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Bücher helfen lernen

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Von: Andrea Herzig

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Kultusminister Lorz (Mitte) in der Unterkunft Niederstedter Weg bei einem Sprachkurs für Flüchtlinge.
Kultusminister Lorz (Mitte) in der Unterkunft Niederstedter Weg bei einem Sprachkurs für Flüchtlinge. © Michael Schick

Kultusminister Lorz eröffnet eine Leseecke in der Flüchtlingsunterkunft Niederstedter Weg in Bad Homburg. Eingerichtet wurde sie mit Spenden. Material für rund 1800 Euro steht jetzt in den Regalen.

Die Flüchtlingsunterkunft am Niederstedter Weg ist so etwas wie eine Vorzeigeeinrichtung. Die Häuser im Rund gebaut, in der Mitte ein Platz mit einer großem Kastanie. In deren Schatten richten an diesem Sommertag Bewohner die Erfrischungen für Kultusminister Alexander Lorz (CDU) aus Wiesbaden her. Es gibt süßes Gebäck und Tee. Minister Lorz ist gekommen, um einen Leseraum für die Flüchtlinge einzuweihen. Noch ein Vorzeigeprojekt.

Bänke stehen um den Baum auf dem Platz, der idyllisch anmutet inmitten des Gewerbegebietes. Der Grund, warum die knapp 250 Männer, Frauen und Kinder, die Mehrheit derzeit aus Afghanistan, hier wohnen, hat nichts mit Idylle zu tun: Es sind vor Krieg und Terror Geflohene. Sie versuchen, hier ihr Leben auf neue Grundlagen zu stellen.

Dafür lernen sie Deutsch. Überall. Die SPD-Landtagsabgeordnete Elke Barth begrüßt einen Mittdreißiger, den sie von ihrem Praktikum aus der Einrichtung her kennt. Der Mann ist Koch und will in der Gastronomie arbeiten, derzeit wartet er auf sein zweites Interview zu seinem Asylgesuch. Barth freut sich über enorm gewachsenen Deutschkenntnisse. Der freundliche Koch nutzt jede Konversationsgelegenheit und spricht auch Minister Lorz gleich mal auf dem Flur an.

Lehrmaterial für 1800 Euro

Dieser darf dann in einem Konversationskurs im Klassenraum im ersten Stock mit seinem Fachwissen aushelfen. Wie viele Ministerien gibt es in Deutschland und gibt es eine Ministerin für Flüchtlinge? Es ist ein bisschen wie in der Quizshow. Wer was weiß, bekommt wohlwollenden Beifall. Auch die sechs Flüchtlinge in den 20ern, die hier an einem schmalen Tisch sitzen, fünf Männer und eine Frau, sind Vorzeigeflüchtlinge. Die einen haben ein Studium hinter sich: Pharmazie, Politik, Wirtschaft. Ein anderer ist Automechaniker, der Nebenmann Elektriker. Sie wollen hier weitermachen, wo sie in der Heimat aufhören mussten.

Die jungen Afghanen lernen mit Gerda Bauer-Goll. Die Profi-Sprachtrainerin arbeitet hier ehrenamtlich. Ihre Schüler können alle etwas Englisch, das erleichtert den Sprachunterricht – und auch den Kontakt zu Alexander Lorz, der gefragt wird, welche Meinung er zu Flüchtlingen habe. Er freue sich, dass sie alle gesund und munter hier säßen und Deutsch lernten, zieht sich der Minister da aus der Affäre.

Lehrerin Bauer-Goll will demnächst mit ihren Schülern Lebensläufe für Bewerbungsschreiben üben, auch dafür wird die neue Leseecke nützlich sein, die Minister Lorz am Ende seines Rundgangs besichtigt. Eingerichtet wurde sie mit Spenden. Material für rund 1800 Euro steht jetzt in den Regalen. Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt hat Regale, einen Sitzsack und 120 Lern- und Lesebücher angeschafft. Die Materialien sind zum Teil mehrsprachig in Deutsch und Arabisch oder Dari, auch als afghanisches Persisch bekannt.

Viele Bücher sind für Grundschulkinder gedacht. Eine Reihe Bildwörterbücher, erklärt Karin Plötz von der Bildungsinitiative Litcam, die Bücherecken wie diese an 27 Orten in ganz Deutschland eingerichtet hat, helfen Erwachsenen und Kindern beim Spracherwerb. Auch ein PC mit DVDs steht zur Verfügung. Auf Postern ist in vielen Sprachen zu lesen, wie man eine Deutsch-Lern-App aufs Handy lädt.

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