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Vorbereitung für die Essensausgabe: Ehrenamtliche Helfer der Tafel beim ersten Einsatz in Bommersheim.

Bad Homburger Tafel

Lebensmittel für einen Euro

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Es ist keine Folge der Wirtschaftkrise. Auch in einem der reichsten Landkreise der Republik herrscht dauerhafte Armut. Die Bad Homburger Tafel hat am Mittwoch ihre Dependance in Oberursel eröffnet.

Es ist keine Folge der Wirtschaftkrise. Auch in einem der reichsten Landkreise der Republik herrscht dauerhafte Armut. Die Bad Homburger Tafel hat am Mittwoch ihre Dependance in Oberursel eröffnet, um der steigenden Nachfrage nach kostenlosen Lebensmitteln gerecht zu werden. Laut Michael Hibler, Tafel-Sprecher und Leiter der Diakonie Hochtaunuskreis, die als rechtlicher Träger für das Angebot fungiert, wird die neue Ausgabestelle im Stadtteil Bommersheim aktuell 76 Haushalte versorgen, in denen insgesamt 165 Personen leben - darunter 57 Kinder unter 14 Jahren.

In der Wallstraße 24 erhalten Bedürftige aus Oberursel oder Steinbach von nun an mittwochs nachmittags für einen Euro ein Warenpaket mit gespendeten Lebensmitteln. Bis zu 100 Haushalte kann die Zweigstelle bedienen. Hibler schätzt, dass diese Grenze Ende Mai erreicht sein wird.

Keine eineinhalb Jahre nach der 2007 eröffneten Tafel in Bad Homburg, die von den Organisationen Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Johannitern, Maltesern, Grünen Damen und von Kirchengemeinden betrieben wird, wurde die Notwendigkeit einer Zweigstelle für Oberursel und Steinbach erkannt. Bedürftige der beiden Nachbarkommunen ließen sich registrieren. Die ehrenamtlichen Helfer in Bad Homburg geben bereits Lebensmittel für 700 Menschen aus. Darüber hinaus soll es eine Warteliste geben.

Der Oberurseler Standort wurde nach dem gleichen Grundsatz wie in Bad Homburg ausgewählt: Armut soll nicht versteckt werden. Das hat die Suche nach einem geeigneten Raum schwierig gemacht. Der Laden musste bezahlbar sein, und es galt, möglichen Ängsten in der Nachbarschaft zu entgegnen. Die Wallstraße 24 liegt in einem gutbürgerlichen Quartier. Einige Anwohner sollen laut Diakonieleiter Hibler die Bedenken geäußert haben, dass ein, zwei Mal in der Woche die Abholer in Scharen vor dem Geschäft stehen und das Straßenbild stören würden. Haltlose Ängste, so Hibler. Jeder Bedürftige müsse sich bei der Diakonie registrieren lassen und erhalte eine feste Ausgabezeit, damit es nicht zu Warteschlangen komme. Die Initiativgruppe reagierte auf die aufkeimenden Gerüchte mit Informationsbriefen und -veranstaltungen. Laut Initiativgruppe hat sich inzwischen ein gutnachbarschaftliches Verhältnis eingestellt.

Der ehemalige Lebensmittelladen in der Wallstraße wurde mit finanzieller Unterstützung der Stadt und von Sponsoren umgebaut und renoviert. Die Kosten betrugen 54 000 Euro. Die Bauarbeiten dauerten knapp zwei Monate. Die Stadtverordneten von Oberursel bewilligten zudem einen Mietzuschuss von 9000 Euro im Jahr. Durchschnittlich 15 ehrenamtliche Personen werden die Warenkörbe packen und an die Kunden weiterreichen.

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