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Ballerspiele in der Apotheke

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Von: Olaf Velte

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Marcel Osterod zielt im Kino auf laufende Keiler.
Marcel Osterod zielt im Kino auf laufende Keiler. © FR/Oeser

In der Steinbacher Central Apotheke werden nicht nur Medikamente hergestellt, sondern auch Gewehre durchgeladen. Von Olaf Velte

Im Keller wird geschossen. Und oben werden die Medikamente ausgegeben. Zwei Welten finden in der Steinbacher Bahnstraße 51 zusammen. Seit wenigen Monaten residiert im ehemaligen Asylantenheim die Central Apotheke von Marc Schrott.

Der 36-jährige Pharmazeut betreibt vier Apotheken in Frankfurt und Neu-Isenburg, als Firmenzentrale seiner Medicoline Pharma Solutions soll fortan der Neubau im Taunus dienen. Neben dem traditionellen Apothekengeschäft werden in dem langgestreckten Gebäude auch Arzneimittel hergestellt und Schulungen abgehalten. Schrott will das handwerkliche Können des Apothekengewerbes wieder in den Vordergrund stellen - gerade in einer Zeit, in der die Branche im Wandel begriffen ist. "Wir besinnen uns auf das, was wir können."

Unter sterilen Bedingungen werden in den Reinräumen medizinische Salben oder Tropfen zubereitet. Zu den Kunden gehören Altenheime oder Krankenhäuser. Die oberen Stockwerke stehen also im Dienste der Gesundheit - im Keller aber wird geschossen.

Marcel Osterod entriegelt eine schwere Tür, im Treppenhaus hängt ein rotglänzendes Hirschgeweih. Apothekenrot. Es geht hinunter ins Schießkino Hitpoint. Wie Kollege Schrott ist auch Geschäftsführer Osterod passionierter Weidmann. "Das Ganze war eine spontane Idee, weil wir wegen der Statik einen Keller schaffen mussten." Und der erstreckt sich über schmale 25 Meter. Eine meterbreite, dreigeteilte Leinwand nimmt die gesamte Rückwand ein. Über 400 Animationsfilme können projiziert werden: jagdliche Szenen oder Spaßmodule wie Moorhuhn oder Flaschen-Ballern. Der "Banküberfall" ist jedoch nur Beamten vorbehalten.

Nicht allein Jäger und Polizisten dürfen in dem einzigen regionalen Schießkino üben, auch Menschen ohne Waffenschein sind willkommen. "Kürzlich hat jemand seinen Junggesellenabschied hier gefeiert." Größte Kaliber können eingesetzt werden. Hinter der Leinwand türmen sich zweihundert Tonnen Sand und zwölf Tonnen Panzerstahl, um die Geschosse abzufangen.

Das elegante Design in Schwarz-Weiß setzt sich im übrigen Gebäude fort. Obwohl funktional gehalten, herrschen Licht und Leichtigkeit: Von außen gesehen hängen die zentralen Büros wie Aquarien im Raum, durch ein Rohrpost-System flutschen Tablettenpackungen, die Handwaschbecken sind wahre Wasserspiele. Verantwortlich für die Gestaltung des 5 Millionen teuren Schmuckstücks war das Frankfurter Architektenbüro Grosshauser. Einladend sieht es aus - egal, ob man sein Rezept einlöstl oder sich auf die virtuelle Pirsch begibt.

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