Homburg historisch: Alte Postkarten zeigen, wie die Stadt einst ausgesehen hat.
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Homburg historisch: Alte Postkarten zeigen, wie die Stadt einst ausgesehen hat.

Geschichte

Stadthistoriker gesucht

Bürgerinnen und Bürger in Bad Homburg können sich bis Ende Januar bewerben.

Die Geschichte der Kurstadt ist beeindruckend. Derart üppig, bedeutend und facettenreich wie in Homburg ist die Lokalhistorie in kaum einer anderen vergleichbaren Stadt. Doch so groß das Erbe sich schon jetzt präsentiert – noch immer sind nicht alle Schätze gehoben, noch immer gibt es viel zu erforschen und zu entdecken. Ein neues Projekt der Stadt hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, dem ebenso prächtigen wie unvollendeten Geschichtsbild weitere Puzzleteile hinzuzufügen.

Gesucht werden fünf ehrenamtliche „Stadthistoriker“, die sich bis Ende Januar für eine Teilnahme bewerben können. Personen, die hauptberuflich als Historikerinnen oder Historiker tätig sind, sind jedoch von der Bewerbung ausgeschlossen.

„Stadthistoriker finden oft Zugang zu Quellen, die sonst nicht bekannt sind und die vielleicht von Nachbarn an sie herangetragen werden. Sie schreiben die Geschichte der Vergessenen, Übersehenen auf und geben ihnen ihre Würde zurück“, sagt Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft (Frankfurt) bei der Vorstellung des Projekts am Mittwochabend in der Villa Wertheimber.

Johann Georg Hamel

Der Homburger Fabrikantensohn , Stadtbibliothekar und Chronist Johann Georg Hamel wurde am 17. Juli 1811 in Homburg als Sohn des Strumpffabrikanten Jacob Christian Casimir Hammel geboren. Zunächst Fabrikant wie der Vater, wurde er bald erfolgreicher Kaufmann.

Bereits früh interessierte sich Hamel, der 1840 das zweite „m" aus seinem Namen strich, für Geschichte und Politik seiner Heimatstadt. 1828 begann er seine Chronik der Homburger Ereignisse, ab 1829 sammelte er „Historische Bruchstücke aus Homburgs Vorzeit“. Er betätigte sich auch als Journalist für das „Frankfurter Journal“ und sein Beiblatt die „Didaskalia“. 1841 gründete er Leseverein und Stadtbibliothek.

Sein Haus in der Dorotheenstraße 19, das er später „Deutsches Haus“ nannte, wurde in den 1840er Jahren zu einem Brennpunkt des Homburger kulturellen Lebens.

Am 24. Juni 1872 starb Hamel an den Folgen eines Sturzes in der Bibliothek.

Die Stiftung, die bereits seit einigen Jahren in Frankfurt Stadtteilhistoriker sucht, auswählt und begleitet, unterstützt gemeinsam mit der Werner-Reimers-Stiftung nun auch das Homburger Projekt.

Das Projekt solle die Identifikation mit der Heimat stärken, aber „das großartige Engagement der Bad Homburger Heimat- und Geschichtsvereine nicht ersetzen, sondern ergänzen“, sagte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU).

Wer bei der Premiere als Stadthistoriker dabei sein wird, darüber entscheidet im Februar eine Jury. Und weil der ehrenamtliche Einsatz der ausgewählten Heimatforscher mit einigem Aufwand verbunden ist, erhalten die Teilnehmer je 800 Euro. Darüber hinaus haben die Reimers-Stiftung und ihr Freundeskreis den Johann-Georg-Hamel-Preis ausgelobt, benannt nach dem ersten Homburger Stadtarchivar. Es solle einen mit 500 Euro dotierten ersten Preis und – bei entsprechender Qualität der Arbeit – auch einen ähnlich dotierten zweiten Preis geben, so Albrecht Graf von Kalnein, Vorstand der Werner-Reimers-Stiftung. Preiswürdig seien Arbeiten über lokale Besonderheiten, in denen sich dennoch die Weltgeschichte wiederfinde, so wie sich der Ozean in einem Wassertropfen spiegle. Die ausgezeichneten Arbeiten könnten auch für Sabine Mecking interessant sein, die an der Universität Marburg die Professur für Hessische Landesgeschichte innehat.

Aufgabe der Stadthistoriker ist es nicht nur, ihr Thema zu erarbeiten, es muss anschließend auch öffentlich präsentiert werden, ob in Form einer Broschüre, einer Ausstellung, eines Buchs, eines Vortrags, eines Films, einer Internetseite oder einer App, das kann jeder selbst entscheiden. „Die Geschichte von Personen, Familien, Unternehmen, Institutionen oder Ereignissen kann ebenso behandelt werden wie die Entwicklung einer Straße oder eines Stadtteils“, heißt es in der Ausschreibung.

Aufgerufen sind alle Bad Homburger Bürger, die sich für die Geschichte ihrer Stadt interessieren und einen Aspekt der Homburger Historie aufarbeiten wollen. „Ermutigen möchten wir insbesondere Schüler und Studierende sowie Homburger Bürger mit Migrationshintergrund“, sagte Bettina Gentzcke, Leiterin des Fachbereichs Kultur und Bildung im Rathaus.

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