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Immer wieder samstags spielt Sven Eberle auf der Louisenstraße.
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Immer wieder samstags spielt Sven Eberle auf der Louisenstraße.

Louisenstraße in Bad Homburg

Straßenmusik für Obdachlose

  • Torsten Weigelt
    VonTorsten Weigelt
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Sven Eberle steht fast jeden Samstag mit seiner Gitarre auf der Louisenstraße in Bad Homburg. Mit dem Geld kauft er Schlafsäcke, die er an Bedürftige verteilt.

Ein paar Schlafsäcke und Iso-Matten hat Sven Eberle immer dabei, wenn er mit dem Auto unterwegs ist. Vor allem jetzt, in der kalten Jahreszeit. Gedacht sind sie als Nothilfe für Obdachlose, die ihre Nächte im Freien verbringen. Das können „alte Bekannte“ sein, die Eberle in Bad Homburg hinter dem Rathaus oder am Bahnhof trifft, oder Zufallsbegegnungen in Frankfurt oder Friedberg. „Ich gucke, wo ich ein bisschen unterstützen kann“, sagt der 39-Jährige.

Ungewöhnlich ist auch die Art und Weise, wie Sven Eberle sich das Geld für seine private Obdachlosenhilfe verschafft: Als Straßenmusiker steht er fast jeden Samstag auf der Louisenstraße, der zentralen Einkaufsmeile der Kurstadt, und spielt Songs von Pink Floyd oder Milow. „Straßenmusik ist ein gutes Medium, um Emotionen zu verteilen und zurückzubekommen“, sagt Eberle.

Mehr als 60 Schlafsäcke pro Jahr

Als er vor vier Jahren damit angefangen hat, hätten manche Passanten ihn noch kritisch beäugt und ihn aufgefordert, sich doch mal einen anständigen Job zu suchen. Inzwischen kämen einige aber direkt mit Geld in der Hand auf ihn zu und sagten: „Für die Aktion.“

60 bis 70 Schlafsäcke kann Sven Eberle so pro Jahr verteilen. Hinzu kommen Schals und Mützen. „Das hat sich immer ein bisschen gesteigert“, sagt er. Im Laufe der Zeit habe sich zudem ein kleines Netzwerk an Unterstützern gebildet, die sich in einer geschlossenen Facebook-Gruppe austauschen. Darin ist inzwischen auch Richard Brox Mitglied, der durch seine Biografie „Kein Dach über dem Leben“ deutschlandweit bekannt geworden ist. Mit Brox werde er sich demnächst vielleicht auch einmal persönlich treffen und austauschen, sagt Sven Eberle.

Unter den Helfern vor Ort sind auch einige Bad Homburger Geschäftsleute. So bekommt er in einem Sportladen an der Louisenstraße vergünstigte Schlafsäcke, und ein Dessous-Geschäft unterstützt ihn mit langen Unterhosen.

Allerdings hat Eberle auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. So hätten einige Bad Homburger Geschäfte damit geworben, sein Projekt zu fördern. Doch als er dann konkret nachgefragt habe, hätten sie plötzlich nichts mehr davon wissen wollen. Namen möchte er allerdings keine nennen.

Einen „Hang zum Sozialen“, habe er schon immer gehabt, erklärt Sven Eberle die Motivation für sein Obdachlosenprojekt. Aber sie geht auch auf persönliche Erfahrungen zurück, die er in seinem früheren Leben gemacht hat. Denn eine Zeit lang hatte er selbst kein Dach über dem Kopf. Von Suchtproblemen und einer Räumungsklage spricht Eberle.

„Letztlich war ich aber freiwillig ausgestiegen“, sagt er. Richtig obdachlos sei er nie gewesen, zur Not habe er immer bei Freunden übernachten können. Und das Geld, das er darüber hinaus gebraucht habe, konnte er sich als Straßenmusiker verdienen.

Extrem schwer sei es ihm allerdings gefallen, danach wieder Anschluss an das normale Leben zu finden. Besonders die Behördengänge seien zermürbend gewesen. Zum Glück hätten ihm aber auch einige Menschen geholfen, ob es um Wohnung, Führerschein oder Job gegangen sei. „Ich möchte nun gern etwas zurückgeben“, sagt Eberle, der inzwischen Vollzeit für ein bekanntes Möbelhaus arbeitet und eine Wohnung in Bad Homburg hat.

Allzu hoch möchte er die Erwartungen an seine Hilfsaktion aber nicht schrauben. „Ich bin nicht der Retter, der jeden in die Gesellschaft zurückholen kann“, sagt er. Es gehe ihm lediglich darum, den Obdachlosen, denen er begegne, das Leben etwas zu erleichtern. Und das könne auch jeder andere, findet er. Oft reiche schon ein freundliches Wort oder ein warmer Kaffee. „Dafür kann man tolle Blicke ernten.“

Für sein Engagement hat er jüngst den Bürgerpreis der Taunussparkasse erhalten, in der Kategorie „Alltagshelden“. Am Anfang habe er sich überlegt, ob er den Preis überhaupt annehmen soll, schildert Eberle. Doch inzwischen sei er froh, dass er es getan habe. „Das ehrt mich schon“, sagt er. Und es habe zudem seinem Projekt noch einmal zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft.

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