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Noch führt ein Gleis nach Nirgendwo ... Doch bald könnte die Regionaltangente darüber führen.
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Noch führt ein Gleis nach Nirgendwo ... Doch bald könnte die Regionaltangente darüber führen.

Bad Homburg

Der Bahnsteig des Kaisers

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Gleis 1 war bis 1918 für den Kaiser reserviert. Nun könnte die stillgelegte Trasse am Bad Homburger Bahnhof für die Regionaltangente saniert werden. Von Olaf Velte

Gleis 1 wird gebraucht. Von hier aus könnten im nächsten Jahrzehnt die Züge in Richtung Frankfurter Flughafen abfahren und die U2, von Gonzenheim kommend, könnte an diesem Bahnsteig einlaufen. Noch ist das Zukunftsmusik, denn bis die Regionaltangente West in Betrieb geht, werden Jahre vergehen. Am Samstag berichtete die FR über den Stand der Planungen.

Laut Stadt-Sprecher Andreas Möring plant ein Ingenieurbüro zurzeit, wie die neuen Verbindungen in die bestehenden Gleisanlagen zu integrieren sind. Wichtig sei, dass die Fahrgäste alle Züge gut zu Fuß erreichen können. Die Reaktivierung des seit Jahrzehnten stillgelegten Gleises mit der Nummer 1 sei eine Option darauf festlegen möchte man sich aber noch nicht. In Bad Homburg beginnt die Zählung seit langem mit Bahnsteig Nummer 2. Wo aber steckt der geheimnisvolle erste? Die Antwort führt in das deutsche Kaiserreich und die Zeit, als noch kein "Bad" den Namen der Stadt schmückte.

Scherben auf dem Fürstengleis

Nach drei Jahren Bauzeit wurde im Oktober 1907 der neue Bahnhof eröffnet, die Anlage war ein Herzenswunsch von Wilhelm II. Der preußische Monarch hatte nicht nur den Standort in der damaligen Gonzenheimer Gemarkung durchgesetzt, er bestimmte auch die architektonische Gestaltung. 4,69 Millionen Mark wurden ausgegeben. Als Teil der "Bäderbahn" war Homburg direkt verbunden mit Nauheim, Friedberg und Wiesbaden. Bis 1961 überspannte eine mächtige Bahnsteighalle die Gleiskörper.

Zum Bahnhof gehörte der westlich vom heutigen Empfangsgebäude errichtete "Fürstenbau", an dem der kaiserliche Hofzug stoppte. Heute befindet sich darin das Musiklokal "Gambrinus". Hinter dem Bauwerk liegen Bahnsteig 1 und das Fürstengleis. Auch für normalen Güter- und Personenverkehr diente die Trasse ab und an. Wer nicht zu den kaiserlichen Gästen zählte, musste das Gleis über eine Freitreppe verlassen, die heute gesperrt und von Scherben übersät ist. Die Schienen, vier Meter über dem Bahnhofs-Vorplatz gelegen, verschwinden mittlerweile im Grün der wuchernden Hecken. Scherben von Flaschen liegen im Schotterbett, die Holzschwellen verrotten.

Nach dem ersten Weltkrieg war die Herrlichkeit des Fürstenbahnhofs zu Ende. Jahrzehntelang verfiel das Gebäude, bis es 1979 von der Stadt übernommen wurde. Bald könnte auch Gleis 1 seine Renaissance in einem modernen Verkehrszeitalter erleben.

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