Bad Homburg

Ossifeindliche Inhalte

  • Torsten Weigelt
    vonTorsten Weigelt
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Weil er die Mitarbeiter des Zolls in Halle per E-Mail aufs Übelste beschimpft haben soll, ist ein Geschäftsmann aus Oberursel nun verurteilt worden.

Seit inzwischen fast 30 Jahren ist die DDR Geschichte. Doch in manchen Köpfen ist die Mauer offenbar immer noch so präsent wie zu Walter Ulbrichts Zeiten. Nach Ansicht des Amtsgerichts Bad Homburg gilt das auch für Lars A. aus Oberursel im Taunus, wo man ja mit dem Limes auf eine noch deutlich ältere Grenzhistorie verweisen kann.

Richterin Gudrun Kurschat sah es als erwiesen an, dass der selbstständige Software-Entwickler die Mitarbeiter der Bundeskasse Zoll im vergangenen Juni per E-Mail aufs Übelste ossi-feindlich beleidigt hatte.

Als „Pegida-Zonen-Schweine aus Dresden“ werden sie in dem Schreiben bezeichnet – was auch noch geographisch völlig unkorrekt ist, schließlich sitzen sie im mehr als 140 Kilometer entfernten Halle an der Saale. Außerdem ist in der Mail von „Pissereien“ die Rede, die sich ein „rechtschaffener Westdeutscher“ nicht bieten lassen müsse, und statt freundlicher Grüße lautet die Abschiedsformel: „Wegtreten, widerliches Pack.“

A. räumte zwar ein, dass er wegen eines Mahnschreibens in Sachen Kraftfahrzeugsteuer einen Mailverkehr mit der Behörde in Halle geführt hatte. Und dabei habe es sich um einen „durchaus unerfreulichen Austausch“ gehandelt – allerdings nur im Februar und Mai – und ganz ohne Beleidigungen.

Die ominöse Mail vom 12. Juni hingegen müsse jemand anders geschrieben haben. „Ich habe das nicht verfasst“, beteuerte A. Schließlich sei es heutzutage ein Leichtes, eine E-Mail zu fälschen. Da brauche man nicht mehr als ein handelsübliches Smartphone, erklärte der Software-Experte.

„Dass“ mit Rechtschreibfehler

Über seinen privaten Account seien auch schon ohne sein Wissen dubiose Werbe-Mails für Viagra verschickt worden. „Sie sind nicht in der Lage zu beweisen, dass ich die Mail verfasst habe“, belehrte A., der ohne Anwalt zu der Verhandlung gekommen war, sowohl den Vertreter der Staatsanwaltschaft als auch die Richterin.

Doch diesen reichten auch Indizien, für eine Bestrafung A.s zu plädieren und ihn schließlich zu einer Geldstrafe von 3600 Euro zu verurteilen. Zum einen gebe es die Vorgeschichte mit der Mahnung, begründete Gudrun Kurschat ihre Entscheidung. Schon die ersten Mails seien recht „unfreundlich“ ausgefallen, was sich dann im weiteren Verlauf zu den zitierten Beleidigungen gesteigert habe.

Zum anderen seien alle Mails mit der gleichen Signatur unterzeichnet worden und enthielten darüber hinaus auch noch die gleichen Schreibfehler. So boykottiert der Autor in allen seinen E-Mails konsequent die Rechtschreibreform und verwendet für die Konjunktion „dass“ weiterhin das ß.

Als weiteren Beleg für A.s Urheberschaft wertete die Richterin die Tatsache, dass an der Mail ein Screenshot mit einem Kontoauszug angehängt war. Der vermeintliche Hacker hätte somit nicht nur A.s Mail-Account, sondern auch noch seinen Zugang zum Online-Banking kapern müssen. „Das sind mir ein paar Zufälle zu viel.“

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