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Florian Homm glaubte früher vor allem an das Geld. Dann kam sein Wertewandel.

Florian Homm

Der Mann von der Most-Wanted-Liste des FBI

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Ex-Multimillionär Florian Homm wird von den USA gesucht, steht auf der Most-Wanted-Liste des FBI. In Deutschland ist er derzeit sicher. Beim Wirtschaftskongress in der Oberurseler Stadthalle tritt er auf - und beschreibt den Wandel seiner Werte.

Der Ex-Multimillionär und Anlageprofi Florian Homm wird von den USA gesucht, ist auf der Most-Wanted-Liste des FBI. Ihm wird konspirativer Betrug zum Schaden von Investoren und Marktmanipulation vorgeworfen. Einzig in Deutschland ist er vor einer Festnahme sicher, denn nach deutschem Recht werden ihm derzeit keinerlei Straftaten zur Last gelegt. Beim heute stattfindenden Oberurseler Werte- und Wirtschaftskongress von „Fokus O.“ in der Stadthalle spricht der 55-Jährige, der als D-Mark-Milliardär früher gerne „mit drei Models Party gemacht“ hat, wie er selbst sagt, über seinen Wertewandel. Die Millionen, die noch von seinem Vermögen geblieben sind, wurden eingefroren. Zum Interview in Usingen kommt er in einem 15 Jahre alten Opel.

Herr Homm, was ziehen Sie persönlich aus dem Wertewandel, den Sie erfahren haben?
Bei jedem persönlichen Erfolg sollten wir uns stets fragen: „Macht er mich wirklich glücklich?“ Denn Glück ohne Dankbarkeit, das kann es in meinen Augen nicht geben. Und jeder Mensch bekommt später das zurück, was er im Leben angestellt hat. Der Glaube hat mir da wirklich die Augen geöffnet. Selbst der Hoffnungslose hat eine Chance, das habe ich jetzt begriffen und will es auch kundtun. Das tue ich unter anderem auf meiner Webseite. Ich mache das nicht aus einem kommerziellen Interesse. Ich will einfach, dass diese Botschaft gehört wird.

Wie kam es zu dem Wandel und ihrem Weg zur Spiritualität, zum Glauben?
Ich war beim Bundesligisten Borussia Dortmund zu gut einem Viertel eingestiegen, es lief eigentlich sehr gut. Ich wurde immer reicher, und ich arbeitete immer mehr. Zum Teil bis zu 100 Stunden pro Woche. Ich hatte Flugzeuge, Autos, Frauen, alles. Aber ich war nicht wirklich glücklich. Um die Jahre 2006, 2007 begab ich mich dann auf die Suche, riss aus dem gewohnten Leben aus. Ich besuchte 50 Länder in fünf Jahren. Ein ehemaliger IRA- Kämpfer gab mir das Buch. Ich fing an, viel zu beten und in die Kirche zu gehen, statt mir die Zeit mit schönen Frauen zu vertreiben. Ich reflektierte und reiste viel. Und in diesem Exil habe ich meinen alten Job nicht ein einziges Mal vermisst.

Was wurde aus dem alten Florian Homm?
Ein Wandel heißt nicht, dass ein Mensch sich zwangsläufig komplett verändert. Aber er schlägt einen anderen Weg ein und trifft bei Entscheidungen eine andere Wahl. Ich bin nun in meinen neuen, karitativen Aufgaben ähnlich obsessiv wie früher in der Geldvermehrung, auch wenn es nun nicht mehr 100 Stunden in der Woche sind. 50 sind es aber locker.

Sie beschäftigen sich sehr viel mit dem wahren Glück. Wie sieht es aus?
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein Glücksgefühl entweder mehr oder weniger nachhaltig ist. Was bringt mir ein zweiter Jet? Nach ein paar Monaten denke ich daran, was ich noch so bräuchte. Aber wenn Sie eine Schule in einem armen Land unterstützen und dann besuchen, und dort Kinder erleben, die so smart und gut versorgt sind wie deutsche Gymnasiasten, dann hält so eine Erfahrung locker für ein Jahr an. Das ist nachhaltig. Das war mir sicher in meinem früheren Beruf irgendwo klar, ich hab‘s nur nicht reingelassen, diese Einsicht. Liberia hat mich überwältigt. Es ist das viertärmste Land der Welt. Einige Kinder hatten dort nicht mal Sandalen. Das normale Monatseinkommen entspricht dem Preis von zwei meiner Zigarren. Aber die Leute waren richtig gut drauf. Die haben gelacht, sind trotz widriger Umstände im Wesentlichen glücklich. Trotz eines furchtbaren Bürgerkrieges.

Macht Geld glücklich?
Nein, nur Aufgaben, die man auf sich nimmt, hängen mit dem persönlichen Glück zusammen. Die bloße Vermehrung von Reichtum hat dagegen noch gar nichts mit Glück zu tun. Großes Kapital bringt das mit sich, was ich eine negative Glücksrelation nenne. Das Geld wird so allmächtig, dass es bedient und betreut werden will. Ich kenne so viele Leute, die wirklich extrem gut situiert sind. Die nehmen sich selbst zu wichtig, haben aber Probleme. Und die Psychiater gehen da ein und aus. Das Geld zerstört die Familienverhältnisse.

Ihnen persönlich haben ihre Geschäfte auch Ärger eingebrockt.
Ja, Mitte Dezember saß ich für eine Nacht in Erlangen im Gefängnis, weil in der Schweiz ein Haftbefehl läuft. Um fünf Uhr morgens veranlasste das BKA dann aber meine Freilassung. 2013 war ich auch in Florenz und in Pisa inhaftiert. In Florenz war ich einer von neun Leuten in einer Zelle, die nur für drei Häftlinge gebaut war. Das kann man sich nicht vorstellen. Ich leide an Multipler Sklerose, und im Gefängnis bekam ich heftige Schübe, ich musste an Krücken gehen. Seither habe ich einen Schwerbehindertenausweis. Doch heute ist das alles wesentlich besser. Die Krücken brauche ich jedenfalls nicht mehr, und ich bin auch deutlich glücklicher.

Sind sie ihrer Geburtsstadt Oberursel noch verbunden?
Ich bin volle Pulle „Orscheler“, ja. Mit 16 weg, dann in den USA, erst mit 30 Jahren zurück. Für mich ist Oberursel wunderbar. Das war mal ein kleines Dörfchen und ist inzwischen eine Stadt mit fast 50 000 Einwohnern. Erasmus Alberus war einst hier, ein Gefolgsmann Martin Luthers. Es ist eine bewegte Stadt, auch mit seiner Vergangenheit, den RAF-Zeiten. Eine überraschend weltoffene Stadt ist es auch. Wenn man sieht, wo die Oberurseler schon überall waren, wohin sie reisen, das ist äußerst beeindruckend. Es gibt hier viel Natur, eine schöne Altstadt, und eben sehr interessante Menschen. Das kann man auch nicht über jede Stadt sagen. Ja, das ist schon Heimat für mich.

Interview: Götz Nawroth

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