Das Tempelchen von der Villa Wertheimber aus gesehen.  
+
Das Tempelchen von der Villa Wertheimber aus gesehen. 

Bad Homburg

Bad Homburg saniert Gebäude  im Gustavsgarten

  • vonAnke Hillebrecht
    schließen

Die Stadt Bad Homburg saniert Gebäude aus dem 19. Jahrhundert im Gustavsgarten. Wie sie genutzt werden, dazu gibt es verschiedene Vorschläge.

Es ist Bad Homburgs kleiner Parthenon-Tempel. Seine griechisch anmutenden Säulen aus Mainsandstein sieht nur, wer zum Eingang der Villa Wertheimber kommt. Der Dorische Tempel steht im Schatten der herrschaftlichen Villa im Gustavsgarten, die bereits in den vergangenen Jahren kostspielig restauriert wurde, und hat doch eine längere Geschichte. Derzeit wird der Tempel saniert, seit Ende November umgibt ihn ein Baugerüst.

Im Sommer soll er wieder so aussehen wie in den 1950er Jahren, als er als Kapelle für das Hirnverletztenheim (später Neurologische Klinik) diente. Aus dieser Epoche stammen auch die Buntglasfenster, die der Dorische Tempel noch bis vor Kurzem hatte. Sie werden überarbeitet und wieder eingesetzt – ebenso wie die weißen Fensterläden und die dunkle, zweiflügelige Holztür mit den als Löwenkopf geformten Türklopfern. Die beiden weißen Reliefs neben dem Eingang werden gesäubert.

Pamela Weber-Tumm (links) und Kerstin Lautenschlager studieren auf dem Innengerüst unter der Decke die Sanierungspläne.

Während außen der gewohnte Anblick des klassizistischen Tempels erhalten bleibt, soll im Innern an die Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg als Klinik-Kapelle erinnert werden. Hier wurden bis kurz vor der Jahrtausendwende katholische Gottesdienste mit den Patienten abgehalten. „Von dieser Zeit wissen wir am meisten“, sagt Kerstin Lautenschlager, die bei der Stadt das Projekt betreut. Die Epoche stelle den letzten umfassenden Sanierungshorizont dar, der zerstörungs- und rekonstruktionsfrei wiederhergestellt werden könne. So werden auch die Abtrennung der früheren Sakristei sowie ein Podest im 4,50 Meter hohen Hauptraum beibehalten, auf dem der Altar stand. Und auch die kleine Glocke wird im Innern bleiben.

Der Dorische Tempel ist im Gustavsgarten die einzige erhaltene Staffage aus der Landgrafenzeit. Er wurde 1830 in Form eines Dorischen Tempels erbaut, also noch vor der daneben stehenden Villa, die 1899 entstand. „Dorisch“ heißt der der Antike nachempfundene Baustil, der vor allem an den vier Säulen am Eingangsportal zu erkennen ist.  


Als Friedrich VI. Landgraf wurde, schenkte er seinem jüngeren Bruder Gustav 1822 das Grundstück, das nach diesem benannt ist. Dessen Frau Louise  schuf im Gustavsgarten ein Paradies im Sinne der englischen Gartenkunst. 1830 gönnte sich das Paar mit dem Dorischen Tempel einen Musik- und Teesalon, der dem Blumengartenhaus im Schlosspark Georgium von Dessau nachempfunden ist. Vielleicht wurde es auch als Jagdhaus genutzt.

Von 1948 an wurde das Gebäude als Kapelle für die Neurologische Klinik genutzt, die die Villa bis 2004 beherbergte. Über den Bund wurden Park und die Gebäude darin 2011 an die Stadt übertragen. ahi

Zuletzt prangte das Gebäude innen und außen in einem Rosa-Ton. Mit Blick in die früheren Farbschichten wissen die Restauratoren, dass es vermutlich einen Ockerton hatte. Diesen könnte es wieder bekommen; genaue Untersuchungsergebnisse stehen noch aus. „Wir sanieren sehr behutsam und in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden“, betont Pamela Weber-Tumm, Abteilungsleiterin der städtischen Abteilung Planen und Bauunterhaltung.

Auch aus der Landgrafenzeit stammt das Gebälk im Dach. Die alte Schalung und der Schiefer wurden abgenommen, daher liegen die Dachbalken im Moment frei, geschützt durch ein Notdach. Sie bleiben weitgehend erhalten; allerdings ist in den Jahrzehnten des Leerstands Feuchtigkeit eingedrungen. Die beschädigten Stellen werden ersetzt. Anschließend kommen eine neue Schalung und Schiefer drauf.

Auf der Gebäuderückseite, an der Sakristei, haben die Restauratoren ein Treppchen gefunden, das ebenfalls noch aus der Zeit der Entstehung stammt. Sonst ist nicht viel aus der frühen Zeit überliefert, weiß die Projektleiterin. Das Stadtarchiv hat zumindest ein Aquarell, das zeigt, wie der Pavillon zur Landgrafenzeit aussah (Suchbegriffe im Online-Findbuch: „Accatium“ und „Gustavsgarten“). Weiß und edel steht der Tempel inmitten des damaligen Wäldchens, nur der Weiße Turm ragt aus den Tannen.

„Er ist unser Schatzkästchen“, sagt Kerstin Lautenschlager liebevoll. Wie das Gebäude genutzt werden soll, ist nach Worten von Pamela Weber-Tumm noch unklar. „Es gibt verschiedene Vorschläge, die noch diskutiert werden“, sagt sie. Ein Café, wie es sich der eine oder die andere in Bad Homburg vorstellen könnte, werde es aber wohl nicht werden – das sei nicht mit dem Denkmalschutz zu vereinbaren.

700 000 Euro hat die Stadt für die Sanierung eingeplant. Mit im Budget ist auch der Bau einer öffentlichen Toilettenanlage, die in der benachbarten Garage entstehen wird und allen Besuchern des Parks zur Verfügung stehen soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare