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Skepsis gegenüber Kinderstation

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Von: Andrea Herzig

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Eine Initiative möchte erreichen, dass eine Kinderstation an den Hochtaunuskliniken eingerichtet wird. 10.800 Unterschriften hat sie dafür schon gesammelt. Doch Kritiker befürchten, die neue Abteilung könnte schnell überlastet sein.

Eine Initiative möchte erreichen, dass eine Kinderstation an den Hochtaunuskliniken eingerichtet wird. 10.800 Unterschriften hat sie dafür schon gesammelt. Doch Kritiker befürchten, die neue Abteilung könnte schnell überlastet sein.

Sie sammeln seit einem Jahr, bisher sind 10.800 Unterschriften zusammengekommen. Ursula Conzelmann von der Bad Homburger CDU freut sich. Gerade rührt die Initiative für eine Kinderstation in den neuen Hochtaunuskliniken wieder kräftig die Werbetrommel. Die Unterstützung ist prominent, Klinikleiterin Julia Hefty sieht den Bedarf genauso wie die lokalen Landtagsabgeordneten und der Landrat.

Das Argument: Für die Kinder und deren Eltern ist der Weg in die Fachklinik zu weit. 40 Minuten aus dem Usinger Land, immer noch knapp 30 aus Bad Homburg. Einem Erwachsenen, so Conzelmann, mute man das nicht zu.

Der Antrag auf eine Kinderabteilung im neuen Krankenhaus ist gestellt, zehn Ärzte müssten es für eine umfassende Versorgung sein, sagt Hefty. Das Wiesbadener Sozialministerium prüft derzeit das Bad Homburger Anliegen und hält sich immer noch bedeckt. Es werde auf wichtige Daten aus dem Jahr 2012 gewartet, hieß es gestern.

Angefügt ist der Hinweis, dass auch ein Krankenhaus ohne Kinderfachabteilung eine kindgerechte Ausstattung in der Notfallversorgung und das entsprechende Knowhow aufzuweisen habe. Das schreibe der Krankenhausrahmenplan von 2009 vor. Im Zweifel gebe es die Möglichkeit, eines pädiatrischen Konsils und eben die Kooperation mit den großen Kinderkliniken.

Zu viele Kinderärzte

Die Lage ist nicht einfach. Landauf, landab schließen Kliniken, andere werden zusammengelegt. Barbara Mühlfeld, Bad Homburger Kinderärztin und Pressesprecherin des hessischen Verbandes der Kinder- und Jugendärzte, ist gut vernetzt und kennt sich mit Versorgungszahlen genauso aus wie mit Patientenvorlieben. Die Ärztin ist skeptisch, was die Machbarkeit der Pläne der Initiative angeht. Nicht, dass es nicht wünschenswert wäre, die Kinder im Kreis gut zu versorgen. Mühlfeld könnte sich aber auch vorstellen, dass sich die Kollegen in der Krankenhausnotversorgung und in den allgemeinmedizinischen Praxen fortbilden, was die besonderen Bedürfnisse von Kindern angeht. Auch so könnte eine Lücke geschlossen werden.

Rechnerisch ist der Hochtaunuskreis mit Kinderärzten überversorgt. 22 Ärzte mit Kassenzulassung arbeiten hier, dazu zwei Privatärzte. Trotzdem kann Mühlfeld in ihrer Praxis schon lange keine Patienten mehr von außerhalb aufnehmen, strenges Kriterium ist der Wohnort Bad Homburg, Notfälle ausgenommen.

Da müsste eine Kinderklinik vor Ort doch Entlastung bringen, zumal in den notorisch überfüllten Sprechstunden an den Wochenenden, zu denen sich die Pädiater abwechseln. Mühlfeld ist skeptisch. Wie in den großen Kliniken werde die Sprechstunde einer Kinderabteilung im Homburger Krankenhaus schnell voll und voller werden, fürchtet sie. Denn das Wochenende liege günstig für einen Arztbesuch, der Vater ist verfügbar, das Auto auch. In einer Region mit vielen Zugezogenen und oft ohne familiären Rat im Hintergrund gingen manche Eltern schneller zum Arzt als objektiv vielleicht notwendig, erklärt Mühlfeld die vollen Praxen. Außerdem seien die Pädiater inzwischen auch noch mehr mit psychischen Problemen ihrer Patienten befasst.

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