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Tschernobyl einmal vergessen

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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Kinder aus Weißrussland entdecken den Musikkeller des Jugendtreffs.
Kinder aus Weißrussland entdecken den Musikkeller des Jugendtreffs. © Martin Weis

Die Kinder von Tschernobly müssen täglich mit den Folgen der Reaktorkatastrophe leben. Doch zumindest einige von ihnen können sich jetzt bei einem Urlaub in Bad Homburg von der Strahlenbelastung erholen.

Für sie sind es ganz besondere Tage: 15 Kinder aus dem verstrahlten Gebiet um den Katastrophenreaktor von Tschernobyl sind für drei Wochen in Bad Homburg zu Gast. Es ist die sechste Kinderfreizeit, die der Verein Patenschaften für Tschernobylkinder organisiert. Gestern wurden die Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren von Stadtrat Dieter Kraft im Jugendtreff E-Werk begrüßt. „Es ist etwas ganz besonderes, Euch hier begrüßen zu dürfen“, sagt Kraft.

Stark verstrahltes Gebiet

Die Kinder stammen aus der weißrussischen Region Tscherikow, die 200 Kilometer nordöstlich des im April 1986 havarierten Reaktors liegt. Bei dem Super-Gau des Kraftwerks wurden die Dörfer des Landstriches auf Jahrtausende verstrahlt.

Vereinsvorsitzender Michael Grüning ist in den vergangenen 20 Jahren oft dort gewesen. Er hat Hilfstransporte organisiert und mitgeholfen, Strukturen aufzubauen. Für sein Engagement hat Grüning die russische Sprache gelernt. Der Verein betreibt ein Verbindungsbüro in Weißrussland und versucht zu helfen, wo es nur geht.

„Die Strahlendosis dort ist immer noch enorm hoch“, sagt Grüning. Die Regierung habe rund 30 Dörfer dem Erdboden gleich gemacht, doch immer noch leben im strahlenbelasteten Landkreis Tscherikow mehrere tausend Menschen, die meisten von ihnen in größter Armut.

Die Kinder, die nun in der Jugendherberge in Bad Homburg untergebracht sind, können für einige Wochen völlig abschalten und einfach mal Urlaub machen. Ein reichhaltiges Programm hält sie beschäftigt und lässt sicher keine Langeweile aufkommen. Unter anderem wird ein Feuerlöschboot in Wiesbaden besichtigt und eine Reiterstaffel sowie ein Hubschrauberstützpunkt der Frankfurter Polizei besucht.

Die Kinder werden in Bad Homburg aus Spenden verpflegt und neu eingekleidet. Ein Optiker passt ihnen sogar bei Bedarf neue Brillen an. Grüning berichtet, dass die Teilnehmer an einer solchen Freizeit zuhause richtig aufblühten und zu neuer Energie fänden, um ihren Alltag zu meistern. Die meisten hätten daheim kaum eine Gelegenheit, überhaupt zu verreisen, erst recht nicht ins ferne Deutschland.

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