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Stadt will illegale Gärten im Herbst einebnen

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Das Gelände der Madesgärten in Kirdorf ist so belastet, dass dort keine Nutzpflanzen angebaut werden sollten. Das Gärtnern auf städtischen Parzellen soll bald unterbunden werden. Konopatzki
Das Gelände der Madesgärten in Kirdorf ist so belastet, dass dort keine Nutzpflanzen angebaut werden sollten. Das Gärtnern auf städtischen Parzellen soll bald unterbunden werden. Konopatzki © Konopatzki

Belastetes Gelände in Kirdorf soll wie seit 1997 geplant in einen Park umgewandelt werden

Bad Homburg - Im Bereich der Madesgärten am Kirdorfer Bach oberhalb der Friedensstraße wird schon seit weit über 100 Jahren gegärtnert, bis in die 1970er Jahre wurde in der benachbarten Sattelfabrik gearbeitet. Keine gute Kombination, da durch die dort betriebene Galvanisierung über die Jahrzehnte eine nicht unerhebliche Menge Schadstoffe in den Bach gelangte.

Wie groß die Gefahr für Mensch und Tier tatsächlich ist, war lange umstritten. Es wurden Proben entnommen und untersucht - 1995 widmete man sich der Frage, ob der Bereich überhaupt als Nutzgarten geeignet ist. Die Konsequenz: Der Anbau bestimmter Gemüsesorten wurde untersagt. Zwei Jahre später wurde der Bebauungsplan „Die Madesgärten“ rechtskräftig, in dem auf die Bodenbelastung verwiesen wird und der vorsieht, das Gebiet mittelfristig neu zu ordnen, zu renaturieren und zu einer öffentlichen Grünfläche zu machen.

Passiert ist wenig. Zwar kaufte die Stadt nach und nach viele der Mini-Parzellen auf, doch obwohl die Pachtverträge ausliefen und keine neuen vergeben wurden, wird bis heute auch auf den städtischen Flächen gepflanzt und geerntet. Das wurde bislang geduldet - sehr zum Unmut vor allem der BLB, die regelmäßig auf die mutmaßlich noch immer bestehende Gesundheitsgefährdung hinwies und eine aktuelle Bewertung einforderte. Die ist abgeschlossen.

Das Ergebnis, das nun dem Klimaschutz- und Umweltausschuss vorgelegt wurde, zeigt: Die Beharrlichkeit der Bürgerliste hat sich ausgezahlt. Legt man aktuelle Grenzwerte und Messergebnisse von damals zugrunde, sollten „neben den baulichen Maßnahmen im Sinne des Bebauungsplans zusätzliche vorgreifende Maßnahmen erfolgen“, heißt es in dem von Bürgermeister Dr. Oliver Jadynak (CDU) unterzeichneten Papier. Zur Einordnung: 0,1 Milligramm Blei darf ein Kilogramm Erde nach heutigem Standard maximal enthalten, wenn das Gebiet vorbehaltlos als Nutzgarten dienen soll. 1000 Milligramm sind es bei Park- und Freizeitanlagen.

Auf einem Flurstück wurden laut Bericht 449 Milligramm Blei festgestellt und auch an anderen Punkten, selbst dort, wo nach dem B-Plan noch legale Grabgärten vorgesehen sind, wurden stark erhöhte Blei-Konzentrationen festgestellt, mancherorts lagerte auch Cadmium in einer Größenordnung, die einen unbedenklichen Verzehr von dort angebautem Gemüse entgegenstehen. Dass sich die Giftstoffe nach und nach unter die Grenzwerte ausgewaschen haben, ist unwahrscheinlich.

B-Plan soll aufgestellt werden

Nun soll gehandelt werden - und man sieht sich auch gar nicht so spät dran. Denn erst seit 2019 seien so viele Flächen im Besitz der Stadt, dass Planungen für die Umsetzung des B-Plans beginnen konnten, heißt es in der Vorlage. Und wegen anderer Projekte und der Pandemie verzögerte sich das Projekt erneut, so dass erst jetzt konkrete Schritte eingeleitet werden konnten. Im kommenden Jahr soll es an die Umsetzung des B-Plans gehen.

Da auch auf den städtischen Flächen weiterhin (illegal) angepflanzt wird, sollen diese schon im Herbst eingezäunt, die Gärten eingeebnet werden. In der Praxis, das wurde bei den vorangegangenen Sitzungen deutlich, ist die Nutzung oft nicht mehr an Eigentum oder Pacht gekoppelt - unbewirtschaftete Flächen wurden schlicht von anderen weiter beackert.

Die Verwaltung bemüht sich um Ausgleich. „Der Zeitpunkt wurde so gewählt, um den Nutzern, auch wenn die Nutzung möglicherweise illegal ist, ausreichend Zeit zu geben, ihr Hab und Gut von diesen städtischen Flächen zu räumen“, heißt es in der Vorlage, die Ende des Monats vom Parlament verabschiedet werden soll. Bevor die Trupps anrücken, sollen „entsprechende Anschreiben erfolgen sowie auch Hinweise auf Schildern direkt vor Ort gegeben werden“.

Zusätzlich solle dabei auch erneut auf die schon seit langem bekannten Bodenbelastungen hingewiesen werden. Die bisherigen Nutzer sollen die Möglichkeit bekommen, andernorts zu gärtnern. So werde ihnen nahegelegt, beispielsweise Kontakt mit dem örtlichen Kleingartenbauverein aufzunehmen. Die Stadtverwaltung könne den Kontakt herstellen.

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