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Bestand an Hasen sinkt

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Von: Olaf Velte

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Der Bestand an Feldhasen ist kreisweit rückläufig.
Der Bestand an Feldhasen ist kreisweit rückläufig. © dpa

Der Bestand an Feldhasen ist rückläufig. Das Tier findet kaum noch geeigneten Lebensraum. Auch das moderne Freizeitverhalten mag dem nachtaktiven Bodenbewohner nicht gefallen – wenn Herrchen sein Hündchen von der Leine lässt, nutzen auch Sprintkraft und Sprungvermögen wenig.

Wer soll denn nun all die bunt gefärbten Eier frühmorgens in die Nester legen? Die Spezies, der diese noble Aufgabe bisher zugefallen ist, befindet sich auf dem Rückzug. Auch im Hochtaunusgebiet macht sich der Feldhase – unser Ostertier par excellence – mittlerweile rar.

Wehmut schwingt mit, wenn Hans-Jörg Sommer, Naturschutzbeauftragter im Forstamt Königstein, sagt: „Es ist schön, draußen nochmal einem Hasen zu begegnen.“ Auch die Zahlen geben deutliche Hinweise auf eine abnehmende Population. Seit fast einem Vierteljahrhundert summiert die heimische Jägerschaft, was tot aufgefunden wird: „Feldhasenstrecken“ von mehr als hundert Tieren gehören längst verflossenen Zeiten an – im vergangenen Jahr wurden 12 Exemplare der Gattung Lepus europaeus erlegt, 17 weitere waren verendet.

Dass in dem meisten Revieren seit langem nicht mehr auf Meister Lampe geschossen wird, konnte dem Besatz dauerhaft nicht auf die Sprünge helfen. „Die veränderte Landbewirtschaftung hat ihm sehr zugesetzt“, so Bad Homburgs Stadtförster Günter Busch. Es finde sich kaum noch geeigneter Lebensraum für Hasen oder Rebhühner. Im hiesigen Ballungsraum schon gar nicht.

„Zu groß die Ackerschläge, zu mächtig die Maschinen, zu gering die angebaute Pflanzenvielfalt“, sagt Sommer. Das „Ganghofer-Idyll“ mit Häschen am Waldrand gehöre in eine Zeit, in der Kleinteiligkeit und Muskelkraft den täglichen Rhythmus vorgegeben hätten. Als der Feinschmecker mit den langen Löffeln im bäuerlichen Geviert noch nach Herzenslust auswählen konnte: Gräser und Kräuter, Blätter und Blüten, Körner und Knollen.

Auch das moderne Freizeitverhalten mag dem nachtaktiven Bodenbewohner nicht gefallen – wenn Herrchen sein Hündchen von der Leine lässt, nutzen auch Sprintkraft und Sprungvermögen wenig. In Waldrandbezirken – wo sich das einstige Steppenwesen gerne aufhält – finden sich heute eher die Wohnimmobilien gut betuchter Bundesbürger.

Deutschlands Jagdverband spricht von einem „Bermuda-Dreieck aus Witterung, Fressfeinden und Lebensraum“. Es ist kein Zufall, dass der Feldhase nach 2001 erneut zum „Wildtier des Jahres“ gewählt wurde. Unter dem Motto „Sichern Sie Hasenland!“ ruft die Deutsche Wildtier Stiftung zu Spenden auf.

Nicht nur während der Ostertage ist uns der Standorttreue nahe: In Märchen, Fabeln und Sprichwörtern bleibt er präsent, Kulturen verehren ihn, der Hasen-Mythos durcheilt ganze Zeitalter. Sein Fleisch war im Mittelalter verpönt – der Verzehr verleite zur Unzucht, hieß es. Worauf sich dieser Ruf gründet, ist besonders im aufkeimenden Frühling zu beobachten.

Das ansonsten scheue Tier fegt jetzt zuweilen rücksichtslos durch die Landschaft. „Im Liebesrausch“, so Förster Busch. Die Rammler messen sich bei Wettläufen und Boxkämpfen, das Weibchen wartet und wählt aus. Salopp formuliert: Im Hasenreich hat die Häsin die Hosen an. Hans-Jörg Sommer weiß, warum Lepus europaeus zum fruchtbarkeitsstiftenden Osterboten werden konnte: „Die Reproduktionsrate ist unheimlich.“ Ein Vermehrungspotenzial, das den Feldhasen auch unter verschlechterten Existenzbedingungen überleben lässt. Am morgigen Sonntag, wenn Meister Lampe mit eiergefüllter Kiepe dahergehoppelt kommt, sind wir froh, dass es ihn noch gibt.

Und viele Menschen werden sich erinnern – so wie Günter Busch: Dem damals 5-Jährigen hatte der Großvater vor vielen Jahren beim Gang durch einen schönen Feiertag die untrennbare Einheit von Feldhase und Osterei aufs Trefflichste demonstriert.

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