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Symbole des ewigen Frühlings

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Auch die Buddha-Hand-Zitrone gedeiht in der Orangerie.
Auch die Buddha-Hand-Zitrone gedeiht in der Orangerie. © Renate Hoyer

Zitrusbäume überwintern gehegt und gepflegt in der Orangerie des Schlosses

Von Jürgen Streicher

Draußen ist es Winter, der Himmel ist grau. In der Orangerie aber ist der Frühling schon zu ahnen, trotz nur sieben Grad Lufttemperatur hinter der großen Fensterfront. Was im übrigen perfekt ist, denn genau so soll es sein, konstant sechs bis acht Grad. Sagt Chef-Schlossgärtner Peter Vornholt, dessen Team an der Sonnenseite des Landgrafenschlosses in einem Seitenflügel ein paar Dutzend mit Früchten reich behangene Zitrusbäume pflegt.

Einst, unter absolutistischen Fürsten und reichen Kaufleuten mit Italien-Verbindung, galten sie als Statussymbol. Und die „Gol-denen Äpfel“ symbolisierten den ewigen Frühling, politisch übersetzt die ewige Herrschaft. Entsprechend hohes Ansehen genossen die Hofgärtner, die für die Pflege und Erhaltung der Bäume nach Geheimrezepturen verantwortlich waren. Heute wird das nicht mehr so streng genommen; bereitwillig erläutert Gärtner Vornholt Besuchern, aus wieviel Teilen Lehm, Kompost, Torf und Zitruserde sich der beste Boden für die im nördlichen Europa immer noch exotischen Pflanzen zusammensetzt.

Der Orangeur oder Orangist der früheren Tage – beides Begriffe, die seit 100 Jahren in keinem Lexikon mehr auftauchen –, hatte noch Tag und Nacht ein Auge auf die Bäume, deswegen wohnte er auch bei den Orangen. Auf halber Treppe gab es bis ins 20. Jahrhundert eine Dienstwohnung für Schlossgärtner. Auf etwa acht Grad musste die Orangerie auch im kältesten Wintergeheizt werden. Da kam es schon mal vor, dass mehrmals in der Nacht der Holzofen nachgefüttert werden musste. Vor Kälte abgestorbene Bäume hätten kein gutes Licht auf das Haus geworfen.

Erste Orangerie Ende des 17. Jahrhunderts

Mit der Zentralheizung ist es einfacher, die Temperatur gleichmäßig zu halten, für ständige Luftzirkulation sorgen Abzüge in der Decke und Heizkanäle im Boden vor der Fensterfront. Vorsicht ist bei starker Sonneneinstrahlung im Winter geboten, dann kann es hinter Glas ohne Sonnenschutz schnell 15 Grad warm werden. Das aber ist verpönt, die Bäume sollen in absoluter Ruhe überwintern und nicht austreiben oder wachsen.

Erst Mitte Mai werden Zitronen- und Orangenbäume wieder rausgestellt. In großen Kübeln aus Eichenholz, handgefertigt und für einen besseren Schutz der Wurzeln von innen ausgebrannt in einer Dresdner Manufaktur. Unter der großen Zeder vor dem Königsflügel des Schlosses werden sie ans Licht gewöhnt, ehe sie auf dem Parkgelände vor der Orangerie verteilt werden.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde die erste Orangerie im Schlosspark errichtet, der jetzige Bau stammt von 1870 und hat rund 100 Jahre später bei einer Sanierung einen Boden bekommen, der Peter Vornholt gar nicht gefällt. Beton nämlich statt Ziegelsteinen oder Sandstein, besser noch wäre gestampfter Lehmboden. „Da träumen wir von“, sagt Peter Vornholt. Ein bisschen vielleicht auch von Theater- und Musikveranstaltungen, die es früher im Sommer in der Orangerie gegeben habe. Geöffnet ist sie immer, auch im Winter täglich bis 16 Uhr. „Wir wollen ja, dass die Leute sehen, was wir machen.“

Über 1000 Orangenbäume listet ein Verzeichnis von 1752 auf, „in Scherben“ gepflanzt. Gemeint sind Tonkrüge in Ergänzung zu den Holzkübeln. Sogar als Zahlungsmittel waren sie anerkannt. Spielbankschulden soll der Landgraf einst mit Orangenbäumen beglichen haben, was die Folge gehabt haben soll, dass schnell und ohne Genehmigung eine Orangerie im Kurpark gebaut wurde. Noch so eine Geschichte.

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