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Lutz Schenkel (links) und Kurdirektor Holger Reuter leiten die Spielbank gemeinsam.

Glücksspiel

Spielbank Bad Homburg steigt ins Online-Geschäft ein

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Seit der Übernahme durch die Kurgesellschaft hat das Casino seine Einnahmen deutlich gesteigert. Nun steigt es als erstes in Deutschland ins Online-Geschäft ein.

In der vergangenen Woche mussten die beiden Geschäftsführer der François-Blanc-Spielbank, Lutz Schenkel und Holger Reuter, bei einem Gespräch mit Journalisten zugeben, dass in den vergangenen Monaten insgesamt 1,1 Millionen Euro der Casino-Einnahmen auf dem Weg zwischen Tresor und Bank verschwunden sind. Unter Tatverdacht stehen mehrere Mitarbeiter, einer von ihnen sitzt in Untersuchungshaft.

Es war Schenkel und Reuter unschwer anzusehen, dass sie weitaus lieber über andere Dinge gesprochen hätten. Zum Beispiel über Gästezahlen und Bruttospielerträge, der entscheidenden wirtschaftlichen Kennziffer für Spielbanken. Seitdem die städtische Kurgesellschaft 2013 die Lizenz zum öffentlichen Glücksspiel von der Wicker-Gruppe übernommen hat, kann sie auf eine bemerkenswerte Entwicklung verweisen. So kommen wieder deutlich mehr Menschen in das Casino im Kurpark. Waren es vor sechs Jahren noch 360 pro Tag, konnten im vergangenen Jahr im Schnitt 600 Kunden begrüßt werden.

Zudem habe man seit der Lizenz-Übernahme insgesamt 123 Millionen Euro erwirtschaftet, rechnet Lutz Schenkel vor, der sich um das operative Geschäft kümmert – ebenfalls mit steigender Tendenz. Den Bruttospielertrag von 26,8 Millionen Euro aus 2017 habe das Bad Homburger Casino im vergangenen Jahr noch einmal deutlich toppen können, teilt er mit. Unter allen deutschen Spielbanken belege man damit Rang fünf. Genaue Zahlen für 2018 wollen die beiden Geschäftsführer aber derzeit noch nicht öffentlich machen – die Bilanz muss erst einmal dem Verwaltungsrat vorgelegt werden.

Die Spielbank Bad Homburg feiert in diesem Jahr das 70. Jubiläum ihrer Wiedereröffnung. Seit 7. April 1949 gibt es in der Kurstadt wieder öffentliches Glücksspiel.

Fast 80 Jahre lang war das Casino zuvor geschlossen. Verfügt hatten das die Preußen, die von 1866 an die Politik in der Landgrafschaft Hessen-Homburg bestimmten.

Gegründet hatten die Spielbank im Mai 1841 François Blanc und sein Zwillingsbruder Louis. Ihr wohl bekanntester Kunde war der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski. Nach dem Aus in Bad Homburg zog François Blanc weiter nach Monte Carlo. twe

„Wir haben die Spielbank zum richtigen Zeitpunkt übernommen“, ist Schenkel überzeugt. Seit 2013 seien Räume und Spielkonzept „konsequent modernisiert“ worden. Außerdem sei es gelungen, das etwas angestaubte Image wieder aufzupolieren, etwa durch Gastspiele des Varietés Tigerpalast oder die aufwendigen Werbeauftritte an den Gepäckbändern auf dem Frankfurter Flughafen.

Damit zielt die Spielbank auch auf ausländische Kundschaft. Speziell Menschen aus Asien seien „sehr spielaffin“, sagt Holger Reuter. Damit sie bequem nach Bad Homburg kommen, gibt es einen Pendelbus, der vom Hauptbahnhof über die Messe in den Taunus rollt. Es gelinge aber auch immer besser, Besucher zu längeren Aufenthalten zu bewegen, betont Spielbank-Geschäftsführer und Kurdirektor Reuter. Dafür schnüre man gezielt Pakete mit den ansässigen Hotels und dem Day Spa im Kaiser-Wilhelms-Bad.

Weniger glamourös ist allerdings eine andere Entwicklung: Während das klassische Spiel mit Roulette und Black Jack immer noch das öffentliche Bild von Spielbanken prägt, machen die ihr Geschäft zunehmend mit blinkenden Maschinen. Auch in Bad Homburg sorge das Automatenspiel inzwischen für 80 Prozent des Umsatzes, erklärt Lutz Schenkel. Das klassische Spiel entwickele sich hingegen immer mehr zur „Liebhaberei“.

Auch am boomenden Onlinemarkt möchte die François-Blanc-Spielbank partizipieren. Deshalb hat sie als erste Spielbank im Deutschland ein Angebot geschaffen, bei dem User über verschiedene ausländische Anbieter auf einen mit Kameras ausgestatteten Roulettetisch setzen können. Diese Anbieter verfügten alle über legale Lizenzen, so dass kein Spieler Unregelmäßigkeiten befürchten müsse, versichert Schenkel. „Für die deutschen Spieler bleibt zur Zeit aber nur die Möglichkeit, zuzuschauen.“ Jedenfalls, bis sich die Bundesländer auf einen neuen Glücksspielstaatsvertrag geeinigt haben. Die Diskussion darüber zieht sich schon über Jahre.

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