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Olympia-Attentat hautnah erlebt

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"Bavaria 391": Heinz Habermehl (links) und ein Kollege aus Essen waren in München mit einem roten VW Käfer unterwegs. hab
"Bavaria 391": Heinz Habermehl (links) und ein Kollege aus Essen waren in München mit einem roten VW Käfer unterwegs. hab © hab

Bad Homburg Ehemaliger Polizeibeamter aus der Kurstadt arbeitete 1972 in München mit

Zur Durchführung dieser gigantischen Veranstaltung waren unzählige Helferinnen und Helfer notwendig. Da die bayerische Polizei hierfür Kollegen aus den übrigen Bundesländern benötigte, wurde auch bei den hessischen Polizei-Dienststellen nach Freiwilligen gefragt. Mit weiteren drei Kripo-Kollegen aus Bad Homburg bewarb ich mich für den "olympischen Dienst" in München. Wenige Wochen später wurden unsere Bewerbungen positiv bestätigt.

Zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele vom 26. August bis 11. September reisten wir im Polizeibus nach München. Unsere Unterkünfte waren meist in privaten Wohnungen. Unsere Gastgeber haben wir nie kennengelernt. Unsere Einsätze bestanden vorwiegend darin, im Stadtgebiet Kontrollen und Observationen vorzunehmen oder bestimmte Zielorte aufzusuchen.

Meine Dienstzeiten waren aufgeteilt in Früh- und Spätschicht. Unsere Dienstwaffe führten wir nicht mit.

Im roten VW Käfer

auf Streife

Mein Streifenkollege war ein junger Beamter aus Essen. Als Dienstfahrzeug übernahmen wir einen roten VW Käfer mit dem Funknamen "Bavaria 391". Für uns war München Neuland. Die vorgegebenen Ziele bei Dunkelheit aufzusuchen war anfangs ein Problem. Unsere Einsatzorte mussten wir über den Stadtplan ausfindig machen, denn ein "Navi" gab es damals nicht.

Ich kam weder mit berühmten Sportlerinnen und Sportlern noch mit sonstiger Prominenz in Kontakt. Auch die Eröffnungsfeier und die Wettkämpfe sah ich meist nur im Fernsehen. Die bis dahin heiteren Spiele waren für Deutschland sportlich sehr erfolgreich. Klaus Wolfermann hatte überraschend das Speerwerfen mit einer Weite von 90,48 Metern gewonnen und sich dabei mit zwei Zentimetern Vorsprung die Goldmedaille gesichert. Fast noch frenetischer war die Jubelarie einen Tag später, als die damals 16-jährige Ulrike Meyfarth beim Hochsprung der Frauen als Einzige die Höhe von 1,92 Metern überquerte und Gold gewann.

Doch dann geschah in der folgenden Nacht gegen 4.55 Uhr das unfassbare Attentat, als palästinensische Terroristen in das olympische Dorf eindrangen und das israelische Team zu Geiseln machte. Dabei kam ein Mannschaftsmitglied der Israelis ums Leben. Auf eine solch verwerfliche Tat waren die Verantwortlichen nicht vorbereitet. Mir ist bekannt, dass bei einer wenige Wochen zuvor erfolgten Führungsbesprechung unter anderem darüber diskutiert wurde, wie man sich verhalte, falls der Olympia-Berg - eine unbedeutende Anhöhe im Olympia-Gelände - durch Demonstranten besetzt werde. Das Thema "Attentat" kam hierbei nicht vor.

Die in der folgenden Nacht durchgeführte Befreiungs-Aktion endete katastrophal. 17 Menschen kamen ums Leben, alle elf israelischen Geiseln, fünf Terroristen und ein Polizeibeamter. In jener Nacht versah ich Spätdienst, den ich mit vielen Kollegen vorwiegend im Polizeipräsidium verbrachte, um im Bedarfsfall schneller verfügbar zu sein. Wir erfuhren, dass die bayerische Polizei zu einem Großeinsatz ausgerückt war - nähere Einzelheiten nicht. Übers Radio erreichte uns eine erfreuliche Nachricht, die sich leider nicht bestätigen sollte. Anfangs hieß es, dass alle israelischen Geiseln unverletzt befreit worden seien. Etwas später hieß es, bei dem Einsatz sei ein Polizeibeamter ums Leben gekommen. Mit dieser Information ging ich zu später Stunde zu Bett.

Welch entsetzliches Ende die nächtliche Befreiungsaktion in Fürstenfeldbruck genommen hatte, erfuhr ich einige Stunden später. Die olympische Veranstaltung wurde anschließend für einen Tag unterbrochen, um dann am Folgetag mit dem umstrittenen Satz des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage fortgesetzt zu werden: "The Games must go on".

An den restlichen Olympia-Tagen gab es keine besonderen Ereignisse mehr, ausgenommen die sportlichen Wettkämpfe.

Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1972 in München ging es ausgelassen und fröhlich zu - das Großereignis wurde wenige Tage später aber von einem terroristischen Überfall überschattet. imago
Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1972 in München ging es ausgelassen und fröhlich zu - das Großereignis wurde wenige Tage später aber von einem terroristischen Überfall überschattet. imago © imago sportfotodienst

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