Alexander Hetjes und Astrid Krüger präsentieren die Neuerwerbungen.
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Alexander Hetjes und Astrid Krüger präsentieren die Neuerwerbungen.

Bad Homburg

Post vom Nobelpreisträger

  • Torsten Weigelt
    vonTorsten Weigelt
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Das Stadtarchiv hat einen Brief des Schriftstellers Samuel Agnon erworben, den er nach seiner Ankunft in Bad Homburg geschrieben hat.

Als Samuel Joseph Agnon mit seiner Familie nach Bad Homburg kam, trug er noch den Namen Czaczkes. Sein Pseudonym „Agnon“ (der Gebundene) nahm er erst 1924 als offiziellen Nachnamen an, als er die Kurstadt bereits wieder verlassen hatte.

Obwohl Agnon 1966 gemeinsam mit Nelly Sachs den Literaturnobelpreis erhielt, war die Erinnerung an ihn in Bad Homburg lange verblasst. Das mag auch daran gelegen haben, dass Agnon nur drei Jahre hier gelebt hat, viel mehr wohl jedoch an der Scham der Nachkriegsgeneration über das Schicksal der deutschen Juden.

Agnon gilt als einer der wichtigsten hebräischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. „Er ist quasi der Goethe Israels“, sagt die Leiterin des Stadtarchivs, Astrid Krüger. Seit 1993 erinnert immerhin ein Denkmal im Kurpark an ihn, vor sieben Jahren wurde ein Weg nach ihm benannt. Und Krüger ist froh, dass die Stadt nun auch im Besitz eines Briefes ist, den Agnon kurz nach seiner Ankunft in der Kurstadt an seinen Schwager Moshe Max nach Berlin geschickt hatte. Darin geht es um Bücher, die der Autor zu kaufen gedenkt; außerdem erkundigt er sich nach dem bedeutenden Religionshistoriker Gershom Scholem.

2500 Euro hat das Archiv für die Handschrift bezahlt. „Für uns ist dieser Fund in einem Antiquariat ein Glücksfall“, sagt Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Denn ansonsten gebe es im Stadtarchiv kaum Unterlagen zu Agnons Aufenthalt. Vorhanden ist lediglich die Akte zu einem Rechtsstreit, den Agnon gegen die Stadt führte, nachdem ein Feuer das Haus der Familie, die Villa Imperiale (Kaiser-Friedrich-Promenade 82), völlig zerstört hatte. Dabei waren auch die Bibliothek und mehrere Manuskripte des Schriftstellers verbrannt.

Agnon machte der Feuerwehr den Vorwurf, schlampig gelöscht zu haben, die Klage blieb jedoch erfolglos. Für sich persönlich habe der Schriftsteller das Feuer als „göttliches Zeichen“ gewertet, sagt Krüger, deshalb sei er 1924 nach Palästina ausgewandert.

Außer Samuel Agnons Brief konnte Astrid Krüger noch eine zweite wichtige Neuerwerbung des Stadtarchivs präsentieren. Dabei handelt es sich um ein aufwendig gestaltetes Fotoalbum aus dem Jahr 1904. Es stammt aus dem Atelier T. H. Voigt und war ein Geschenk der Kurverwaltung an Spencer Castle Esquire für 25 Jahre Kuraufenthalt in Bad Homburg.

Das Album enthält frühe Fotos von Kurpark, Kurhaus, Kaiser-Wilhelms-Bad, Russischer Kirche, Elisabethenbrunnen und Saalburg. Besonders interessant sind für das Stadtarchiv die Aufnahmen des Croquet-Platzes. Dieser war ebenso wie Tennis- und Golfplatz damals sehr beliebt bei den englischen Kurgästen, aber Bilddokumente davon seien kaum vorhanden, bedauert Krüger. „So schöne Fotos hatten wir jedenfalls bis jetzt noch nicht“, sagt sie mit Blick auf das Album. Der Croquet-Platz befand sich im Kurpark zwischen den Tennisplätzen und der später errichteten Thai-Sala. twe

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