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Wildschwein im Visier

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Erfassen die Strecke: Forstoberinspektor Thomas Bender und Jäger York von Pannwitz.
Erfassen die Strecke: Forstoberinspektor Thomas Bender und Jäger York von Pannwitz. © Monika Müller

Schnee, Gestrüpp und die Angst vor einem wütenden Keiler: Über Stock und Stein ist FR-Mitarbeiterin Isabel Kiely gestapft, um rund zwei Dutzend Jäger und Treiber bei einer Drückjagd im Taunus zu begleiten.

Von Isabel Kiely

Es schneit kleine Flocken, als sich die Jagdgesellschaft morgens am Saalburgrestaurant trifft. „Waidmanns Heil!“ begrüßen sich die rund zwei Dutzend grün Gekleideten, die sich sichtbar auf die jährliche Drückjagd auf Wildschweine im Bad Homburger Stadtwald freuen. Doch die Freude hielt sich Stunden später in Grenzen. 20 Wildschweine brachten die Jäger zur Strecke, so die Bilanz von Ralf Heitmann vom Forstamt Königstein. Das sind erheblich weniger als bei den Jagden in den vergangenen Jahren. Dazu kommen 30 Rehe, vier Hirsche, 15 Füchse und drei Damhirsche.

Ungefährlich ist die Wildschweinjagd nicht. Im vergangenen Jahr wurde ein Treiber von einer Sau angegriffen, erzählt Gudrun Wress, die seit 25 Jahren den Jagdschein hat. Die Sau riss ihm das Bein auf, die Wunde musste genäht werden. Deshalb tragen viele Treiber widerstandsfähige Schutzhosen. Warn-Kleidung in Signalfarben ist ohnehin Pflicht.

Und es gibt weitere Regeln zu beachten. Dies wird schnell klar bei der Begrüßung durch Torsten Wagner, der zusammen mit Manfred Wolf das Revier Bad Homburg 1 gepachtet hat. „Krankes Wild muss immer erlegt werden“, sagt Wagner. Und Bachen dürfen auf keinen Fall geschossen werden, denn sonst sind die Frischlinge sich selbst überlassen.

Zur Jagd freigegeben ist auch das Damwild, das vor etwa sechs Wochen aus dem Gehege des Hessenparks ausgebrochen war. „Die sind hier artfremd und sollen sich nicht vermehren“, so Wagner. Dann schnallen sich die Jäger ihre Büchsen auf den Rücken und ziehen mit der Hundemeute in Fünfer-Gruppen durch die zugeteilten Reviere. Wer keine Waffe hat, tut gut daran, hinter einem Baum Schutz zu suchen, wenn ein wütender Keiler ihm zu nahe kommt. Und wer auf Nummer Sicher gehen will, nimmt die so genannte „Saufeder“ mit. Das ist eine Holz-Lanze mit messerscharfer Spitze. „Einfach die Sau auflaufen lassen“, so Wagners Tipp.

Von der Jupitersäule geht es steil bergauf in die erste Dickung, über schneebedeckte Laubhaufen, durch dichtes Gestrüpp. „Die Wildschweine verstecken sich gerade bei solchem Wetter gern in Brombeerhecken oder Tannendickicht“, erklärt Gudrun Wress. Kein leichter Job für Torsten Wagner, der das Gestrüpp durchforstet und versucht, den Schützen die Schwarzkittel vor die Flinte zu treiben. „Hopp hopp“ ruft er dabei laut. Plötzlich bellen Hunde, ein lauter Knall schreckt die Jagdgesellschaft auf. Im angrenzenden Revier ist ein Schuss gefallen. Die Jäger im Revier 1 hatten noch kein Jagdglück.

Auch wenig später nicht. Die Hunde haben ein Wildschwein aufgescheucht und hetzen es. Doch es ist zu schnell und zu weit weg und schon über alle Berge, bevor überhaupt klar ist, ob es sich um Keiler oder Bache handelt.

Weniger Frischlinge

Nach fast vier Stunden schweißtreibender Arbeit kommen die Jäger in einer Jagdhütte am Herzberg zusammen. Die Jagdgesellschaft um Torsten Wagner ist ohne Strecke geblieben. 2009 waren in diesem Revier fünf Wildschweine geschossen worden. In dieser Saison hätten die Sauen zu früh geworfen, die Frischlinge seien aufgrund des kalten Winters nicht durchgekommen, erklärt Wagner. Daher gebe es in diesem Jahr weniger Nachwuchs.

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