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Die Kaiser-Friedrich-Promenade ist zentraler Teil des historischen Kurviertels in Bad Homburg.

Stadtentwicklung in Bad Homburg

Bad Homburger Kurviertel jetzt unter Denkmalschutz

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Das hessische Landesamt für Denkmalpflege entscheidet, das komplette historische Kurviertel in Bad Homburg auch als sogenannte Gesamtanlage in das offizielle Denkmalverzeichnis einzutragen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tummelte sich in Bad Homburg der europäische Hochadel ebenso wie prominente Schriftsteller vom Schlage eines Fjodor Dostojewski. Damit einher ging ein Bauboom, dem das historische Kurviertel rund um Kaiser-Friedrich-Promenade und Louisenstraße seine Entstehung verdankt. Einzelne Gebäude in diesem Areal sind schon lange als Denkmäler ausgewiesen. Nun hat das Landesamt für Denkmalpflege entschieden, das komplette historische Kurviertel auch als sogenannte Gesamtanlage in das offizielle Denkmalverzeichnis einzutragen.

Zwar gebe es an einigen Stellen „erhebliche Eingriffe“, doch weise das Kurviertel noch „genügend historische Bausubstanz und charakteristische, authentische Straßen- und Platzbilder des 19. Jahrhunderts“ auf, um als Denkmal gelten zu können, begründet das Landesamt seine Entscheidung.

Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) sieht in der Auszeichnung den Lohn für die Bemühungen der Stadt, „unser architektonisch wertvolles Erbe für unsere Einwohner und unsere Gäste zu erhalten“ und findet: „Mit diesem Pfund können wir wuchern.“

Für die Eigentümer bedeutet der Denkmalschutz aber auch Einschränkungen. Sie müssen sich künftig bei Veränderungen oder Instandsetzungsarbeiten an ihren Häusern mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abstimmen und eine denkmalrechtliche Genehmigung einholen. Das gilt etwa für neue Fenster und Türen, Dacharbeiten, Fassadensanierungen, Anstriche sowie Umbauten und Abbrüche, teilt die Stadtverwaltung mit.

Ausgenommen vom Denkmalschutz ist das Kurhaus, das in absehbarer Zeit saniert oder neu gebaut werden soll. Der Platz vor dem Kurhaus sei zwar bis heute erhalten, allerdings sei der ursprüngliche Charakter durch eine fast vollständige Neubebauung auf der Südseite und den Kurhausneubau verloren gegangen. Auch den Bereich rund ums Rathaus hat das Denkmalamt nicht berücksichtigt, weil es aus dem späten 20. Jahrhundert stammt.

Das Historische Kurviertel wird nicht nur als Gesamtanlage ausgewiesen. Innerhalb des Gebiets sind auch neue Einzelkulturdenkmäler erfasst worden. Etwa die Wohnsiedlung in der Georg-Speyer-Straße, die 1936 von einem Frankfurter Unternehmen „für den gehobenen Wohnungsbedarf“ an Stelle der einst berühmten „Villa Amerika“ errichtet wurde. Die neun Mehrfamilienhäuser zeigten in ihrer schlichten Gestaltung den Charakter der Mietshäuser der 1930er-Jahre und seien damit ein Zeugnis der wirtschaftlich veränderten Lage Bad Homburgs nach dem Ersten Weltkrieg, würdigen die Denkmalpfleger.

Prägend für das Bad Homburger Kurviertel sind jedoch vor allem die Bauten des Bauunternehmers Johannes Sauer und des Baumeisters Christian Holler. Später veränderte Louis Jacobi, der im Auftrag von Kaiser Wilhelm II, auch die Saalburg rekonstruiert hat, zahlreiche Gebäude und errichtete auch einige neu.

Der Homburger Bauboom sorgte schon im 19. Jahrhundert für ein Phänomen, das sich bis heute gehalten hat: Mancher einheimische Baumeister und Zimmermann, aber auch Privatiers betätigten sich als Spekulanten. Sie errichteten zahlreiche Häuser, um diese weiterzuverkaufen oder zu vermieten. Ein Beispiel dafür ist die Ferdinandstraße.

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