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Schnell an die Konjunktur-Millionen: das Handwerk im Hochtaunus steht in den Startlöchern.

Hochtaunus-Handwerk

Wo sind die Konjunktur-Millionen?

Mit den Konjunkturprogrammen von Bund und Land soll Geld in die Wirtschaft gepumpt werden. Doch beim Handwerk im Hochtaunuskreis ist noch nichts angekommen. Von Anton J. Seib

Von Anton J. Seib

Mit den Konjunkturprogrammen von Bund und Land soll Geld in die Wirtschaft gepumpt werden. Doch beim Handwerk im Hochtaunuskreis ist noch nichts angekommen - trotz der erleichterten Vergaberichtlinien im Kreis und in manchen Kommunen wie Bad Homburg oder Oberursel. "Die Kommunen sollten die Aufträge jetzt zügig vergeben und von den erleichterten Vergaberichtlinien Gebrauch zu machen", so der Appell von Kreishandwerksmeister Walter Gernhard.

Pläne eingereicht

Das Geld aus den Konjunkturprogrammen könnte viele heimische Handwerker in der Krise über Wasser halten. Sie hoffen deshalb, dass bei den großen Projekten nicht nur die Branchenriesen den Rahm abschöpfen. Allein der Hochtaunuskreis erhält 38,5 Millionen Euro von Bund und Land. Bad Homburg profitiert mit 4,5 Millionen Euro aus den Konjunkturprogrammen. Damit sollen unter anderem die Kindertagesstätte Brandenburger Straße erweitert und neue Vereinsräume für den Sportplatz an der Sandelmühle gebaut werden.

Die Stadt hat die Projekte Ende April bei der Landesregierung eingereicht. "Noch haben wir keinen Genehmigungsbescheid", so Magistratssprecher Andreas Mörung. Allerdings sind die Mittel aus den Konjunkturprogrammen nur ein kleiner Teil der Gesamtinvestitionen. "Wir investieren in diesem Jahr rund 50 Millionen Euro, ein Viertel mehr als 2008. Da bleibt viel beim heimischen Handwerk hängen", so der Magistratssprecher.

Der Hochtaunuskreis ist bereits einen Schritt weiter. Das hessische Finanzministerium hat das Investitionspaket bereits genehmigt, meldet Landrat Ulrich Krebs (CDU). Der größte Teil mit rund 20 Millionen Euro fließt in den Neubau des Oberurseler Gymnasiums. Aufträge sind bisher allerdings nur für Planungsleistungen vergeben worden.

Derzeit wird der Abbruch des alten Gebäudes vorbereitet. Das Geld schnell unter die Betriebe zu bringen, ist der Hintergrund der erleichterten Vergaberichtlinien. Wo aber viel Geld zu verdienen ist, wächst die Gefahr der Korruption - ein Übel, das in den Achtzigerjahren vor allem den Hochtaunuskreis und speziell Bad Homburg in die Schlagzeilen brachte.

Schutz vor Korruption

Die Stadt Bad Homburg hat eine eigene Vergabestelle eingerichtet, die auf drei Säulen ruht. Zum einen gilt das Mehraugen-Prinzip, danach kann niemand eigenmächtig freihändig Aufträge vergeben. "Und alle Aufträge werden ausführlich im Internet dokumentiert, somit sind die Verfahren öffentlich und transparent", so Möring.

Schließlich werden alle Auftragsverfahren in einer Statistik erfasst. "So können wir erkennen, wer welche Aufträge an welche Firmen vergibt, und ob es zu Häufungen kommt. Dem können wir dann nachgehen", sagt Möring.

Auch die Kreisverwaltung dokumentiert die Vergaben ohne Ausschreibungen ausführlich, erfasst werden Bieterpreis und Bewerber. "Das Rechnungsprüfungsamt wird stichprobenartig kontrollieren", so Krebs. Alle Mitarbeiter seien deutlich auf das leidige Thema Korruption hingewiesen worden. Krebs: "Aber es gibt keine hundertprozentige Garantie."

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