1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus
  4. Bad Homburg

Sauereien im Keller

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Im Hauptberuf arbeitet Gero Fuhrmann bei der VHS.
Im Hauptberuf arbeitet Gero Fuhrmann bei der VHS. © Monika Müller

Gero Fuhrmann, Erfinder der KunstWerkStadt, greift selbst zum Pinsel. Den Anstoß gab seine Bewunderung für die zeitgenössischen Maler Emil Schumacher und Antoni Tàpies.

Von Anton J. Seib

Wenn Gero Fuhrmann malt, setzt er seinen Körper voll ein. Er trägt Farbe auf und dann wischt er mit der Hand Strukturen auf Leinwand oder Papier. Oder er schwingt den groben Borstenpinsel bis die Acrylfarbe spritzt. So entstanden die neuen Bilder, die trotz kraftvollen Einsatzes des 59-Jährigen an filigrane japanische Tuschmalerei erinnern.

Gero Fuhrmann ist Künstler nicht im Hauptberuf – seinen Bildern sieht man das nicht an. Der gebürtige Kirdorfer arbeitet in der Volkshochschule, veranstaltet unter anderem Kunstreisen. Und seit zwölf Jahren organisiert er die KunstWerkStadt Bad Homburg, die vor Kurzem wieder Tausende in die Stadt lockte. Zudem ist Fuhrmann im Kunstverein Artlantis engagiert.

Mit der Kunst kam er 1978 in Berührung. In Köln sah er eine Ausstellung mit Werken des amerikanischen Malers Jasper Johns, einer der Väter der Pop Art. „Dann habe ich Werke von Antoni Tàpies und Emil Schumacher kennengelernt. Die haben mich begeistert“, erinnert er sich.

Besonders Schumacher, Urvater der abstrakten Malerei im Nachkriegs-Deutschland. Ein kleines Original sprach ihn an, eine Zeichnung im DIN-A-4-Format. „Ich wollte sie kaufen. Aber sie sollte 20.000 Mark kosten. Also habe ich mir gesagt, das musst du jetzt selber machen.“

Und er probierte es; merkte, als Autodidakt funktioniert es nicht. Fuhrmann besuchte Malkurse, den letzten Schliff holte er sich in der Malakademie Frankfurt bei Claudia Klee. Seither hat er seinen eigenen Stil entwickelt, ohne dabei Einflüsse seiner Vorbilder zu verleugnen. „Ich arbeite impulsiv“, beschreibt Fuhrmann seine Methode. „ Ich male wie ich argumentiere. Mitunter chaotisch, aber engagiert.“

Dabei gibt er dem vorgeblichen Chaos gleichwohl Struktur, er greift auf Grundmuster zurück, die den abstrakten Sujets immer auch Gegenständliches entgegensetzen: Hausformen, Leitern, Gleise, Bootsrümpfe. Und immer wieder verwendet er kräftige Schlangenlinien in grellen Farben, als habe ein Abc-Schüler mit großen Schwüngen Schreibschrift gelernt. „Das gibt den Bildern Struktur“, sagt Fuhrmann.

Wenn es schmutzig werden könnte, geht er in den Keller

Wenn ihm neue Ideen durch den Kopf schwirren, geht er abends und am Wochenende in sein Arbeitszimmer und malt. Oder in den Keller, „immer dann, wenn es Sauerei gibt“, sagt er lachend. Ein eigenes Atelier hat er nicht mehr. „Ich male nicht täglich. Das war mir zu teuer.“ Einen Luxus leistet er sich dennoch. Im familieneigenen Häuschen in Griechenland malt Fuhrmann mehrmals im Jahr – dann aber im Freien.

Mehr über Gero Fuhrmanns Werke unter: www.gero-fuhrmann.de.

Auch interessant

Kommentare