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Bürger in Wut

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Von: Miriam Keilbach

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Tiere gucken und nichts zahlen: Der öffentliche Philosophenweg führt durch das Privatgelände.
Tiere gucken und nichts zahlen: Der öffentliche Philosophenweg führt durch das Privatgelände. © Arnold

Streit in Königstein: Der öffentliche Philosophenweg führt durch das private Opel-Zoo-Gelände. Anwohner sollen in Zukunft zahlen, um den Weg nutzen zu dürfen. Der Zoo-Direktor stellt sich in den kritischen Fragen - und wird beschimpft.

Es geht nicht mehr um die Sache, es geht um gut und böse. Gut ist der Philosophenweg, böse der Opel-Zoo. Zwischenrufe, Pöbeleien, Beleidigungen – Zoodirektor Thomas Kauffels ertrug die Wut auf der Podiumsdiskussion „Der Opel-Zoo als Teil einer Kulturlandschaft“. Nur einmal haute er auf den Tisch, als wieder falsche Behauptungen die Runde machten. „Scheiße“, sagte er da.

Wolfgang Jaeschke von der Arbeitsgemeinschaft Kulturlandschaft stellte gleich zu Beginn infrage, dass der Zoo Teil der Kulturlandschaft sei. Es gebe zwei Kulturgüter entgegnete Gabriele Klempert von der Arbeitsgemeinschaft Historische Kulturlandschaft. „Es geht um ein ökologisch wichtiges Tal, das ist ein landwirtschaftliches Kulturgut.“ Der Philosophenweg sei Symbol für Bürgerrecht, das man jahrelang nicht ernst genommen hat. Gerold Dieke, ehemaliger Regierungspräsident und Zoo-Stiftungs-Vorstand sagte: „Wozu gibt es demokratisch gewählte Gremien? Es ist eine Chance, das Tal bekommt ein interessantes Wanderwegenetz.“ Doch über das Wort Volksvertreter lachten die Zuhörer.

Es geht, wie so oft, um den Philosophenweg, einen öffentlichen Weg, der durch das private Zoogelände führt. Der Zoo und die Städte Kronberg und Königstein erarbeiteten einen Entwurf, wonach an den Gebietsgrenzen künftig Drehkreuze stehen. Anwohner sollen ermäßigte Jahreskarten für den Zoo erhalten, um den Weg weiterhin nutzen zu können. Zudem soll es eine Umleitung entlang des heutigen Scheibenbuschwegs als Alternative geben.

Doch für die Anwohner kommt das einer Schließung des Philosophenwegs gleich. Dieser sei „die natürliche Linienführung, das ist vom Gefühl her der schönste Weg“, sagte Jaeschke. Landschaftsarchitektin Jana Seibel sprach von einer starken Steigung im Scheibenbuschweg. Sie machte gleich noch ein anderes Fass auf: Braucht der Zoo Elefanten? Eifrig stimmten die Besucher ein: Das Flusspferde-Gehege sei viel zu klein. Das offenbarte: An einer echten Konfliktlösung zum Thema gibt es kein Interesse.

Gerüchte machen die Runde

Kronbergs Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) erklärte die rechtliche Lage: Der Zoo könne auch entlang des Philosophenweges Sichtmauern errichten, eine Art Schutzwall. Das fassten die Besucher als Nötigung auf.

Gerüchte machten die Runde. Seibel sprach etwa von Uferversieglungen. „Wenn ich gegen etwas verstoße, zeigt mich doch an. Das macht aber keiner, weil es nicht haltbar ist“, antwortete Kauffels. Odszuck stellte klar: „Der Opel-Zoo hat mehr ökologischen Ausgleich betrieben als er Eingriffe vorgenommen hat.“

Dennoch: Eine Besucherin beschimpfte Kauffels als menschenunfreundlich, einer, der den Kronbergern viel weggenommen habe, „Hauptsache, ihr eigenes Gehalt ist gesichert.“ Applaus im Saal.

Während der Moderator sich überfordert für die Beiträge bedankte, griff der ehemalige Vorstand der Taunus Sparkasse, Hans-Dieter Homberg ein: „Die Art des Umgangs gefällt mir nicht. Das ist keine faire Diskussion.“ Klempert ergriff am Ende noch einmal das Wort: Informationen von Stadt und Zoo kämen nicht an, so käme es zu Gerüchten. Manchmal wollen Informationen aber auch nicht ankommen.

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