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Ein Buch, das Ärger bringt

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Von: Miriam Keilbach

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Wegen des Streits um den Philosophenweg geben Abgeordnete Geschenke vom Zoo zurück.
Wegen des Streits um den Philosophenweg geben Abgeordnete Geschenke vom Zoo zurück. © Arnold

Mit dieser Aktion hat sich Thomas Kauffels, Direktor des Opel-Zoos, vergriffen: Mitte Dezember verschickte Kauffels an jeden Abgeordneten der Stadtversammlungen in Kronberg und Königstein sowie die Magistratsmitglieder beider Städte ein Buch über Zoos – und das mitten in der politischen Debatte um den Philosophenweg.

„Ein Geschmäckle ist dabei“, sagt der Vorstand der Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK), Robert Rohr. Er unterstellt Kauffels zwar keine Korruptionsabsicht, doch der Zeitpunkt und der Buchwert seien unglücklich. „Wir haben aktuell wegen des Philosophenwegs eine Auseinandersetzung mit dem Zoo“, sagt Rohr.

Debatte über neuen B-Plan

Zum 125-jährigen Bestehen hatte der Verband Deutscher Zoodirektoren, dessen Vorsitzender Kauffels ist, ein Buch über die Bedeutung von Zoos für die Menschen und die Aufgaben, die ein Zoo übernimmt, herausgegeben. „Gärten für Tiere – Erlebnisse für Menschen: Die Zoologischen Gärten des VDZ“ heißt das Buch, das 39,95 Euro kostet.

Bärbel von Römer-Seel von den Grünen Königstein sagt: „Das Buch ist schön, aber in dem Wert ist so ein Geschenk nicht üblich.“ Unter einem ethischen Aspekt und zum Selbstschutz, sich nicht angreifbar zu machen, werde sie das Buch zurückgeben. Besonders das Anschreiben sei unglücklich. Darin legt Kauffels den Abgeordneten das Buch ans Herz. Er hoffe, dass sie die Aufgaben eines Zoos verstünden und nachvollziehen könnten, was der Opel-Zoo leiste.

Das Geschenk taucht in einer hitzigen Debatte auf: In Kronberg war der Beschluss, den bestehenden Bebauungsplan zum Philosophenweg zu ändern, schon gefasst, ehe die Bücher kamen. Die Königsteiner Stadtverordneten stimmen aber erst noch ab. Der jetzige Bebauungsplan sieht vor, für die Zoobesucher eine Brücke über den öffentlichen Philosophenweg zu bauen, der quer durch den Zoo verläuft. Wie die neue Lösung aussieht, muss erst noch erarbeitet werden. Außerdem will der Zoo mehr Parkplätze errichten. Seit Jahren gibt es einen Streit zwischen den Städten, deren Bürgern und dem Zoo. Kauffels sei auf Geschäftsreise, sagte die Zoosprecherin, man wolle sich erst nach seiner Rückkehr zu den Büchern äußern.

In Königstein und Kronberg werden sich am Dienstag die Ältestenräte mit dem Thema beschäftigen. Laut Claus Harbers, Sprecher der Stadt Kronberg, soll es darum gehen, wie man generell mit solchen Geschenken umgeht. Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) mahnt „die Kirche im Dorf zu lassen“. Er sehe das weniger problematisch.

„Das Buch dient der Selbstdarstellung und ist eine typische Werbeaktion“, sagte Helm, räumte aber ein, dass ihm nicht bekannt sei, dass es je schon ein Buch als Werbegeschenk gab. „Es ist eher ungewöhnlich mit so einem schönen Einband“, sagte er. Broschüren bekämen die Stadtverordneten öfter. „Für eine kleine Aufmerksamkeit war das Geschenk zu wertvoll“, sagt Rohr.

Stadtverordnete und Magistratsmitglieder dürfen anders als Verwaltungsangestellte selbst bestimmen, Geschenke anzunehmen oder abzulehnen. Habers berichtet von Kronberger Abgeordneten, die dem Zoo eine Spende im Gegenwert des Buches überwiesen haben. Die ALK sammelt die Bücher auf ihrer nächsten Fraktionssitzung am Dienstag ein und schickt sie zurück an den Zoo. „Wir hatten interne Beratungen“, sagt Rohr, „wir hatten auch überlegt, sie der Stadtbücherei zu spenden oder dem Zoo den Gegenwert dafür zu spenden.“ Man habe sich aber gegen eine solche Zwangsspende entschieden.

Werbung oder Einflussnahme?

Der BUND Hochtaunus spricht von schamlosem und instinktlosem Verhalten. „Mit solch kleinen Sachen fängt es an“, sagt Vorsitzende Claudia von Eisenhart-Rothe. „So generiert man positive Stimmung.“ Sie unterstellt Kauffels, mit den Geschenken bei Entscheidungsträgern für wohlwollende Stimmung zu sorgen. „Für den BUND ist hier ein Punkt der Schamlosigkeit Richtung Korruption überschritten, der nicht mehr unkommentiert bleiben darf.“

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