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Von Büchern träumen

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Von: Miriam Keilbach

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Ina Jansen mit ihrer Lieblingslektüre in der Stadtbücherei.
Ina Jansen mit ihrer Lieblingslektüre in der Stadtbücherei. © Michael Schick

Friedrichsdorf Eine Elfjährige wird mit 378 ausgeliehenen Medien Leserin des Jahres 2012

Ina Jansen ist das, was man einen Bücherwurm nennt. 378 Mal hat sich die Elfjährige seit Juli 2012 etwas aus der Stadtbücherei Friedrichsdorf ausgeliehen, es waren vor allem Bücher. Damit ist sie die Leserin des Jahres. „Ich lese eigentlich jeden Tag bevor ich schlafen gehe, manchmal auch tagsüber und in den Pausen in der Schule“, sagt die Fünftklässlerin, die die Philipp-Reis-Schule besucht.

In der Grundschule, erzählt sie, gab es sogar Schulstunden, in denen man Bücher mitbringen und lesen durfte – das ist auf dem Gymnasium nun anders. „Das ist schon schwerer.“ Ausgerechnet im Deutschunterricht hat die viele Leserei ihre Tücken: „Die meisten Bücher haben noch die alte Rechtschreibung, ich habe ein paar Probleme, weil ich so an die alte Rechtschreibung gewöhnt bin.“ Im Englischunterricht profitiert sie hingegen, manchmal leiht sie sich nämlich englischsprachige Kinderbücher aus, „aber nur für kleine Kinder“.

An Büchern schätzt die Elfjährige, dass etwas passiert. „Ich denke dann über das Ende hinaus, manchmal träume ich auch von den Büchern“, sagt sie. Ihre Lieblingsbücher ist die Reihe „Die drei !!!“. „Ich mag Reihen lieber als einzelne Bücher“, sagt sie, „Wenn ich einen Band fertig habe, freue ich mich schon auf den nächsten.“ Wenn es aber kein Happy End gibt, ärgert sie sich, sagt sie. Dann denkt sie sich ein neues Ende aus.

Lieber Reihen als Einzelbücher

Doch nicht alle ausgeliehenen Sachen waren für Ina. Auch ihre Eltern und ihre siebenjährige Schwester Cara leihen sich hin und wieder Bücher, Hörbücher und Spiele aus – mit Inas Karte. Ina mag auch gern Hörbücher, aber nicht die, die nur vorgelesen werden, lieber die, die mit verschiedenen Rollen eingesprochen sind. Einmal in der Woche kommt die Familie zur Stadtbücherei mit großen Tüten. Vorher schauen sie im Internet, was verfügbar ist und bestellen möglicherweise vor. „Ich wusste schon, dass wir viel ausleihen“, sagt die stolze Mama Sylvia, die sich freut, dass die Töchter so eifrig lesen. Schon früh fing ihre Ina mit dem Lesen an, schon in der zweiten Klasse. Inzwischen hat sie angefangen, die Bücher zu lesen, die ihre Mama liest. An der Stadtbücherei schätzt die Familie, dass sie immer aktuelle Bücher hat.

Außerdem schreibt Ina Geschichten, ein paar Szenen hat sie schon entworfen, aber ihr sei kein Ende eingefallen. Einmal die Woche geht sie zum Jazzdance. Außerdem malt sie viel und entwirft sogar Kleider. „Der Rest der Zeit ist für die Schule“, sagt sie. Ihre Freundinnen lesen auch viel. Für den Gutschein über 20 Euro von der Buchhandlung Schieferstein hat sie auch schon Verwendung: Sie will sich zwei neue Bände von „Die drei !!!“ kaufen.

Ausleihen ist ja das eine, aber Lesen das andere – „ich kenne Ina und wir gehen davon aus, dass sie die Bücher auch liest“, sagt die Leiterin der Stadtbücherei, Kristina Wachsmuth. Einige Bücher habe sie nach den ersten Seiten weggelegt, sagt Ina, weil sie ihr nicht gefallen haben. Sie hat aber auch bei einem Projekt mitgemacht, bei dem Fragen zum Inhalt der Bücher gestellt werden.

Seit Juli hat die Stadtbücherei ein neues EDV-Programm, mit dem sich nun genauer aufschlüsseln lässt, wer welche Medien ausleiht und wie viele. „Künftig wollen wir jedes Jahr den Leser des Jahres küren“, kündigt Wachsmuth an. Ob dann wieder Ina an erster Stelle steht? Der Abstand war auf jeden Fall groß: Auf dem zweiten Platz lag eine Familie, die rund 250 Medien auslieh.

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