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Zwei Zentimeter Wasser im Keller

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Aufwischen zwecklos: Das Wasser drückt trotz der Horizontalsperre in den Kellerwänden nach.
Aufwischen zwecklos: Das Wasser drückt trotz der Horizontalsperre in den Kellerwänden nach. © R. Oeser

Weil sie wegen Feuchtigkeit in der Wohnung die Miete minderten, kündigt die Gemeinnützige Baugenossenschaft zu Bad Homburg den Bewohnern fristlos.

Von Klaus Nissen

Anke Becker steht mit Gummistiefeln in ihrem Keller, neben ihr ein roter Eimer und ein Mopp. Aber sie wischt das Wasser nicht mehr auf, es ist einfach zu viel. Gut zwei Zentimeter hoch steht es auf dem Estrich. Da hilft nur noch die Saugpumpe – doch die Handwerker lassen auf sich warten. Seit Mittwochabend drücke das Wasser in den Keller, sagt die 40-Jährige. „Wir sind alle mit den Nerven runter.“

Die Feuchtigkeit quält die Familie schon seit August. Damals zogen Anke und Ralf Becker mit ihrem einjährigen Sohn Jakob in die Goldgrubenstraße 3. Von außen wirkt das sandfarben gestrichene Doppelhaus wie ein properer Neubau. Doch es ist ein etwa 110 Jahre altes Mehrfamilienhaus. Die Gemeinnützige Baugenossenschaft zu Bad Homburg von 1900 hat nebeneinander liegende Wohnungen in zwei dreistöckige Familienhäuser umgebaut, so dass Treppenhaus und Keller nun offen sind. Dabei seien fatale Fehler passiert, meinen die Mieter. Aus der neuen Gastherme im Dachgeschoss habe es bald nach dem Einzug gerochen, berichtet Anke Becker. Erst beim zweiten Versuch habe der Installateur das Leck abdichten können. Erst in der vergangenen Woche sei die Heizung offiziell abgenommen worden. Mindestens genauso schlimm sei die permanente Feuchtigkeit, die aus den alten Hauswänden im Keller durch das offene Treppenhaus aufsteige. Beim Besuch der FR am Freitag riecht es muffig. Das Hygrometer in der Küche zeigt bei 19 Grad 60 Prozent Luftfeuchtigkeit an. Anke Becker: „Im Kinderzimmer haben wir heute 70 Prozent. Der Kleine hustet und fiebert seit Tagen“.

Erbittert sind der 43-jährige Controller Ralf Becker und seine Frau über die „Kommunikationsschwierigkeiten“ mit dem ehrenamtlichen Vorstand der Baugenossenschaft. Der habe sich vor Ort kaum blicken lassen. Nachdem die Beckers ihre Miete (9.20 Euro kalt pro Quadratmeter) mit Vorankündigung gemindert hatten, flatterte am 2. Dezember die fristlose Kündigung ins Haus. Bis zum 10. Dezember sollten sie ausziehen. Rechtsanwältin Tanja Kolk sagt im Namen der Genossenschaft: Die Familie habe schon beim Einzug vom feuchten Keller gewusst. Die Genossenschaft habe deshalb für drei Monate auf 20 Prozent der Miete verzichtet. Eine höhere Mitminderung sei nicht akzeptabel.

Im Januar ziehen die Beckers aus. Sie wollen ihr Kind vor der Feuchtigkeit schützen. Die Genossenschaft weigere sich, die 8000 Euro teure Einbauküche zu übernehmen und halte die Genossenschafts-Einlage über rund 7000 Euro für zwei Jahre fest. „Wir gehen mit 15000 Euro Schulden hier raus“, sagt Anke Becker.

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