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Noch hinter Gittern: Als neuer Bewohner des Homburger Schlossparks muss sich der Pfauenhahn erst eingewöhnen.

Bad Homburg

Blaue Pfauen im Schlossgarten

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Die Ziervögel-Neulinge sollen für Tradition und Erlebnisqualität einstehen. Gerade aus Berlin gekommen, fremdeln sie noch mit der ungewohnten Umgebung.

Der Hahn trippelt unruhig am Zaungitter entlang, die ihm anvertraute Henne kauert nahe dem Wasserspender. Noch ist das Pfauenpaar nicht vertraut mit der neuen Umgebung, dem kurstädtischen Taunus-Klima. Gestern wurde den auffälligen Hühnervögeln zu morgendlicher Stunde ein Volieren-Domizil im Schlosspark von Bad Homburg zugewiesen.

Im unteren Teil des 12 Hektar großen Parkgeländes in der Nähe des Teichs kommt dem Jungtier-Duo eine Bedeutung historisch-gegenwärtiger Relevanz zu. Pavo cristatus – wie Linnaeus den Blauen Pfau einst wissenschaftlich einordnete – soll im herrschaftlichen Garten nicht nur eine Tradition fortsetzen, sondern heutigen Flaneuren zugleich eine Augenweide sein. Schlossgarten-Chef Peter Vornholt hatte auf alten Plänen den Standort einer „Fasanerie“ entdeckt – jedoch ohne Abbildung oder detaillierte Beschreibung. „Um 1830 hat das Vogelgehege wohl seine Funktion eingebüßt“, sagt Inken Formann, Leiterin des Fachgebiets Gärten innerhalb der Staatlichen Schlösser und Gärten-Verwaltung.

Bestimmte Tiere hätten unter dem Stichwort „Zier-Farm“ während der Ausrichtung nach englischem Landschaftspark-Vorbild im frühen 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle gespielt. Andere Wesen sind deshalb in dem Homburger Idyllenbezirk längst heimisch und ohne Scheu: Drei Fuchsschafe grasen auf dem benachbarten Wiesenstück, weiße Gänse bewachen nebst diversen Enten Wege und Uferrand. Dass zudem Feldhasen und Perlhühner, Bienenvölker und eine bunte Vogelschar den seit Mitte des 15. Jahrhunderts blühenden Ort beleben, gehört zur willkommenen „Erlebnis-Qualität“.

Nun sollen auch die beiden Pfauen alsbald seßhaft werden. Zwei Junggärtner haben das Pärchen am vergangenen Freitag von der als „preußisches Paradies“ bezeichneten Pfaueninsel bei Berlin geholt. Ein weiterer Kollege hat die Voliere vollendet, in dem sich derzeit noch keine entspannte Laune einstellen will. Wie gerne hätte die versammelte Begrüßungsgemeinde gestern das blitzend-aufgefächerte Rad des blauen Hahns gesehen, jenen typischen Schrei, der in Indien als „Regen kommt!“ gedeutet wird, vernommen. Irgendwann, so Direktorin Kirsten Worms, soll den Ziervögeln weiträumiger Auslauf gewährt werden. Auch Nachwuchs dürfe sich ungeniert einstellen.

Das tierbesetzte Parkstück unweit des Meiereibergs gilt Formann als „Versuchsfläche“, die unterschiedlich bespielt werde. Manche Parzellen sind nicht gemäht, die Schaf-Hutung bringt anderen Aufwuchs an den Tag. Es ist das „schwierige Terrain“ auf dem sich bis 1932 der Betrieb einer Ledergerberei angesiedelt hatte. Das vormals selbstversorgend-bäuerliche Element harrt noch der endgültigen Gestaltung.

Übrigens haben die beiden Pfauen noch keine Namen. Vorschläge werden unter peter.vornholt@schloesser.hessen.de gerne entgegengenommen.

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