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Zu Harfenklängen in der Schlosskirche die alte Geschichte vom Zaubergarten lauschen.

Bad Homburg

Zwischen Tag und Traum

  • vonJürgen Streicher
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Die „Kulturnacht light“ findet wegen Corona mit neuem Konzept und Veranstaltungen an vier Orten in der Stadt Bad Homburg statt.

Unglaubliche Stille liegt über der Schlosskirche. Trotz leiser Harfenklänge und ab und zu einem Windhauch mit zartem Vogelgezwitscher. Leise Töne, die das Wort unterstreichen. Nur das Wort füllt die Stille, zwischen Tag und Traum bewegen sich die Märchenerzählerin Michaele Scherenberg und Stefanie Bieber mit ihrer keltischen Harfe. So nennen die „Traumweberinnen“ ihr Gespinst aus Erzählung und Klängen, das sich wie ein heimeliges Netz über die Menschen in der Schlosskirche spannt. Fast dunkel ist es im Kirchenschiff, Lichtflecken wandern um die Wände über der Empore, Kronleuchter werfen Schattenspiele. Und das Wort füllt den Raum, während die Menschen in Stille verharren.

Immer wieder gab es Zeiten, in denen die Menschen in Kirchen Zuflucht suchten, erinnert Michaele Scherenberg, im „Schiff, das durch die Zeiten fährt“. Wie dieses im Schloss der Kurstadt, in dem die Gruft der Landgrafen unter der heutigen Kulturbühne verborgen ist. „Nah ist und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ So steht es auf der Tafel über der Gruft, aus Hölderlins Gedicht „Patmos“, das der Dichter dem Landgrafen Friedrich V. widmete. An einem „besonderen Ort zur besonderen Zeit“, begrüßt die Märchenerzählerin die im weiten Raum verteilten Gäste. Singen, Flöten, laute Töne sind nicht erwünscht in diesen Corona-Zeiten, nur das leise eindringliche Wort zählt. Das Wort ist das Rettende im Universum der Erzähler. Das Wort ist angekommen, verzaubert die Nacht trotz Maskenpflicht.

Kulturnächte

Mit beschränkter Gästezahl wollen die Bad Homburger Schlosskonzerte Corona trotzen. Mit dem Abschlusskonzert des 21. Meisterkurses für Kammermusik am 7. November, 17.30 Uhr. Und mit einem Konzert des Pianisten Georgy Tchaidze am 4. Dezember um 19.30 Uhr. Tickets unter karten@badhomburger-schlosskonzerte.de

Auch das Kulturzentrum Englische Kirche am Ferdinandsplatz hat ein Programm bis Januar ausgetüftelt, mit Konzerten, Kabarett und Ausstellungen. Infos gibt es unter www.bad-homburg.de, Karten unter www.adticket.de. jüs

Die Kulturnacht Bad Homburg, die „nicht stattfindet“, wie die Stadt deutlich verkündet hat. Wie so vieles in diesen Tagen.

„Wir wollten es nicht ganz ausfallen lassen“, entschuldigt sich Kurdirektor Holger Reuter. Mit dem Begriff „Kulturnacht light“ ist er einverstanden. „Wenigstens ein bisschen was bieten“, hätten Stadt und Kur gewollt. Die Bad Homburger sind an eine „Kulturnacht“ im Herbst gewöhnt, in der sie sich treiben lassen können. Flanieren von Ort zu Ort, Museen und Kirchen besuchen. Stätten der Muse und der Kunst oder profane Orte, an denen die Musik und das Vergnügen neben den leisen Tönen auch mal lauter sein dürfen. Kostenfrei fürs Publikum, jedem soll die Tür zur Kultur in dieser Nacht offen stehen. In dieser Nacht in diesem Herbst musste das anders sein. Das spontane Umherziehen, das Hier-und-da-Verweilen, wo es gerade gefällt, diesen Charakter durfte nicht einmal die „Kulturnacht light“ bekommen. Geblieben ist ein völlig anderes Konzept mit Veranstaltungen an vier Orten, die vorab gebucht werden mussten. Mit Maskenpflicht und Eintrittsgeld, damit sich die Besucher:innen auf einen Ort konzentrieren und ihre Anzahl entsprechend der Vorgaben begrenzt bleibt. Knapp 250 sind es am Ende.

Rund 50 Besucher:innen durften im Speicher des Kulturbahnhofs „Café del Mundo“ hören, mehr waren es auch nicht in der Englischen Kirche beim Auftritt des Show-Gitarristen „Elias“ zugelassen. Im großen Kurtheater durften sich 100 Menschen vor der Bühne „Urban Street Art, Artistik, Beatbox, Breakdance“ verteilen. Im Schloss brauchte es nur das Wort von Michaele Scherenberg, einem befreundeten Erzähler aus der algerischen Wüste und sanfte Harfenklänge für einen verzauberten Abend. Im „Zaubergarten“ geht es darum, Heimat zu schaffen und Gemeinschaft, auch wenn die Zeitläufte Rückschläge bringen und Umwege erfordern.

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