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Michels und Schmidt  im Schwimmbad von Höfer.
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Michels und Schmidt im Schwimmbad von Höfer.

Literatur im Taunus

Blubben und suppen

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Neues über die Waldschule und Wilhelm Michels: Ingrid Berg spricht in der Stadthalle Kronberg über den Aufenthalt des Schriftstellers Arno Schmidt in der Burgstadt.

Während seiner einzigen öffentlichen Lesung soll Arno Schmidt sehr schnell und leise vorgetragen haben. Den Schülern und wenigen Kronberger Bürgern wird sie trotzdem in Erinnerung geblieben sein. Bei kaum einem deutschen Schriftsteller finden sich schließlich Passagen wie diese: „Schon von weitem hörte ich, wie das Klavier unter Emmelines Pfötchen nervös brüsselte; dicke Blasen stiegen auf; im Baß blubbte es manchmal suppen.“

Ingrid Berg wird über diesen 18. Februar 1956 ebenso berichten wie über die Waldschule Schönberg, in der jenes denkwürdige Ereignis stattfand. Warum hatte es den literarischen Hoffnungsträger Schmidt in den Taunus verschlagen? Warum eine Lesung in einer Privatschule? Dafür muss die Glashüttenerin eine weitere Biographie aufschlagen und Wilhelm Michels ins Spiel bringen.

Der Pädagoge und Schulgründer veranstaltete in Schönberg schon seit 1948 regelmäßig Lesungen mit jungen Autoren – Arno Schmidt wurde ihm zum Leitbild. Die zwei Jahrzehnte währende Freundschaft gipfelte schließlich in einem Umzug: Das Ehepaar Michels kaufte sich ein Haus in der Lüneburger Heide, in unmittelbarer Nachbarschaft von Alice und Arno Schmidt. Anfang der 70er Jahre kam es zum Bruch. Der empfindliche Schriftsteller igelte sich mehr und mehr ein. Dass Michels in Notzeiten mit Fresspaketen und Geld ausgeholfen hatte, spielte keine Rolle mehr.

Ab 19.30 wird Ingrid Berg in der Stadthalle Kronberg, Raum Fuchstanz, ihr Augenmerk nicht nur auf diese Beziehung richten: „Es wird auch einige Neuigkeiten zu Wilhelm Michels pädagogischen Impulsen geben.“ Eine wiederentdeckte Schulchronik berge Überraschendes. Noch immer befindet sich das Schönberger Gebäude in Familienhand.

Die Engführung literarischer und lokaler Historie wird durch die Wiedergabe der Schmidtschen Lesung gekrönt – der Schulleiter hatte sie damals auf Tonband mitgeschnitten.

Und es soll auch nicht verschwiegen werden, dass Arno Schmidt einen gemeinsamen Schwimmbadbesuch für die Nachwelt gerettet hat. „Rechts die Kachelmuster der Planschbecken: Arm- und Bein-Salat in azurner Schüssel; si jeunesse savait“, heißt es in der Erzählung „Windmühlen“.

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