+
Im Hochtaunuskreis wird eine Versorgungslücke für Schwerkranke geschlossen.

Gesundheit

Bessere Hilfe für Schwerkranke im Hochtaunus

  • schließen

Hospizhelfer und Palliativärzte beginnen ein hessenweites Pilotprojekt. Noch sind aber Spenden nötig.

Bislang kann sich das 20-köpfige Palliativteam Hochtaunus nur um schwerstkranke Menschen kümmern, die nicht mehr lange zu leben haben. Dabei gehe es etwa um Krebskranke im Endstadium, sagt der Geschäftsführer des Palliativteams, Robert Gaertner – die Medizinbürokratie spricht von „Spezialisierter Ambulanter Palliativversorgung“ (SAPV).

Wer jedoch „nur“ an den Folgen eines schweren Schlaganfalls leidet oder an schwerer Demenz, unterliegt der „Allgemeinen ambulanten Palliativversorgung“ (AAPV) und ist ein Fall für den Hausarzt. Das reiche auch in der Regel aus, so Gaertner. Allerdings gebe es eine Versorgungslücke für die Zeit, in der die hausärztlichen Praxen geschlossen seien.

Dann müssten die Angehörigen sich an den allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden oder gleich den Notarzt rufen. Die hätten jedoch keinen Zugriff auf die jeweilige Patientenakte und seien in der Regel auch nicht palliativmedizinisch geschult. Folge: Die Betroffenen landen häufig in der Notaufnahme der Krankenhäuser. Das sei aber oft nicht im Sinne der Patienten, weiß Hans-Jörg Todt aus dem Vorstand des Bad Homburger Hospizdienstes.

Um diese Versorgungslücke für die AAPV-Patienten zu schließen, haben Hospizhelfer und Palliativmediziner im Hochtaunuskreis nun ein Pilotprojekt ins Leben gerufen. Herzstück ist eine neue Service- und Beratungsstelle, die ein Rund-um-die-Uhr-Angebot bietet.

Dazu ist die Stelle eines Fallmanagers geschaffen worden, der Patienten und ihre Angehörige berät und den Einsatz der Palliativmediziner koordiniert. Ist dieser nicht im Einsatz, gibt es Rufbereitschaften. Angesiedelt ist die Service- und Beratungsstelle beim Palliativteam Hochtaunus.

Schon jetzt würden 31 Patienten betreut, sagt Robert Gaertner. Er geht aber davon aus, dass der Bedarf deutlich höher ist. Im Hochtaunuskreis rechnet Gaertner mit einem Potenzial von mehr als 100 Patienten.

Man plane erst einmal mit einer Testphase von drei Jahren, erläutert Hans-Jörg Todt. Das Problem: Die Kosten für die Service- und Beratungsstelle werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Deswegen sind die Initiatoren auf Spenden angewiesen.

100 000 Euro pro Jahr seien nötig, rechnet Hans-Dieter Homberg vom Vorstand der Rind’schen Bürgerstiftung vor. Die Stiftung beteilige sich mit einem „nennenswerten Betrag“, so Homberg. Außerdem hat nun auch die Gemeinnützige Stiftung der Taunussparkasse eine Spende von 10 000 Euro beigesteuert. „Hier entsteht ein Modell, das über den Hochtaunuskreis hinaus in Hessen und in anderen Bundesländern angewendet werden kann“, lobt Landrat Ulrich Krebs (CDU), der Verwaltungsratsvorsitzender der Taunussparkasse ist.

Palliativdienst im Hochtaunuskreis

Die neue palliative Service- und Beratungsstelle ist unter der Telefonnummer des Palliativteams Hochtaunus zu erreichen: 06172 / 499 763 0.

Das Angebot richtet sich an Menschen, die einer Allgemeinen Ambulanten Palliativversorgung (AAPV) bedürfen.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann eine Spende an die Deutsche Palliativ-Stiftung überweisen, IBAN: DE52 5305 0180 0000 0077 11, Verwendungszweck „Palliativteam Hochtaunus – Pilotprojekt AAPV“. twe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare