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Lange Gesichter auf dem Sportplatz: Die Lokalmatadoren von SC Eintracht Oberursel 1957 haben 0:7 gegen die Glasgow Rangers verloren.

Oberursel

Bayerische Fußball-Jungs trotzen falschem Wasser

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Der "U15-Cup gegen Rassismus" zieht Fußballtalente an.

Das falsche Wasser war daran schuld. Also nicht das fehlende auf dem ungewässerten, gelbgrünen Boden wegen des Spritzverbots auf Oberurseler Sportanlagen aufgrund des Wassernotstands, sondern das falsche Mineralwasser für die verwöhnten Buben zur Erfrischung von Geist und Körper zwischen den Spielen. Hat die Trainer- und Betreuer-Entourage der Bayern jedenfalls am ersten Tag moniert. Zwei Niederlagen und ein Unentschieden in der Vorrunde, das war nicht der Plan des hoffnungsvollen Nachwuchses aus der Kaderschmiede an der Isar. Immerhin 70 Millionen Euro hat der FC Bayern München in sein 2017 eröffnetes neues Nachwuchsleistungszentrum investiert. Damit könnte die Eintracht aus Oberursel den Jahresetat des Gesamtvereins wahrscheinlich für die nächsten knapp 1000 Jahre sichern.

Zweitletzter im erlesenen Feld der Topteams mit klangvollem Namen sind die meist 14-jährigen Jungs aus Oberursel dann auch nur geworden, die Bayern trotz des Ärgers ums Wasser Zweitbester. „Es hat Spaß gemacht mal gegen so starke Teams zu spielen, aber ein Tor wäre schon cool“, sagt Luca Kallinich (14) nach den ersten vier herben Niederlagen „zu Null“ gegen den späteren Turniersieger Porto und Glasgow, gegen Leipzig und Mainz. Wunderbare Genugtuung, dass es ausgerechnet gegen die schnöden Bayern gelingt. Macht nichts, dass die zehnmal treffen. Lucas Papa ist einer der fünf fußballverrückten Väter aus Oberursel, die extra eine „Unternehmergesellschaft für Jugendfußballförderung“ gegründet haben, um ihre Jungs mal an der Welt des großen Fußballs schnuppern zu lassen.

Ein Verein wie die Eintracht hätte das niemals stemmen können, als Kooperationspartner ist sie mit im Boot. Stellt einen Spielplatz und Umkleidekabinen, versorgt das Publikum mit Speis und Trank, hilft mit 100 ehrenamtlichen Helfern an allen Ecken und Enden. Luise Terhorst (12) etwa ist als „Runner“ mit Block, Reißbrett und Funkgerät unterwegs, vermittelt, wenn „irgendwo irgendwie irgendetwas gebraucht wird“. Bruder Frederic spielt im Eintracht-Team, die Mama koordiniert die Helfer und Volunteers. „Die Mobilisierung der Leute ist der größte Gewinn“, sagt Vereinspräsident Uwe Krailing. Zu Pfingsten werden sie wieder alle gebraucht, da organisiert die Eintracht ein internationales Turnier für 16 D-Jugend-Mannschaften. Zum 50. Mal.

Rund 250 Helfer sind im roten Shirt unterwegs, machen gleichzeitig Werbung für die Idee des „U15-Cup gegen Rassismus“, der sich reichlich Sponsoren, der örtliche Bürgermeister, der Landrat des Hochtaunuskreises und sportliche Prominenz wie Schirmherr Charly Körbel von der großen Eintracht aus Frankfurt angeschlossen haben. So ein professionell organisiertes Top-Jugendturnier für Fußballer hat die Stadt noch nicht erlebt.

Mit Shuttle-Bussen zwischen den Sportplätzen der Eintracht und denen der Frankfurt International School, mit Live-Übertragung aller Spiele im Internet und am Ende der Vergabe eines fast ein Meter großen Pokals, in den der Weltmeister-Pokal locker reinpassen würde. „Ein tolles Projekt“ wird Bürgermeister Hans-Georg Brum kurz vor dem Endspiel und vor rund 1000 Zuschauern sagen – und wie alle für „Toleranz und Internationalität“ und vor allem gegen Rassismus sprechen.

War es das richtige Wasser, das die Bayern-Buben am Sonntag doch noch ins Endspiel gespült hat? Gelernt von den Großen haben sie allemal, „Mia san Mia“ klingt als Schlachtruf vor dem Match durch die Arena. Das mag sein, aber die Portugiesen aus Porto sind auch im zweiten Duell besser. „Wir haben viel gelernt, es hat super viel Spaß gemacht“, sagt Yannick Traiser vom FV Stierstadt bescheiden. Die Oberurseler Vorstädter sind kurzfristig ins Turnier gerutscht, weil die Tottenham Hotspurs aus England Opfer des jüngsten Streiks der Ryanair-Piloten waren.

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