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Bootsholz überm Wasser

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Von: Olaf Velte

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Handbreit überm See: Die Schiffskörper von Anja Harms und Eberhard Müller-Fries.
Handbreit überm See: Die Schiffskörper von Anja Harms und Eberhard Müller-Fries. © Michael Schick

Die Oberurseler Künstler Anja Harms und Eberhard Müller-Fries zeigen im Kleinen Tannenwald Skulpturen auf Stelzen über dem Wasser des Sees.

Allzu viel Schönheit ist verdächtig. Der Kleine Tannenwald von Bad Homburg ist so ein Ort, an dem man auf komische Gedanken kommen kann. Lieblich der Park mit seinen Laubengängen und Schmuckbeeten, in schöner Friedfertigkeit ruht der See, wispern die Blätter der alten Buchen und Eichen.

Herausgeputzt nach langen Jahren der Verwilderung präsentiert sich heute, was Generationen von Landgrafen und -gräfinnen zum eigenen Ergetzen und Wohlgefallen in die Landschaft gestellt hatten. Die umzäunte Ruine des Meierei-Bauwerks – bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts feste Adresse für Ausflügler – spricht da eine andere, verfallsgesättigte Sprache. Es ist gut, dass die Mitarbeiter des Bauhofes zugange sind, ihre Motorsägen aufheulen lassen, dem Totholz des Tannenwäldchens zuleibe rücken. Inmitten all der zart-schönen Gartenpracht.

Dass sich die Oberurseler Künstler Anja Harms und Eberhard Müller-Fries diesen Schauplatz auserkoren haben, um drei Bootsformen übers Wasser zu hängen, ist nachvollziehbar. Die zuletzt in der Galerie Artlantis verankerte „Lied vom Meer“-Ausstellung sollte in den öffentlichen Raum verlängert werden, ihre Kreise ziehen. Ein Wunsch, der in gemeinsamer Anstrengung mit Artlantis-Galerie und Oberursels LiteraTouren verwirklicht werden konnten. Nicht ohne Mühen.

Bauantrag erforderlich

„Wir mussten“, so Buchgestalterin Harms, „einen Bauantrag stellen.“ Und die Wasser- mitsamt Naturschutzbehörde ins Boot holen. Eichene Bootshölzer sollten auf schlanken Stelzen verankert werden, keine Berührung mit dem grüntrüben Gewässer haben. Weil der Boden des 6600 Quadratmeter großen Teiches nicht verletzt werden durfte, wurde die Angelegenheit „technisch aufwändig“. – Keine Kunst ohne Mühsal und Arbeit. „Die Schwimmprobe im Hattsteinweiher bei miserablem Wetter verlief erfolgreich“, sagt Müller-Fries.

Und so dürfen sie schweben, die Eichenkörper der Taunus-Seefahrer, sich spiegelnd im Weiher, glänzend im seltenen Sonnenstrahl. Bis Ende des Sommers – dessen Fortgang derzeit niemand voraussehen kann – bleibt die Installation am idyllischen Ort. Wo sie eine poetische Position markiert – durchaus rätselhaft, keinesfalls schmückend. Eingeschrieben ist dem so fragilen wie unerschrockenen Trio ein Vers von Celan: „Mit erdwärts gesungenen Masten / fahren die Himmelwracks.“ Aus räumlicher Enge gerissen, gehen die Arbeiten des Künstlerduos auf neuen Kurs.

Bei der Umrundung des Tannenwaldweihers – das Entenrevier in der Nase, den Reiherschrei im Ohr – wechseln die Perspektiven, ziehen die regenschweren Wolken. Zerren die schmalen Schiffsrümpfe nicht an ihren Ankerstelzen? Lockt sie nicht der Welle sanfter Schimmer?

Gehoben bleiben die Boote, wanken nicht und stürzen nicht. Ihre Fracht ist magisch, aus der Zeit gefallen. Wer könnte sie je in den Hafen holen wollen?

Ausstellung bis Ende September. Der Kleine Tannenwald liegt zwischen dem Mariannen- und Leopoldsweg.

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