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Bodycam-Einsatz im Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen.

Hochtaunus

Mit der Bodycam zum Volksfest

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Die Polizei registriert ein Zehnjahrestief bei den Straftaten. Gleichzeitig nehmen Angriffe auf Beamte und sexuelle Übergriffe zu. 

Weniger registrierte Straftaten, eine ordentliche Aufklärungsquote – bei der Präsentation der Kriminalstatistik konnte Victor Lekic, Leiter der Kriminalpolizei im Hochtaunuskreis, am Mittwoch recht zufrieden auf das vorige Jahr zurückblicken.

Was die Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner angeht, sei man sogar auf einem Tiefstwert für die vergangenen zehn Jahre angekommen, sagte Lekic. Zudem bewege sich die Kriminalitätsbelastung im Hochtaunuskreis 30 Prozent unter dem hessischen Durchschnitt.

Dennoch sei die subjektive Wahrnehmung der Bürger oft eine andere, bedauert der Kripo-Leiter. Dabei sinken die Zahlen gerade bei öffentlich besonders auffälligen Delikten wie Straßenkriminalität und Diebstählen seit Jahren kontinuierlich. Beispielsweise verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr 6,6 Prozent weniger Wohnungseinbrüche. „Die Menschen sichern ihre Häuser besser“, hat Lekic festgestellt. Außerdem leisteten seine Kollegen eine intensive Präventionsarbeit. So rückten die Polizisten im Hochtaunuskreis im Jahr 2018 allein zu 500 Einzelberatungen von Wohnungseigentümern aus.

Trotzdem war der reiche Hochtaunus noch immer eine beliebte Region bei Dieben und Betrügern. Straftaten, die auf das Geld der Mitbürger zielen, machten mehr als die Hälfte aller Delikte aus. Dazu gehören auch die Betrugsversuche bei älteren Menschen, ob per „Enkeltrick“ oder in Form falscher Polizisten oder Handwerker. Dafür hat die Polizeidirektion Hochtaunus 2017 eigens ein spezielles Ermittlerteam gebildet, allerdings werden diese Taten in der Statistik nicht eigens ausgewiesen.

Sorgen bereiten Victor Lekic die zunehmenden Angriffe auf die eigenen Kollegen. Dieses Phänomen sei im Taunus zwar weniger ausgeprägt als in den Großstädten. „Doch die Hemmschwelle sinkt.“ Früher sei es so gut wie nie vorgekommen, dass Beamte bei Kontrollen körperlich attackiert wurden, sagte Lekic, im zurückliegenden Jahr habe man insgesamt 38 Übergriffe registriert.

Dem will die Polizei durch eine modernere Ausstattung begegnen. Dabei werden etwa Streifen mit Bodycams auf Volksfesten unterwegs sein, erklärte Lekic. Außerdem prüfe man für solche Gelegenheiten auch den Einsatz eines mobilen Videofahrzeugs.

Eine auf den ersten Blick drastische Zunahme verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr bei sexuellen Übergriffen (plus 32,1 Prozent). Das habe aber vor allem mit einer Änderung des Strafrechts zu tun, erklärte Lekic. Früher seien viele der Delikte als „Beleidigung“ eingestuft worden. Hinzu komme, dass Frauen inzwischen häufiger Anzeige erstatteten.

Alles in allem hat die Hochtaunuspolizei im vergangenen Jahr 9983 Straftaten erfasst. Das waren 5,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag mit 56,8 Prozent um 1,6 Prozent niedriger als 2017. Allerdings ist das immer noch der dritthöchste Wert seit 2010.

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