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Guido Knopp mit Kamerateam vor den Gedenkstelen.

Bad Homburg

Guido Knopp auf den Spuren der RAF

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Das Team von Phoenix dreht am Tatort des Herrhausen-Attentats in Bad Homburg. Der Sender strahlt den Film mit dem Fernsehmoderator Guido Knopp im November aus.

Guido Knopp hat sich vor den beiden Gedenkstelen an der Taunus-Therme platziert. „Woher hatte die RAF das Wissen, eine panzerbrechende Bombe zu bauen?“, fragt er in die Kamera. Der Historiker und Fernsehmoderator war gestern mit einem Team des Senders Phoenix nach Bad Homburg gekommen, um Szenen für einen Film zu drehen, der sich mit den ungelösten Fragen rund um die Rote Armee Fraktion (RAF) befasst.

Eine ist weiterhin die nach den Tätern und Hintermännern des Attentats auf Alfred Herrhausen, den damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank – am frühen Morgen des 30. November 1989 war er genau dort ums Leben gekommen, wo Knopp gestern seinen Aufsager machte.

Wie üblich wollte sich Herrhausen damals von seinem Chauffeur von seinem Bad Homburger Wohnhaus, das sich nur unweit vom Tatort entfernt befand, in sein Büro nach Frankfurt bringen lassen. Doch als das Auto am Seedammweg eine Lichtschranke durchfahren hatte, erschütterte der laute Knall nicht nur die noble Kurstadt.

Sieben Kilo Sprengstoff hatten die Täter am Rand der Straße deponiert. Um diese Falle vorzubereiten, hatten sie zuvor die Wege Herrhausens ausgekundschaftet und ihre Falle als Baustelle getarnt. Sie verlegten die Zündeinrichtung und Kabel, kurz vor der Tat stellten sie dann ein Fahrrad ab, auf dessen Gepäckträger die Bombe lag. Alles unbemerkt von den Sicherheitsbehörden.

„Wir können natürlich auch keine Täter finden“, stellt Redakteur Michael Krons klar, der das Filmprojekt mit seiner Kollegin Eva Wormit betreut. Es gehe ihnen vor allem darum, Fragen zu stellen und vielleicht ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Etwa, woher die Täter das Wissen hatten, eine so komplizierte Bombe zu bauen, wie sie am Seedammweg zum Einsatz gekommen ist. So gebe es einen Zusammenhang zu dem Anschlag auf den libanesischen Ministerpräsidenten René Moawad kurze Zeit zuvor, erläutert Guido Knopp. Moawad war durch eine ähnlichen Bombe ermordet worden wie Herrhausen.

Der Deutsche-Bank-Chef war 1989 im Fond des zerstörten Wagens gestorben, Splitter hatten die Schlagader seines Beins getroffen. Sein Fahrer überlebte den Anschlag schwer verletzt. Wenige Tage später bekannte sich die Rote Armee Fraktion zu der Tat. Dennoch ist bis heute unklar, wer die konkreten Täter waren. „Auch die entlassenen RAF-Leute halten absolut dicht“, sagt Guido Knopp. Zudem gibt es bis heute Theorien, dass gar nicht die Rote Armee Fraktion hinter dem Anschlag steckte, trotz des Bekennerschreibens. Mal wurde die Stasi verdächtigt, mal der CIA und mal Italiens Rote Brigaden.

Genährt werden diese Spekulationen auch durch die Person Alfred Herrhausens. „Er war im Grunde völlig falsch ausgesucht“, sagt Michael Krons. Zwei Jahre vor seinem Tod hatte der Banker für Furore gesorgt, als er bei einer Weltbank-Tagung öffentlich die Forderung erhob, die Schulden von Entwicklungsländern teilweise zu erlassen. Er selbst habe Herrhausen einmal persönlich bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Bank kennengelernt, schildert Michael Krons. „Ein unglaublich netter Mann.“ Sogar Fotografen und Kameraleute habe Herrhausen mit Handschlag begrüßt.

Vor dem Termin in Bad Homburg war das Phoenix-Team gestern bereits in Frankfurt bei der Deutschen Bank und in Wiesbaden im Bundeskriminalamt. Dort werde es demnächst noch einen weiteren Drehtag geben, kündigt Eva Wormit an. Dann werde das Fahrrad, auf dem die Bombe montiert war, aus der Asservatenkammer geholt – oder besser das, was davon noch übrig ist.

Gern würde das Team auch mit Herrhausens Tochter Anna sprechen. „Die Perspektive der jüngeren Generation auf die damalige Zeit wäre spannend“, sagt Wormit. Ob es klappt, ist aber noch unklar. Es steht auch noch nicht ganz genau fest, wie der fertige Film aussehen wird, in dem neben dem Fall Herrhausen auch die ungelösten Morde an Detlev Rohwedder oder Siegfried Buback thematisiert werden.

Ursprünglich sei ein Beitrag von 45 Minuten geplant gewesen. „Doch es sieht danach aus, als ob es mehr wird“, sagt Michael Krons. Als Sendetermin ist jedenfalls der 30. November vorgesehen.

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