Die Villa, heute Sitz der Reimers-Stiftung, stammt aus den 1950er Jahren. Sie ist umgeben von teils exotischen Ziergewächsen.
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Die Villa, heute Sitz der Reimers-Stiftung, stammt aus den 1950er Jahren. Sie ist umgeben von teils exotischen Ziergewächsen.

Bad Homburg

Villengarten in Bad-Homburg wird zum Bürgerpark

  • vonMartina Dreisbach
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Die Reimers-Stiftung stellt den Parkwald auf ihrem historischen Gelände in Bad-Homburg wieder her. Der Bund unterstützt das Vorhaben mit 130 000 Euro.

Wenn er über den fünf Hektar großen Park um die Villa aus den 1950er Jahren in Bad Homburg und über die neuen Stiftungsgebäude spricht, kommt Albrecht Graf von Kalnein, Vorstand der Reimers-Stiftung, ins Schwärmen: „Werner Reimers war ein großer Freund der Natur; er ist in Japan aufgewachsen und hat das mythische Verhältnis der Japaner zur Natur in sich aufgenommen. Hier im Garten finden sich exotische Pflanzen, ein japanischer Fächerahorn, Azaleen, vor der Villa stand eine Voliere.“

Der Garten umfasst den Altbestand des einst herrschaftlichen Parks des früheren Wingertsberg-Schlosses, der um 1875 vom bürgerlich geprägten Verschönerungsverein angelegt wurde.

Skulpturen mit Worten Hölderlins von Eberhard Müller-Fries und Anja Harms sind im Park zu sehen.

So schreibt von Kalnein im Vorwort zu einer Broschüre über den „Bürgerpark am Taunus“, dass er ein grüner Spiegel eines Kaufmann, Weltbürgers und Mäzens sei. Der neu zu entdeckende Park, so heißt es weiter, möge einzigartig anmuten, gleichwohl sei er ein phantastisches Beispiel für den Typus großbürgerlicher Villengärten aus dem 19. Jahrhundert. Schon in der Schulzeit habe der aus einer Hamburger Kaufmannsfamilie stammende Werner Reimers die Sommer im Mecklenburgischen geschätzt. Es gebe Fotos von ihm mit Hunden und Katzen im Garten. „Die Anlage dieses Parks, der die Artenvielfalt bereichert, war ihm sehr wichtig. Wir wollen jetzt den Parkwald zum Hardtwald wiederherstellen und verkehrssicher machen, vom Totholz befreien, die Schäden des Eichenprozessionsspinners beseitigen, Sitzgelegenheiten schaffen und den hier weilenden Stipendiaten den Philosophenweg auf dem Gelände wieder zugänglich machen. Die Forscher sollen sich hier draußen begegnen und ins Gespräch kommen.“

Hölderlins Dichtung

QR-Codes, die man mit dem Smartphone abrufen kann, verbinden Friedrich Hölderlins Fragment 50, einen Achtzeiler von 1802, mit dem Titel „Wenn über dem Weinberg es flammt“, mit dem Jetzt.

Die Zeilen sind auf fünf Buchtafeln verteilt, die nun aus Anlass des 250. Geburtstags des Dichters in diesem Sommer im Park der Reimers-Stiftung stehen.  Das Projekt ist eine Auftragsarbeit zweier Künstler aus Oberursel, Anja Harms und Eberhard Müller-Fries.   

Die Kunstwerke sind bis 31. Oktober im Garten der Reimers-Stiftung, Am Wingertsberg 4, kostenlos zu besichtigen. Werktags von 10-17 Uhr geöffnet. mad

Für die Maßnahmen zur Sanierung von Park und Villa am Wingertsberg gibt es Bundesmittel in Höhe von 130 000 Euro. Das hatte die Beauftragte des Bundes für Kultur und Medien, Monika Grütters, zugesagt. Die Stadt übernimmt 57 600 Euro: Man sei sich der Bedeutung der gemeinnützigen Reimers-Stiftung und des mit ihr verbundenen Forschungskollegs Humanwissenschaften und seiner enormen Strahlkraft bewusst.

Die Stiftung selbst gibt 86 000 Euro. Insgesamt stehen jetzt 274 000 Euro zur Verfügung, unter anderem für die Grundsanierung des stark verschlammten Teichgartens an der historischen Lindenallee sowie die neue Anlage des Bewässerungssystems.

In Anlehnung an das Gartenideal der Landgräfin Elisabeth, die den Park als kunstvollen Übergang in die eigentliche Landschaft sah, ist der notgedrungen über Jahre hinweg vernachlässigte Parkwald im Reimersgarten zu verstehen. Für diese Waldszenerie wird das Gartenpflegewerk von 1992 als Grundlage dienen und dann erweitert werden.

Ein Baumkataster über die etwa 120 Bäume soll erstellt werden. Im Rahmen der Gartenlandschaft Rhein-Main werden regelmäßig Führungen durch den Reimers-Park angeboten: kuratierte Gänge „für Freunde der Natur“.

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