Das Duo Diagonal bot eine Feuershow ohne Feuer.
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Das Duo Diagonal bot eine Feuershow ohne Feuer.

Bad Homburg

Tanzender Feuervogel im Kurpark

  • vonJürgen Streicher
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Lebende Bäume, bunte „Walk Acts“, Mini-Theater – ein Kultursommer mit Zufallscharakter in Bad Homburg.

Die Kurstädter sind Größeres gewohnt im Kurpark-Sommer. Open-Air-Oper mit großem Klangkörper, Klassik-Nächte in weißer Pracht, rauschendes Finale Furioso mit Johann-Strauß-Orchester und Feuerwerk über dem noblen Kaiser-Wilhelms-Bad. Aber sie können auch bescheiden sein und sich dankbar über wandelnde Bäume und andere skurrile Gestalten freuen, die plötzlich irgendwo hinter echten Bäumen auftauchen.

Auch über ein kleines Mini-Feuerwerk am helllichten Tag, eine „Feuershow ohne Feuer“ etwa, die Chantal annonciert. Schon haben wir die Hälfte des „Duo Diagonal“ im Blick, ihr Feuervogel „Roschee“ (Roger) ergänzt die Dame perfekt. Plötzlich stehen sie da so rum vor dem Kaiserbrunnen und fangen an, mit sich und dem flanierenden Publikum zu spielen. Sonntag, später Vormittag, kurz vor dem Mittagsgeläut ist es, als die kleine Überraschung denen geschenkt wird, die zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort im weitläufigen Kurpark in der Brunnenallee lustwandeln. Die anderen, die vielen, die auch im Duo, in Familiengröße oder in Grüppchen unterwegs sind, sehen das gar nicht. Laufen mit gesenkten Köpfen, haben den Blick nach unten auf ihr Handy gerichtet und zucken permanent mit den Fingern. Sie sind im Jagdfieber. „Hier ist ein Pokemon-Nest“, sagt eine junge Frau, zieht schnell weiter, keine Zeit für lebendiges Theater.

Das für nächstes Wochenende geplante große Thai-Festival im Kurpark ist aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt worden, ebenso das tradionelle Laternenfest Anfang September.

Als Trost bietet die Kur- und Kongreß GmbH an den Wochenenden kleine „Kulturbonbons“ mit spontanen „Walk Acts“ und anderer Kleinkunst im Kurpark zu nicht feststehenden Zeiten. jüs

Für den Zauber eines Hula-Hoop-Reifens . „Hast du das auch früher gemacht“, fragt eine ältere Dame die Begleiterin mit einem Lächeln, während die nächste Dame mit winzigem Hund schon völlig aus dem Häuschen ist ob der skurrilen Tanz- und Jonglage-Einlagen von Chantal und „Roschee“.

Ein paar „Kulturbonbons“ hatte Kurdirektor Holger Reuter versprochen, wenn schon kein Gelage möglich ist im Corona-Sommer 2020. Ein paar Schmankerl für das geneigte Flanierpublikum, ein kleines Salär für das darbende Volk der Kleinkünstler, die kaum noch zu Auftritten kommen. Hier schon, und das gleich an mehreren Stellen nach der Eröffnung im magischen Dreieck von Kaiser-Bad, Spielbank und Kaiserbrunnen am Kopf der Gesundbrunnenallee. Mit einem Kinderwagen für die Requisiten ziehen sie hinunter zur Orangerie, lassen sich treiben unter dem Blätterdach, das an diesem Sonntag vor Sonne und kurzzeitig auch vor Regen schützt. Paare und Passanten bleiben stehen, lassen sich für einen Moment in die Welt des Schauspiels und des schönen Scheins entführen. Eine Maske trägt hier niemand. Der Sommer in Bad Homburg kommt tatsächlich mit kleinen Kulturbonbons daher. Glücklich daher, wer den Moment trifft. „Das ist doch wunderschön“, freut sich Karin aus Frankfurt, eine Freundin hat sie hergeführt, nicht ahnend, welche Begegnungen aus solchen Entscheidungen resultieren können. Wer noch ins Spiel einsteigt in den nächsten Wochen, wer weiß das schon. Der Kurdirektor vielleicht, aber der verrät es nicht. Nur, dass tatsächlich bis zum Ferienende oder noch länger mit weiteren Aktionskünstlern zu rechnen ist, mit so genannten „Walk Acts“. Vielleicht kommen sogar ein paar bunte „Smarties“ zum Spielen im Park vorbei, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Nur wann und wo, das wird nicht verraten in Zeiten, da Abstand wichtiger ist als Mega-Applaus. Da winkt das zufällige Kulturprogramm dem Glücklichen, der in der rechten Stunde vor Ort ist.

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