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Das Landratsamt in Bad Homburg.
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Das Landratsamt in Bad Homburg.

Hochtaunus

Wahlkampf ohne Streitthema

  • Torsten Weigelt
    VonTorsten Weigelt
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Im Hochtaunus-Kreis stehen die Landratswahlen an, Ulrich Krebs von der CDU zielt auf eine dritte Amtszeit.

Bei aller Konkurrenz – in einem sind sich die drei Kandidaten für die Landratswahl im Hochtaunuskreis einig: Die Pläne Frankfurts für einen neuen Stadtteil an den Grenzen von Steinbach und Oberursel lehnen sie ab. „Das ist eine wertvolle Fläche“, findet Ellen Enslin (Grüne). „Die darf man nicht so ohne weiteres versiegeln.“ Für Amtsinhaber Ulrich Krebs (CDU) und Holger Grupe (FDP) muss an der A 5, die das vorgesehene Areal durchschneidet, Schluss mit Bauen sein.

Allerdings liegt die Entscheidungsbefugnis über den Frankfurter Stadtteil nicht im Bad Homburger Landratsamt, sondern im Frankfurter Römer und bei überörtlichen Gremien wie dem Regionalverband. Und so geht es am kommenden Sonntag nicht um Frankfurter Baupläne, sondern ausschließlich um die Person, die für die kommenden sechs Jahre an der Spitze des Hochtaunuskreises stehen soll.

Als Favorit geht Ulrich Krebs ins Rennen. Der 49-Jährige ist seit 2006 Landrat, damals setzte er sich bereits im ersten Wahlgang durch. Vor sechs Jahren gelang ihm dann ein noch deutlicherer Erfolg im Duell gegen Norman Dießner (Grüne). Diesmal könnte es jedoch knapper werden. Zum einen muss sich Krebs nun zweier Konkurrenten erwehren, zudem hat er in dem FDP-Kandidaten Holger Grupe erstmals einen Mitbewerber aus dem bürgerlichen Lager. Die Freien Demokraten haben ihre Hochburgen vor allem im Vordertaunus. In Kronberg und Königstein erzielten sie bei der jüngsten Bundestagswahl jeweils über 20 Prozent der Stimmen, in Steinbach stellen sie die stärkste Fraktion im Stadtparlament und den Bürgermeister.

Bei der Kreistagswahl 2016 landete die FDP mit 11,3 Prozent der Stimmen allerdings nur auf dem vierten Platz, hinter den Grünen, die 13,8 Prozent erreichten. Insofern kann Ellen Enslin sich Hoffnungen machen, besser abzuschneiden als bei ihrer ersten Kandidatur vor zwölf Jahren. Zumal die Sozialdemokraten auf einen eigenen Kandidaten verzichtet haben.

Stattdessen hat die SPD, die mit der CDU im Kreistag koaliert, eine Wahlempfehlung für Ulrich Krebs ausgesprochen. Die bisherige Zusammenarbeit mit ihm und den Christdemokraten bezeichnet der SPD-Vorsitzende Stephan Wetzel als „Erfolgsgeschichte“. Dabei führt er vor allem das Schulbauprogramm an.

Das Programm, das noch Vorgänger Jürgen Banzer (CDU) initiiert hatte, ist denn auch das Pfund, mit dem Krebs selbst am stärksten wuchert. Rund 800 Millionen Euro hat der Hochtaunuskreis bereits in den Neubau oder die Runderneuerung der hiesigen Schulgebäude investiert. Bis 2020 seien weitere 110 Millionen bereits eingeplant, betont Krebs, das sei mehr als jeder andere hessische Landkreis für die Bildung ausgebe. Allerdings setzt hier auch die Kritik der Konkurrenz an. Aus Ellen Enslins Sicht „könnte es auch ein bisschen weniger aufwendig gehen“. Schließlich habe der Kreis parallel zu den Ausgaben auch einen Schuldenberg von 800 Millionen Euro angehäuft. Auch Holger Grupe fordert mehr Sparsamkeit, etwa durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Nachbarkreisen.

Enslin setzt ihre Akzente ansonsten bei Fragen von Ökologie und Nachhaltigkeit; ihre Wahlkampftermine absolviert sie mit einem Elektroauto. Grupe möchte die Kreisumlage zugunsten von Städten und Gemeinden senken. Dennoch: Das große Streitthema fehlt.

Alles in Allem herrscht unter den drei Kandidaten zu den wichtigen politischen Fragen eine erstaunliche Einigkeit. Sie sind für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, insbesondere der Verlängerung der S-Bahn-Linie 5 ins Usinger Land; alle wollen sie bezahlbaren Wohnraum schaffen, und selbst FDP-Mann Grupe möchte die defizitären Hochtaunuskliniken nicht privatisieren, sondern lediglich die Kooperation mit anderen Krankenhäusern ausbauen.

Die geplante Kinderklinik hat zumindest im Wahlkampfendspurt noch für ein wenig Wirbel gesorgt. Wie bekanntgeworden ist, geht es in Verhandlungen mit dem Klinikum Frankfurt-Höchst offenbar nur noch um eine Kindernotfallversorgung. Aus Sicht der Grünen-Kandidatin Enslin zwar ein richtiger Schritt, für den Amtsinhaber Krebs aber zu lange gebraucht habe.

Ob das ausreicht, die Wahlbeteiligung deutlich anzuheben? Vor sechs Jahren lag sie bei deprimierenden 26,2 Prozent.

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