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Feuerwehrleute werden während ihres Einsatzes immer häufiger behindert und teilweise sogar angegriffen.

Bad Homburg

Unsägliche Pöbeleien gegen die Retter

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Die Bad Homburger Einsatzkräfte müssen damit zurecht kommen, dass sie während Rettungsarbeiten auf das Übelste beschimpft werden.

Aufs Übelste beschimpft werden, während man anderen Menschen helfen will – das erleben die Feuerwehrleute auch im vermeintlich beschaulichen Bad Homburg immer häufiger. Allein im vergangenen halben Jahr habe es vier derartige Vorfälle gegeben, bilanziert Stadtbranddirektor Daniel Guischard.

Als Beispiel führt er den Unfall eines Mädchens im September auf der Frankfurter Landstraße an. Dabei seien die Einsatzkräfte mit der „ganzen Bandbreite“ an möglichen Verhaltensweisen konfrontiert worden: Da gab es die vorbildlichen Ersthelfer, die das eingeklemmte Mädchen mit dem Wagenheber befreit hatten. Dann waren da die Gaffer – Jugendliche, die das Geschehen aus einem Bus filmten, um es anschließend via Social Media zu verbreiten. Und zu schlechter Letzt pöbelten einige Passanten die zuständigen Feuerwehrleute auch noch heftig an, weil sie die Absperrung um die Unfallstelle nicht akzeptieren wollten.

Gegen solche Vorfälle werde man die möglichen „rechtsstaatlichen Mittel“ ausschöpfen, kündigt Daniel Guischard an. Allerdings helfe auch das nicht immer, beklagt Norbert Fischer, Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes. Erst jüngst habe ein Richter im Wetteraukreis ein Verfahren eingestellt, bei dem die Brandschützer sogar tätlich angegriffen worden seien. 

Feuerwehrleute fordern mehr Solidarität 

In Bad Homburg und dem übrigen Hochtaunuskreis wollen die Verantwortlichen nun mit der Aktion „Schutzschleife“ für mehr Solidarität mit den Einsatzkräften bei Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei werben. Sie schließen sich damit einer Initiative des Landes Hessen an. Seit deren Start 2016 seien bereits 70 000 der kleinen Anstecknadeln in den Farben Blau, Rot und Weiß verteilt worden, teilt Innenminister Peter Beuth (CDU) mit. Jüngst seien sie auch im Saarland eingeführt worden.

In Bad Homburg können Personen des öffentlichen Lebens darüber hinaus seit kurzem auf einer Signiertafel ihre Unterstützung mit den örtlichen Einsatzkräften ausdrücken. Das werde ergänzt durch ähnliche Aktionen für alle Bürger in der Fußgängerzone und bei den Tagen der offenen Tür der Stadtteilfeuerwehren, kündigt Daniel Guischard an.

Um die Helfer selbst besser auf mögliche Übergriffe vorzubereiten, schult die Stadt Bad Homburg ihre hauptamtlichen Feuerwehrleute bereits in Deeskalations- und Schutzstrategien. Nach einer Pilotphase solle das freiwillige Angebot auch auf die ehrenamtlichen Brandschützer ausgeweitet werden, kündigt Guischard an. Gleichzeitig will er die 350 Frauen und Männern in den Freiwilligen Feuerwehren der Stadt aber auch stärker dafür sensibilisieren, entsprechende Vorfälle zu dokumentieren. Das geschehe trotz eines internen Meldesystems nicht immer. „Manches wird leider schon als Alltag erlebt.“

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