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Betrug im Landratsamt

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Das Bad Homburger Landratsamt.
Das Bad Homburger Landratsamt. © Monika Müller

Weil sie eine halbe Million Euro in die eigene Tasche gesteckt hat, wird eine ehemalige Mitarbeiterin des Bad Homburger Landratsamts in zweiter Instanz zu einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Der Hochtaunuskreis habe der Frau die Tat sehr leicht gemacht, findet die Staatsanwaltschaft.

Von Sabine Maurer

Weil sie etwa eine halbe Million Euro in die eigene Tasche gesteckt hat, ist eine ehemalige Mitarbeiterin des Bad Homburger Landratsamts zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Das Frankfurter Landgericht schickt sie für vier Jahre und drei Monate wegen Untreue und Betrugs hinter Gitter. In erster Instanz war die Frau zu fünf Jahren verurteilt worden. Nach Revision musste noch einmal verhandelt werden. Der Hochtaunuskreis habe der Frau die Tat sehr leicht gemacht, so die Staatsanwaltschaft.

Viel Neues kam in zweiter Instanz nicht heraus. Wieder stritt die mittlerweile 50-jährige alles ab und schob die Schuld auf andere: Sie habe mit Erlaubnis ihres Chefs gehandelt und in dessen Auftrag Kurse abgerechnet. Ihr Chef, der damit seine Befugnisse weit überschritten hätte, stritt dies vehement ab.

Sie hatte ab dem Frühjahr 2009 für ein knappes Jahr bis zu ihrer Verhaftung beim Landratsamt gearbeitet. Ohne, dass es kontrolliert wurde, durfte sie für arbeitslose Menschen Seminare bis zum Einzelpreis von 5000 Euro buchen. Das nutzte sie aus. Die Frau gründete Scheinfirmen und überwies auf deren Konten Geld für angeblich abgehaltene Kurse. Außerdem hob sie auf den Namen der Arbeitslosen Geld vom behördeneigenen Automaten ab. „Es war eine Goldgrube für sie“, fasste es die Staatsanwältin zusammen und forderte vier Jahre und acht Monate Haft.

Teure Kleidung, neues Auto, Luxusmöbel

Mit dem vielen Geld lebte die Bad Homburgerin im großen Stil. Sie kaufte teure Kleider, ein neues Auto und Möbel einer Nobelmarke. Ihre Kinder bedachte sie mit großzügigen Geschenken. Weit über 200 000 Euro des veruntreuten Geldes gab sie in dem knappen Jahr aus, weitere 260 000 Euro hob sie in bar ab. Was sie mit dem Geld gemacht hat, ist unklar.

Im März 2010 war ihr der Kreis auf die Schliche gekommen. Sie wurde verhaftet und legte ein Geständnis ab. Dabei berichtete sie von Geldnöten. Ihr Mann, der ebenfalls zum Schein Kurse angeboten und abkassiert haben soll – gegen ihn läuft ein gesondertes Verfahren –, bestätigte dies. In Freiheit wollte sie von diesem Geständnis allerdings nichts mehr wissen und behauptete, die Staatsanwältin habe sie zu dieser Aussage erpresst.

Auch gegen das aktuelle Urteil kann die Frau Revision einlegen. Wird die Entscheidung rechtskräftig, hätte das – neben dem Aufenthalt im Gefängnis – erhebliche Folgen. Noch ist sie Beamtin und hat Pensionsansprüche, damit wäre es vorbei. Das Gleiche droht ihrem Mann. Dieser war in erster Instanz zu einer 18-monatigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Wann sein Verfahren in zweiter Instanz beginnt, steht noch nicht fest. Der Kreis hat sich 90 000 Euro von der Frau wiedergeholt. Sie hatte ein Schuldanerkenntnis unterschrieben, aus dem vollstreckt wird.

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