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Karl-Heinz Bickel hat einst im Beiwagen mit seinem Vater Karl Pokale und andere Trophäen gejagt.

Bad Homburg

Geländefuchs mit Beiwagen

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Das Rennfahrerleben von Karl und Karl-Heinz Bickel präsentiert die Ausstellung "Motorradfahrer aus Leidenschaft" im Bad Homburger Horex-Museum.

Längst ist das Werksgelände in Bad Homburg überbaut, Fertigungsstätte und Gleisanschluss sind aus der Stadtlandschaft verschwunden. Heute bedeckt die Deutschlandzentrale von Bridgestone einen Platz, der vielen Taunusbewohnern unvergessen geblieben ist. Dass der Horex-Zauber auch im 21. Jahrhundert nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt hat, zeigte sich bei der jüngsten Ausstellungseröffnung im nahe gelegenen Horex Museum.

Es ist eine neue Reihe, die von Ursula Grzechca-Mohr, Leiterin des Städtisch-historischen Museums, initiiert wurde und „Motorradfahrer aus Leidenschaft“ betitelt ist. Der Mensch am Motor soll in den Vordergrund treten, das individuelle Geschick neben all den technischen Sensationen aufleuchten. Den Anfang macht Rennsportler Karl Bickel, ein 1913 in Bad Homburg geborener Horex-Mann mit besonderen Fähigkeiten.

„Ein besonnener Fahrer.“ Und doch ein furchtloser, technisch versierter. Sohn Karl-Heinz Bickel hat dem Museum die familieneigenen Erinnerungsstücke übereignet: Ein von Geschwindigkeit geprägtes Epochenbild, gespiegelt in Pokalen, Ehrenbechern, Medaillen. Niemand kann besser wissen, was war. Niemand war näher dran. Mit dem Vater hat der heute 82-Jährige ein Gespann-Team gebildet, hat in den beginnenden 50ern das Beiwagen-flankierte Gefährt in Balance gehalten.

Die historischen Aufnahmen – für die Nachwelt aufbereitet von dem ebenfalls in Nieder-Eschbach beheimateten Wolfram Reuter – sprechen von den Mühen im Geläuf: Staub, Regen, Matsch und Schnee. Einmal zerteilt der „alte Geländefuchs“ mit seinem „Regina“-Rennmodell die Wassermassen während einer zweitägigen, mit dem Gewinn der Bronzemedaille belohnten Meisterschaftsfahrt. Nicht ohne Grund sind die mit dem Horex-Emblem geschmückten und die große Bickel-Vitrine komplettierenden Helme von Vater und Sohn arg ramponiert.

Die erste 350er – später wurde eine stärkere Maschine vom Werk gestellt – habe man der Firma sogar für 2000 Mark abkaufen müssen. „140 Stundenkilometer“, sagt Karl-Heinz Bickel auf die Frage nach der Höchstgeschwindigkeit. Axel Butterweck, Koryphäe der Betriebshistorie, weist auf die „Kunst des Gespannfahrens“ hin, das symbiotische, auf Vertrauen basierende System. Als Kurator der ebenfalls bis Herbstbeginn dauernden Präsentation „Ausgewählte deutscher Motorräder der 1950er und 1960er Jahre im Vergleich“ hat er die Gunst der Eröffnungsstunde genutzt, um zwei alte Gespanne vor das Museum zu dirigieren.

Während im Obergeschoss des markanten Gebäudes die Legenden vom Schlage SB 35 oder T6 bewegungslos verharren, spült der unvergessliche Klang arbeitender NSU- und Horex-Motoren wahre Erinnerungswellen ins Homburger Frühlingslicht. Die Horex-Gemeinde hat sich zahlreich eingefunden, lässt Erinnerungen an Sandbahn-, Berg- und Winterrennen aufleben, dazu die prominenten Piloten vergangener Zeiten. Teddy Bauch, Friedel Schön, die Gebrüder Haushalter.

Und natürlich Karl Bickel, der als 14-jähriger Lehrling erstmals das Werkstor des berühmten Motorradfabrikanten durchschreitet. Sein späteres, beglücktes Rennleben profitiert vom Wissen des beruflich beauftragten „Einfahrers“. „Die haben“, so Butterweck, „die Funktionstests und Endkontrollen durchgeführt.“ Kaum war eine neue Maschine montiert, ging es über Kopfsteinpflaster und Asphalt mit Karacho hinauf Richtung Saalburg. „Jedes Mal bis zur Horex-Kurve und wieder retour.“

Nahe am dortigen Limes war es auch, wo der junge Karl-Heinz Bickel bei einem Rennen einmal aus dem Seitenwagen rutschte. „Ein anderer Fahrer hat mich von der Bahn gezogen – in voller Fahrt und ohne anzuhalten.“

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