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Die Bushaltestelle an der Adolf-Reichwein-Schule in Neu-Anspach.

Nach Eltern-Protesten

Landrat Krebs als Buskontrolleur

Eltern werfen Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs (CDU) vor, an der Sicherheit der Schulkinder zu sparen. Der schiebt den Schwarzen Peter an die Busbetreiber weiter. Von Andreas Kraft

Von ANDREAS KRAFT

Der Landrat greift durch. Mit regelmäßigen Qualitätsprüfungen lässt Ulrich Krebs (CDU) jetzt den Busgesellschaften auf die Finger schauen. Gestern schickte er seine Kontrolleure pünktlich zum Schulschluss nach Neu-Anspach an die Adolf-Reichwein-Schule (ARS) - doch die konnten gar keine Probleme feststellen. "Die Busse waren alle ordentlich beschriftet", sagte eine VHT-Sprecherin. "Sie haben auch an den richtigen Stellen gehalten, und die Fahrer haben darauf hingewiesen, dass noch weitere Busse kommen." Innerhalb von 15 Minuten seien alle 250 Kinder ordnungsgemäß abtransportiert gewesen. Sicherlich sei in den vergangenen Wochen vieles schiefgelaufen, aber langsam bekomme man die Probleme in den Griff.

Doch eigentlich hätte all das schon mit dem Fahrplanwechsel im Dezember eine Selbstverständlichkeit sein sollen, meint Wilfried Staub von Pro-Bahn Hessen. "Wenn manche Busse nur alle paar Stunden fahren, müssen die Anschlüsse von Anfang an funktionieren", sagt er. "Da darf es keinen Spielraum geben, indem sich alles erst einspielen muss." Bei dem Fahrplan seien zudem handwerkliche Fehler gemacht worden.

Elternbeirat ist noch nicht zufrieden

Konzipiert hat die neuen Linien das Planungsbüro IGDB. "Das war auch ein ständiger Abstimmungsprozess mit dem VHT", sagte Geschäftsführer Alex Müller. Bei den Diskussionen mit dem Verbandsvorstand - in dem neben dem Landrat auch die Bürgermeister der Kommunen sitzen - habe auch die Frage der Wirtschaftlichkeit eine Rolle gespielt. Gegenstand der Gespräche sei etwa gewesen, welche Fahrplanvariante wie viel kosten würde. Bei der Sicherheit seien aber keine Abstriche gemacht worden. Die Busse für die Spitzenzeiten im Schulverkehr dürften lediglich älter sein. Laut Ausschreibung müssten sie aber etwa eine Wegfahrsperre haben, damit der Busfahrer nicht mit offener Tür losfahren kann. Mittlerweile zeigten die Nachbesserungen Wirkung: Die Beschwerden gingen zurück.

Der ARS-Schulelternbeirat bekräftigt auch nach den Nachbesserungen seine Kritik. Die Probleme seien nach wie vor groß: Viele Busse kämen zu spät oder gar nicht. Schulelternbeirat Dietmar Matzke sorgt sich zudem zunehmend um die Sicherheit. Manche Anschlüsse seien so knapp, dass Schüler bei geschlossenen Schranken über die Gleise laufen würden, um die Bahn zu erreichen. Auch sei eine Mutter kürzlich einem Bus gefolgt, der 80 Kilometern pro Stunde gefahren sei. Im Bus hätten die Schüler zum Teil gestanden - dann seien aber nur 60 Kilometer pro Stunde erlaubt. "Hier wird vom Landkreis auf Kosten der Sicherheit gespart", so Matzke.

Die Grünen fordern deshalb, dass der Landrat im Kreistag zu den Vorwürfen Stellung nimmt. "Wir fürchten, dass bei der Ausschreibung zu sehr auf den Preis geschaut wurde", sagte die Fraktionsvorsitzende Ellen Enslin. Auch sei schon sicher, dass der neue Fahrplan mit etlichen Schulen nicht abgestimmt worden sei. Das Thema dürfte den Landrat also noch eine Weile beschäftigen. Trotz der Kontrollen.

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