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Das Waldkrankenhaus Köppern soll umziehen.

Kampf um Köppern

Hoffnung für das Waldkrankenhaus

Mitarbeiter und Patienten wollen den Umzug des Waldkrankenhauses an die Autobahn nicht hinnehmen. Und auch die lokalen Politiker üben Kritik. Von Andreas Kraft

Von Andreas Kraft

Nach der amtierenden Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) hat sich jetzt auch ihr Nachfolger Michael Korwisi (Grüne) gegen den Umzug des Waldkrankenhauses Köppern nach Bad Homburg ausgesprochen."Mit mir wird es das nicht geben", sagte Korwisi der FR. Auch ihm erscheint das Grundstück zu klein, um dort auch noch eine psychiatrische Klinik unterzubringen. Nach dem monatelangen Ringen um den Neubau des Kreiskrankenhauses, komme eine weitere Vergrößerung nicht in Frage.

Gut zweieinhalb Jahre lang stritten Kommunalpolitiker und Bürgerinitiativen, wo das neue Kreiskrankenhaus gebaut werden soll, bis man sich im August 2007 einigte. Ab Herbst 2010 soll zwischen Landratsamt, Kronenhof und A 661 auf 80 000 Quadratmetern ein Gesundheitszentrum entstehen. Neben der Klinik sind dabei auch ein Patientenhotel, eine Privatklinik und ein Ärztehaus im Gespräch. Die Hochtaunuskliniken, die derzeit mit einem jährlichen Verlust von fast zehn Millionen Euro kämpfen, versprechen sich davon zusätzliche Einnahmen. Auch das Waldkrankenhaus müsste nach einem Umzug Pacht an die Kliniken zahlen.

Parlament muss entscheiden

Die Bad Homburger Verwaltung hat im März einen ersten Bebauungsplan-Entwurf für das Gelände vorgestellt. An den Details, wie Geschosshöhen oder Grünflächen, arbeitet sie jetzt. Letztendlich wird das Stadtparlament darüber entscheiden. Laut Landrat Ulrich Krebs (CDU) könnte der Plan bis Ende des Jahres stehen. Zwingend ist das allerdings nicht. Krebs betont daher auch, nichts gegen den Willen der Stadt unternehmen zu wollen. "Ich möchte nicht, dass dafür das Bebauungsplanverfahren angehalten wird", sagte er. Das Modellprojekt des Landes, deutschlandweit die erste Klinik im PPP-Verfahren zu bauen, dürfte sonst auch ziemlich sicher aus dem Zeitplan geraten.

Die CDU stellte sich am Mittwoch hinter Jungherr. Zudem sei der Stadtort in Köppern ideal, sagte CDU-Fraktionschef Alfred Etzrodt. "Ich verstehe auch nicht, warum vor so einer Entscheidung nicht mit uns ein Gespräch darüber geführt wird." Auch die SPD-Fraktion ist gegen den Umzug. Die Entscheidung des Landeswohlfahrtsverbandes richte sich gegen alle Betroffenen, sagte SPD-Vorsitzende Elke Barth: "Patienten, Mitarbeiter, Betriebsrat und die Kommunalpolitik haben sich für den derzeitigen Standort ausgesprochen."

"Umzug längst vorbereitet"

Für die Linke ist der Umzug des Waldkrankenhauses längst vorbereitet, wie der Kreistagsabgeordnete Hermann Schaus sagte. Schon am 22. Dezember 2008 habe Krebs mit Uwe Brückmann - dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Krankenhausträgers Vitos - und den Hochtaunuskliniken darüber gesprochen. Bei Vitos in Kassel heißt es sogar, bei den Vorgesprächen sei signalisiert worden, dass für die Psychiatrie Platz sei. Das bestätigt auch der Geschäftsführer des Waldkrankenhauses, Stephan Köhler. "Sonst hätten wir das ja gar nicht erst erwogen", sagte er der FR.

Der Betriebsrat, der seit Monaten gegen den Umzug kämpft, will bis Ende der Woche über weitere Aktionen entscheiden, so Nils Möbes. Dass auch die Stadt Bad Homburg dem Umzug skeptisch gegenüberstehe, mache Hoffnung. Nun müsse man abwarten, wie die Gespräche zwischen Vitos, Kreis und Land verliefen, das den Neubau bezuschussen muss.

Aus Wiesbaden gibt es dazu noch keine Signale. Zunächst müssten sich der Kreis und Vitos miteinander verständigen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministers Jürgen Banzer (CDU) der FR. Doch die Landesregierung dürfte durchaus ein Interesse daran haben, dass die Hochtaunuskliniken finanziell wieder auf die Beine kommen. Schließlich wird sich daran auch ihr Modellprojekt messen lassen müssen.

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