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„Beim Bahnhof muss es sitzen“

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Von: Andrea Herzig

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Parkplatz am Bahnhof Oberursel.
Parkplatz am Bahnhof Oberursel. © Martin Weis

CDU-Kandidat Schorr will mehr Planung in der Wirtschaftsförderung für seine Stadt.

Der Kandidat hat ein Papier vor sich auf dem Tisch liegen. „Fünf Thesen für Wirtschaftsförderung, Infrastruktur und gesunde Finanzen“, schnörkellos und übersichtlich zusammengefasst auf vier Seiten. Darin verbirgt sich keine Überraschung, es ist die Weiterentwicklung dessen, was Schorr und die CDU bereits als kommunalpolitische Ziele formuliert haben. Und es steckt eine Menge Kämmerer Schorr darin, seit 2010 bekleidet der Bankfachwirt diesen Posten.

Als Wahlkämpfer um den Job seines Chefs kommt Schorr unweigerlich in eine Zwitterrolle. Er sagt „da haben wir“ – dieses oder jenes geplant oder gemacht und natürlich trägt er mit Verantwortung für das, was er doch als Kandidat kritisieren und als Bürgermeister besser machen will.

Manchmal bittet er gar, das eben Gesagte aus Rücksicht auf seine Rolle als Kämmerer hintenanzustellen und mehr als Erläuterung denn als Ankündigung des Wahlkämpfers Schorr zu sehen. In seinem Papier formuliert Schorr entschiedener als im Gespräch. Die Ansiedlung neuer Unternehmen darf nicht nach dem Zufallsprinzip geschehen, heißt es da, die Stadt brauche eine Leitbild, wie sie die Gewerbegebiete entwickeln soll, Oberursel brauche dafür ein Konzept.

Ein solches sei auf Vorschlag der CDU im Juni 2010 für das Gewerbegebiet „An den Drei Hasen“ bereits beschlossen worden, erinnert Schorr. Dann aber kam die Kommunalwahl, das Konzept wurde nie umgesetzt. In den Augen Schorrs ein Fehler, der sich in einem nicht ausgewogenen Branchenmix zeige. Stichwort: Automeile. Die Grundstücke der Stadt seien verkauft, auf die privaten Eigner habe man keinen Einfluss.

Auf dem Brachland am Bahnhof dürfe das nicht passieren, macht sich Schorr stark. 10 bis 15 000 Quadratmeter gute Lage seien hier zu entwickeln. Schorr stellt sich zum Beispiel Finanzdienstleister vor, „natürlich kein zehnstöckiges Bürohaus“. Die gute Anbindung der Stadt mit U-und S-Bahn nebst Stadtbus und der nahen Autobahn könnten helfen, an anderen Orten Gewerbe abzuwerben und zum Umzug nach Oberursel zu bewegen.

Die Flächen sind rar

Viel Gewerbegebiet habe die Stadt nicht mehr, sorgt sich Schorr, deshalb dürfe es am Bahnhof „keine Experimente“ mit der Planung geben. „Das muss sitzen“ – und auch der Stadtkasse was bringen. Im vergangenen Juni habe die CDU einen Antrag gestellt, keine weitere Gewerbefläche für Wohnbau umzuwandeln, sagt Schorr, die Parlaments-Mehrheit folgte dem Vorschlag nicht, bedauert der CDU-Politiker. Doch die Flächen seien rar und Handwerk und Mittelstand nun mal das Rückgrat der Stadt, die meisten Steuereinnahmen stammten aus dem Gewerbe.

Die Wirtschaftsförderung will der Kandidat zur Chefsache machen, eine Stabstelle müsse her und eine „One-Stop-Agency“, also ein Ansprechpartner für Betriebe zur Beratung und Unterstützung bei allen Behördenangelegenheiten. Vernetzung will Schorr größer schreiben und zum Beispiel Handwerksbetriebe dabei unterstützen, wie sie sich bei Ausschreibungen als Gruppe bewerben können.

Auch ein Schorr-Thema: Die Entwicklung der Innenstadt, die Idee eines City-Outlets, für das man aber größere Ladenflächen brauche. Schorrs Ideen kreisen um eine Neugestaltung des Areals rund um Rathaus und Stadthalle.

Neben der Anbindung der Weingärtenumgehung an die Nassauer Straße will Schorr die alten Pläne für eine Südumgehung beim Thema Infrastruktur vorantreiben. In den 80ern hat der jetzt 44-Jährige für die Südumgehung demonstriert, erzählt er. Eine von zwei Demos, an der er teilnahm. Die andere? Für das dreigliedrige Schulsystem.

Bei den Finanzen will der Kämmerer die Bürger weiter einbinden. Und er will eine Haushaltsstrategie schaffen, die langfristiger als bisher bestimmte Projekte priorisiert. Auch hier soll der Bürger mehr gefragt werden. Im Mai will der Kämmerer seine Ideen dem Parlament vorstellen. Im Juni will er dann Bürgermeister werden.

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