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Blutsauger im Gebüsch

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So sieht sie aus: eine Zecke hat sich festgebissen.
So sieht sie aus: eine Zecke hat sich festgebissen. © dpa

Die Leiterin des Gesundheitsamts Gabriele Vollbrecht erklärt im FR-Interview, wie man sich vor Zecken und Borreliose schützen kann.

Frau Vollbrecht, die Anzahl der Borreliose-Fälle hat in Hessen stark zugenommen. Gilt das auch für den Hochtaunuskreis?

Vermutlich, aber sicher lässt sich das nicht sagen. Das Problem ist, dass Borreliose in Hessen nicht meldepflichtig ist, anders als in anderen Bundesländern. Wir können uns daher nur auf Zufallsbefunde von Ärzten und Krankenkassen berufen. Genaue Daten haben wir nicht.

Borreliose wird von Zecken übertragen. Krabbeln in diesem Jahr denn mehr von den Tieren durch Wald und Flur?

Bislang gibt es keine statistischen Erhebungen über die Größe der Zeckenpopulationen im Kreis und deren Befall mit Borrelien. Aber eine entsprechende Studie ist in Arbeit. Man geht davon aus, dass etwa fünf bis 35 Prozent der Zecken in Deutschland die Bakterien tragen. Generell mögen Zecken Wärme und eine Luftfeuchtigkeit von etwa 80 Prozent. Trockenheit bekommt ihnen nicht. Daher ist anzunehmen, dass sie sich in diesem Sommer besonders gut vermehren. Allerdings haben wir bisher noch nicht so viele Anfragen zu Zecken, Borreliose und FSME bekommen wie 2008 und 2007.

Wald, Wiese, Garten: Wo leben die Blutsauger?

Überall, wo bodennahe Pflanzen wie Farne, Gräser und Sträucher wachsen, besteht die Gefahr, sich eine Zecke zu holen. Das kann im Wald genauso passieren wie im Garten. Dass Zecken von Bäumen fallen, ist allerdings eine Mär.

Was kann ich tun, um Zeckenbisse zu vermeiden?

Am besten lange Kleidung und festes Schuhwerk tragen. Es gibt auch Insektenschutzmittel, das im gewissen Maße gegen Zecken wirkt, jedoch meist nur für wenige Stunden. Auf jeden Fall sollte man sich nach einem Aufenthalt im Freien gründlich absuchen.

Und wenn sich doch eine Zecke festgebohrt hat?

Dann muss sie umgehend entfernt werden, und zwar ohne dass sie gequetscht wird. Sonst kommen die Krankheitserreger in den Körper. Das Gleiche geschieht, wenn man sie vorher mit Kleber, Öl oder Nagellackentferner betäubt. Wer die Zecke nicht selbst entfernen kann, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen.

Welche Symptome sind typisch für Borreliose?

Die Krankheit hat mehrere Stadien: Innerhalb der ersten zwei Wochen kann sich die charakteristische Wanderröte rund um den Stich bilden. In dieser frühen Phase ist die Krankheit noch sehr gut behandelbar, vorausgesetzt, man geht sofort zum Arzt. Im zweiten Stadium zeigen sich oft Nervenschmerzen, selten auch Lähmungen im Gesicht oder in den Beinen. Das dritte Stadium sind dann meist einseitige Gelenkentzündungen, insbesondere am Knie.

Was, wenn es so weit kommt?

In jedem Fall ist eine ärztliche Behandlung unter Hinweis, dass man von einer Zecke gestochen wurde, nötig. Tückisch ist jedoch, dass viele den Stich gar nicht bemerkt haben und die Krankheit somit nicht erkannt wird. Weil ihre Symptome denen anderer Gelenkleiden wie Arthritis oder Rheuma ähneln, wird oft lange eine falsche Diagnose gestellt.

Zecken übertragen noch eine Viruskrankheit: Die Frühsommer-Meningo-Encephalitis, kurz FSME. Wie steht es damit?

Die FSME ist im Hochtaunus derzeit kein Thema. Eine Impfung ist daher nicht zu empfehlen, es sei denn, man hält sich oft in sogenannten Risiko-Gebieten auf. Diese können beim Gesundheitsamt unter der Telefonnummer 06172/9995813 erfragt werden.

Interview: Meike Kolodziejczyk

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