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Jörg Hölzer im vergangenen Herbst in seinem Haus.

Bad Homburg

Jörg Hölzer ist tot

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Der Chef der Aktionsgemeinschaft Jörg Hölzer erlag in der Nacht zum Sonntag seinem Krebsleiden. „Jörg Hölzer war so etwas wie das verlässliche Herz unserer kleinen Stadt“, würdigt ihn sein langjähriger Vertrauter Wolfgang Herder.

Er war der Kitt in der Stadtgesellschaft. Er war der Mann, der mit allen reden konnte, der mit allen auskam und der alle immer wieder an einem Tisch versammelte. Die Menschen haben ihn gemocht. Er wird der Stadt fehlen und nicht einfach zu ersetzen sein. In der Nacht zum Sonntag starb Jörg Hölzer, der Chef der Bad Homburger Aktionsgemeinschaft, an den Folgen seiner Jahrzehnte andauernden Krebserkrankung. Er wurde 58 Jahre alt.

Das letzte Mal in der Öffentlichkeit sah man Hölzer Ende Januar beim Start der Rallye Monte Carlo Historique am Kurhaus. Eines seiner „Babys“, für das er sich lange eingesetzt hatte. Mit seinem Freund Günther Krause hatte Hölzer als Beifahrer am Rennen im stadtbekannten knallorangefarbenen BMW mehrfach selbst teilgenommen. Er hat mit dazu beigetragen, dass der Startschuss zum Rennen jetzt wieder in Bad Homburg knallt.

Doch in diesem Jahr durfte er nicht mehr mitfahren. Eigentlich hätten ihm die Ärzte ja schon die Teilnahme am Start verboten, scherzte er am Telefon. Aber das wolle er sich einfach nicht verkneifen. Für den Jahresempfang seiner Aktionsgemeinschaft zwei Wochen später reichten die Kräfte nicht mehr. Tochter Sophia schickte ein Handyvideo von der grüßend winkenden Festgesellschaft ins Krankenhaus.

Auch wenn er nicht da war, war er trotzdem präsent, war immer noch mittendrin. Sein Interesse an den Themen der Stadt ließ auch in den letzten Wochen seines Lebens nicht nach.

„Das verlässliche Herz unserer Stadt“

Das schildert Franz Josef Mues, der Vorsitzende des Fördervereins Kleiner Tannenwald – der Verein, für den sich Hölzer mit Herzblut engagiert hatte. Es sei beeindruckend gewesen, wie sich Hölzer, seinen Krankheitszustand schlicht ignorierend, noch weiter Protokolle schicken ließ, Ideen produzierte und Ratschläge gab, berichtet Mues.

„Jörg Hölzer war so etwas wie das verlässliche Herz unserer kleinen Stadt“, würdigt ihn sein langjähriger Vertrauter Wolfgang Herder vom Kur- und Verkehrsverein. Hölzer habe immer Ideen gehabt und dafür Partner in seinem großen Netzwerk gesucht. Er habe aber, so Herder, auch zuhören können. „Immer mit offenen Handflächen und nie mit der geballten Faust.“ Auch als die Krankheit sein Leben immer mehr einschränkte, habe er sich für das Gemeinwohl eingesetzt. „Er wollte nicht loslassen.“

Jörg Hölzer hat das Leben sehr geliebt. Viel zu sehr, um sich ständig damit zu beschäftigen, dass es hoch gefährdet war, schon viele Jahre. Für viele öffentlich wurde dies 2009. Da kämpfte der gebürtige Allgäuer offen gegen seine Leukämieerkrankung und organisierte mit Hilfe seiner Bekanntheit eine Typisierungsaktion. Sie hat ihm persönlich nicht geholfen – aber vielen anderen. Seit dem jungen Erwachsenenalter kämpfte Hölzer gegen den Krebs. Er machte nie ein Geheimnis daraus, wollte seine Gesundheit aber nicht in den Mittelpunkt seines Lebens stellen.

Seit 1998 war Hölzer Chef der Aktionsgemeinschaft. Er einte die traditionell eher zerstrittenen Einzelhändler und machte aus dem Verein ein schlagkräftiges Gremium, das seinesgleichen in der Region sucht. Sein Stellvertreter Thomas Meye würdigt den verstorbenen Vorsitzenden und sein unermüdliches Engagement, sich unentgeltlich für die Aktionsgemeinschaft einzusetzen. „Er hat unglaublich viel Zeit geopfert“, sagt Meye. Es werde sehr schwer sein, ihn zu ersetzen. In den nächsten Tagen werde sich der Vorstand beraten, wie es weitergeht an der Spitze des Vereins.

„Jörg Hölzer bleibt für uns alle ein Vorbild“, würdigt Oberbürgermeister Alexander Hetjes den Verstorbenen. Voller Elan habe er immer wieder neue Projekte angestoßen, zuletzt den Start der Rallye Monte Carlo Historique. Er sei froh, sagt Hetjes, dass Hölzer die Früchte seiner Bemühungen noch erleben konnte.

Seit der Schulzeit war Hölzer im Ehrenamt unterwegs, er war Klassensprecher, Schülersprecher, Elternbeirat. Wer Kritik übt, muss auch mitmachen, das war sein Credo. Im vergangenen Dezember war Hölzer mit dem Bundesverdienstkreuz für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet worden.

Hölzer war auch Mitglied der CDU, doch mit wem er zusammenarbeiten wollte, ließ er sich nie von Parteigrenzen vorschreiben. Er konnte auch mit Ex-OB Michael Korwisi sehr gut. Und sagte dies öffentlich.

Der gläubige Katholik Jörg Hölzer war ein überzeugter Familienmensch, mit seiner Frau Gabriele führte er viele Jahre eine Versicherungsagentur. Er ist im Kreis seiner Familie gestorben, seine Frau und seine drei Töchter haben ihn begleitet.

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