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Krankenwohnung in der Caritas-Sozialstation.

Wohnen in der Sozialstation

Frau E. übt für ein neues Leben

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Bundesweit einmalig: Die Caritas beitet in ihrer Oberurseler Sozialstation eine Krankenwohnung zur zeitlich begrenzten Nutzung an. Von Jürgen Streicher

Schlaganfall. Ein Schlag, der das Leben verändert. Für den Betroffenen und für den Lebenspartner. Als Christa Hess Wochen später aus dem Krankenhaus kam, war sie schwer pflegebedürftig. Künstliche Ernährung, nichts ging mehr ohne Hilfe. Hilflos war auch Ehemann Johannes. Er hatte Angst vor der Pflege zu Hause, das konnte er sich nicht vorstellen. Hilfe fand das Paar aus Frankfurt über die in Oberursel lebende Tochter bei der Caritas-Sozialstation, die - bundesweit einzigartig - eine Krankenwohnung für zeitlich begrenzte Nutzung anbietet.

Eine "klassische Situation" nennt Edeltraud Lintelow den Fall des Ehepaars Hess. Die völlige Überforderung eines Ehepartners mit der Pflegebedürftigkeit des anderen. "Die vielen alltäglichen Kleinigkeiten vom Waschen bis zum nächtlichen Gang auf die Toilette." Drei- bis fünfmal pro Tag haben die Schwestern der Sozialstation die krankenpflegerischen Aufgaben übernommen, Johannes Hess haben sie eingebunden, wo es ging, damit er für das neue Leben seiner Frau lernt.

Mit der Einrichtung der Krankenwohnung in der neuen Sozialstation an der Hohemarkstraße haben sich deren Leiterin Edeltraud Lintelow und das Team einen "Wunschtraum" erfüllt. Zwei Zimmer, möbliert, Balkon, Küche Bad, TV, Rollstuhl, barrierefrei - direkt über den Büroräumen mit perfektem Anschluss an das Betreuungssystem. Finanziert wurde die Wohnung von der katholischen Pfarrgemeinde St. Crutzen, die Caritas ist Mieter und legt bei nur 32 Euro pro Tag mit Vollpension reichlich drauf.

Um Kosten deckend zu sein, müssten mindestens zwei Personen dort Logis nehmen, drei sind in den zwei Zimmern maximal möglich. Ein Dutzend Menschen haben dort 2008 durchschnittlich 23 Tage gelebt, das entspricht einer einfachen Auslastung von 78 Prozent. "Der Sozialpreis war uns wichtig", so Lintelow.

Der Preis hat es Elisabeth E. ermöglicht, einige Wochen aus ihrer Wohnung in die Krankenwohnung zu wechseln. Auch so eine klassische Situation. Die Alltagsbewältigung nach einer Operation oder - wie bei Elisabeth E. - nach drei Schlaganfällen bedeutet häufig auch ohne Pflegebedürftigkeit eine Überforderung. Ohne Aufzug in den dritten Stock, das war für die 59-Jährige nicht drin. "Bei uns hatte sie Sicherheit, Nähe im Notfall durch die Notrufbereitschaft und drei Mahlzeiten am Tag", sagt Lintelow. Hier konnte Frau E. das Treppensteigen üben, jetzt ist sie wieder in der eigenen Wohnung.

Eine Lücke schließen soll das Angebot der Caritas auch, wenn Wohnungen von Pflegebedürftigen für die neue Lebenssituation umgebaut werden. Zwar haben Oberurseler Bürger Priorität, die Krankenwohnung kann aber unabhängig vom Wohnort in Anspruch genommen werden. Behandelnde Ärzte und Krankengymnasten kommen ins Haus, krankenpflegerische Leistungen werden bei Vorliegen einer Pflegestufe von den Pflegekassen refinanziert.

Kontakt: Caritas-Sozialstation, Hohemarkstr. 24b, Tel: 06172/69 684-0, www.caritas-hochtaunus.de

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