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Gemeinsam musizieren gehört zum Angebot im Haus Königsegg.
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Gemeinsam musizieren gehört zum Angebot im Haus Königsegg.

Oberursel

Barrierefreiheit für Mensch und Fisch

  • Torsten Weigelt
    VonTorsten Weigelt
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In Oberursel eröffnet ein neues Wohnhaus für 24 Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Benannt wird das Gebäude nach einer Nazi-Gegnerin.

Beethoven und Manu Chao – es ist eine bunte Mischung, mit der es die Bewohner des Hauses Königsegg in ihrer wöchentlichen Musiktherapie zu tun bekommen. Was sie dabei eingeübt haben, konnten sie nun während der offiziellen Eröffnung des neu errichteten Gebäudes präsentieren.

Anfang März sind die ersten der 24 Menschen mit geistiger Beeinträchtigung in das Haus am Urselbach eingezogen. Inzwischen sind alle Plätze in den vier Wohngruppen belegt. Die meisten Bewohner haben zuvor im Sankt Vincenzstift im Rheingau gelebt. In den vergangenen Jahren habe man jedoch mit einer Dezentralisierung begonnen und setze auf kleinere Gebäude in der Region, schilderte Caspar Söling, Sprecher der Geschäftsführung der Sankt Vincenzstift gGmbH.

Damit einher geht ein größerer Komfort für die Bewohner. Seien bis vor ein paar Jahren noch Vier-Bett-Zimmer üblich gewesen, so haben im Haus Königsegg nun alle ein eigenes Zimmer, betonte Söling. Tagsüber gehen die 24 Bewohner entweder zur Arbeit in die Oberurseler Werkstätten oder werden im Erdgeschoss des Hauses Königsegg betreut. 30 Pädagogen, Heilerziehungspfleger oder Krankenschwestern kümmern sich um sie.

Das neue Gebäude ist organisatorisch dem Alfred-Delp-Haus angeschlossen, in dem bereits seit den 80er Jahren Menschen mit Beeinträchtigungen leben. Das St. Vincenzstift ist Träger beider Einrichtungen. Sechs Millionen Euro hat die gemeinnützige Gesellschaft in das neue Haus investiert. Die größte Schwierigkeit sei es gewesen, ein geeignetes Grundstück zu finden, schilderte Stefan Solf, der als Verbundsleiter des Alfred-Delp-Hauses maßgeblich mit dem Bau befasst gewesen ist.

Der Standort im Oberurseler Norden befindet sich nur fünf Minuten Fußweg von der U-Bahn entfernt. Allerdings steht das Gebäude direkt zwischen Waldrand und Urselbach. Deshalb habe es reichlich Bedenken in Sachen Umweltschutz gegeben, erinnerte Oberursels Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne). Ein anderes Gebäude wäre an dieser Stelle auch nicht genehmigt geworden. „Wir waren aber von Anfang an überzeugt, dass wir die Einrichtung in Oberursel wollen.“

Beim Bau habe man viel Rücksicht auf die Natur genommen, betonte Carsten Söling. So gibt es unterhalb des Kellers einen Retentionsraum für Hochwasser. Der Zufluss sei so gestaltet worden, dass die Fische aus dem Urselbach dort nicht nur hinein, sondern auch wieder herausfinden. „Wir haben die Barrierefreiheit in allen Facetten ernst genommen“, so Söling.

Seinen Namen verdankt das Haus Anna Bertha von Königsegg, die sich als katholische Ordensfrau während der Zeit des Nationalsozialismus offen gegen Zwangssterilisation und Euthanasie eingesetzt hat. Weil sie dabei mehrfach den Abtransport von Menschen aus Einrichtungen der Vinzentinerinnen verhinderte, wurde sie von 1941 bis Kriegsende unter Hausarrest gestellt.

Maximilian Erbgraf zu Königsegg-Aulendorf freute sich im Namen der Familie über die Ehrung. Seine Großtante habe ihr Leben in den Dienst für Arme und Kranke gestellt. Sie sei nicht nur eine gläubige Frau gewesen, sondern auch eine gute Organisatorin, erinnerte er sich. Als Geschenk überreichte er den Verantwortlichen eine vergrößerte Schwarz-Weiß-Fotografie Anna Berthas von Königsegg.

Derweil haben sich die Bewohner des nach ihr benannten Gebäudes bereits gut in ihrem neuen Wohnviertel im Oberurseler Norden eingelebt, schildert Leiterin Stefanie Spornhauer. So haben einige die U-Bahn erkundet und Kinder aus der benachbarten Kita sind zum Eis-Essen vorbeigekommen. „Wir fühlen uns sehr gut aufgenommen“, lobt Spornhauer. Der Jugendtreff im Haus Königsegg ist allerdings vorerst noch jungen Leuten mit Beeinträchtigungen vorbehalten. Perspektivisch soll aber auch er für Jugendliche aus der Umgebung geöffnet werden.

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