haben soll. Das wollte der langjährige Kurdirektor jedoch nicht hinnehmen; er reichte Klage ein. Das Landgericht folgte seiner Argumentation und erklärte im September die fristlose Kündigung für ungültig. Allerdings war der Gerichtsbeschluss in Form eines Versäumnisurteils erfolgt, weil die beklagte KUK der ersten Verhandlung ferngeblieben war. Die Stadt hatte das mit einem „Bürofehler“ erklärt. In einer weiteren Verhandlung Ende November hatte der Anwalt der KUK noch einmal nachgelegt und Wolter wegen einiger Hotelrechnungen zusätzlich „Spesenbetrug“ vorgeworfen. Wolter hatte auch das zurückgewiesen und betont, dass alle seine Rechnungsbelege immer genau geprüft worden seien.

Die Verhandlung war von der Presse, aber auch Bad Homburger Politikern aufmerksam verfolgt worden. Offenbar hat es daraufhin noch einmal Gespräche zwischen den Beteiligten gegeben. Sowohl der Vorsitzende des KUK-Verwaltungsrates, Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) wie auch Ralf Wolter begrüßen es nun ausdrücklich, „dass die Streitigkeit außergerichtlich geklärt werden konnte“ und loben die „gegenseitige Kompromissbereitschaft“. 

Ralf Wolter war neun Jahre lang KUK-Geschäftsführer. Zu seinem Nachfolger hatte der Verwaltungsrat bereits im Juli den bisherigen Prokuristen Holger Reuter bestellt. Reuter hatte den Posten nach der Entlassung Wolters zunächst kommissarisch inne. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare