Hochtaunus

Deutlich mehr Wohnungen nötig

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Die Teilnehmer des Auftaktforums zum Kreisentwicklungskonzept "Hochtaunus 2030 +" benennen die aus ihrer Sicht wichtigsten Zukunftsaufgaben.

„Die Natur ist das Herz des Kreises“, hatte ein Besucher aufgeschrieben. Ein anderer forderte: „Naturlandschaft erhalten.“ Und ein Dritter: „Sich vom Frankfurt-Hype nicht überrollen lassen.“ Die Teilnehmer des Auftaktforums zum Kreisentwicklungskonzept „Hochtaunus 2030 +“ hatten fleißig zu Zettel und Stift gegriffen und die aus ihrer Sicht wichtigsten Zukunftsaufgaben benannt - wobei auch völlig gegensätzliche Positionen deutlich wurden. So fand sich neben einem Aufkleber mit der Aufschrift „Windräder“ der direkte Konter: „Keine Windräder“. 

Für die meiste Unruhe in der Aula der Neu-Anspacher Adolf-Reichwein-Schule hatten allerdings die Zahlen zum Wohnungsbau gesorgt, die Svenja Knuffke und Stefan Kornmann vom Büro Albert Speer und Partner (AS+P) aus einer Prognose der Hessen- Agentur zitierten. Demnach sind bis 2030 im Hochtaunuskreis 23.000 neue Wohnungen nötig. Um diese zu errichten, müsste sich das Tempo beim Wohnungsbau gegenüber den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppeln, rechneten die Stadtplaner vor. Entstanden bislang zwischen Königstein und Grävenwiesbach pro Jahr 640 Wohneinheiten, seien künftig 1540 nötig, um den Bedarf zu decken. 

Um diese und ähnliche Fragen werde es im kommenden Jahr bei der weiteren Diskussion des Kreisentwicklungskonzepts gehen, sagte Landrat Ulrich Krebs (CDU). Vertrage der Kreis 300.000 Einwohner oder nicht? „Wo ist die Grenze?“ Aktuell leben 236.000 Menschen im Hochtaunus. 
Den Besuchern am Montag ging es allerdings nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität des Wohnens. So war auf den Zetteln unter anderem die Rede von „alternativen Wohnmodellen im Alter“ oder einer „kleinen Ökosiedlung“. 

Alle Beiträge würden ausgewertet, sagte Projektleiterin Svenja Knuffke zu. AS+P organisiert zusammen mit der Kreisverwaltung den Konzept-Prozess. Dazu gehören zwei weitere öffentliche Foren, aber auch kleinere Runden. So konnten sich die geschätzt 250 Teilnehmer der beiden Auftaktforen in Neu-Anspach und eine Woche zuvor in Bad Homburg für Zukunftswerkstätten anmelden, in denen es um die Themengruppen „Siedlungsentwicklung“, „Gesellschaftliches Miteinander“ sowie „Bildung und Versorgung“ gehen wird. Hinzu komme ab Februar noch eine Online-Beteiligungsmöglichkeit, kündigte Knuffke an. 

Dass es das Auftaktforum gleich doppelt gegeben hat, sei der besonderen Struktur des Hochtaunuskreises geschuldet, der durch den Taunuskamm in den urbanen Vordertaunus und das ländlich geprägte Usinger Land geschieden wird. Das fertige Konzept soll allerdings Ideen für die Zukunft des gesamten Kreises liefern. Etwa wenn es um den Verkehr geht. Dabei sollen nicht nur die bereits bekannten Pläne zur Elektrifizierung der Taunusbahn oder die Regionaltangente West zur Sprache kommen, sondern auch neue Entwicklungen wie selbstfahrende Busse, sagte Stefan Kornmann. 

Aber auch die „wahnsinnigen landschaftlichen Qualitäten“ des Taunus sollen nicht zu kurz kommen, versprach Svenja Knuffke. Schließlich bestehe der Kreis immer noch zu 50 Prozent aus Wald und zu weiteren 30 Prozent aus Wiesen und Feldern. 

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