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Das einstige Goldschmidt-Sanatorium steht seit zwei Jahrzehnten leer ? und verfällt.

Stadtentwicklung in Bad Homburg

Neue Möglichkeiten für das Sanatorium

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Der Hochtaunuskreis bringt eine Machbarkeitsstudie für das ehemalige Goldschmidt-Anwesen auf den Weg. Der Verfall der alten Kurstätte ist weit fortgeschritten.

Am Donnerstagabend werden die Bad Homburger Stadtverordneten mit einem „20-jährigen Leerstands-Jubiläum“ konfrontiert. Es ist ein Antrag der FDP-Fraktion zu dem immergrünen Thema „Goldschmidt-Sanatorium“, mit dem ein „detaillierter Bericht“ zu Zustand, Erhalt und künftiger Nutzung des seit 1998 leerstehenden und verfallenden Bauwerks eingefordert wird.

Dass an das seit zwei Jahren unter Schutz stehende Ensemble zwischen Kurpark und Hardtwald erinnert wird, passt in eine Zeit, in der des 80. Jahrestages der Novemberpogrome gedacht und eine neue Homburger Synagoge geweiht wird. Immerhin gilt das heute in Kreisbesitz befindliche und von einer Parkanlage gesäumte Anwesen als das wahrscheinlich deutschlandweit letzte Zeugnis einer rituell-jüdischen Kurstätte. Laut Denkmaltopographie „ein kulturhistorisches Denkmal“ – in dem tatsächlich ein ganzes europäisches Jahrhundert seine Spuren hinterlassen hat.

Einfach ist die aktuelle Situation im Geviert zwischen Weinbergs-, Reben- und Seedammweg keineswegs. Die Stadt hat nach zwei vergeblichen Anläufen den Denkmalschutz erwirkt, der Hochtaunuskreis sich von seinen Eigentümerplänen teilweise verabschiedet. Das gesamte Areal kann nun nicht mehr zur Erweiterung von Schulflächen nutzbar gemacht werden. Was also soll werden mit jenem dreigeschossigen, dem „Villentypus“ zuzurechnenden Repräsentativbau, in dem Doktor Siegfried Goldschmidt ab 1911 sein „Taunus-Sanatorium“ etablierte? 

Aus dem Landratsamt sind hoffnungsfroh stimmende Signale zu vernehmen. Nicht allein, dass sich der Kreis laut Stellungnahme um den Erhalt des immer stärker geschädigten Bauwerks kümmert, auch eine „Machbarkeitsstudie“ ist in Vorbereitung begriffen. Bereits abgeschlossen ist eine „bauliche Gebäudeaufnahme“, digitale Bestandspläne sind dem Vernehmen nach angefertigt. Originale Planskizzen von dem einstigen Heilstättenkomplex haben sich nicht erhalten, sind im Wechsel der Hausherren verlorengegangen.

Die neue Bestandserfassung soll grundlegend für eine Studie sein, die „einer zukünftigen, denkmalschutzgerechten Nutzung der Gebäude“ gewidmet ist. All dies geschehe in enger Abstimmung zwischen Kreis und Stadt, heißt es. Ein Architekturbüro ist beauftragt, die Möglichkeiten auszuloten. Auch eine „öffentliche Nutzung“ wird nicht ausgeschlossen. Im Kreishaus rechnet man schon zu Beginn des kommenden Jahres mit den ersten Ergebnissen und Vorschlägen.

Während sich das ehemalige Sanatorium von außen in augenscheinlich stabiler Verfassung präsentiert, herrscht Verwüstung im Inneren. Es ist seit einem Jahrzehnt nicht mehr beheizt und bar aller haustechnischen Notwendigkeiten; so hat sich Feuchtigkeit ungehindert ausgebreitet. Decken sind abgestürzt, Wände in Auflösung. Eine Stätte, in der sich immer wieder Unbekannte tummeln, Zerstörungen anhäufen. Der Kreis hat Kontrollgänge auf dem in Gonzenheimer Gemarkung gelegenen Eckgrundstück angeordnet und einen Bauzaun um die Gebäude aufstellen lassen.

Vor dreieinhalb Jahren hat Birgit Seemann eine Studie zum Goldschmidt-Sanatorium abgeschlossen, das Thema in den Kontext deutsch-jüdischer Bäderhistorie gestellt. In der Schlussbetrachtung wird dem Haus „ein herausragendes Profil als Zentrum jüdischer Sozial-, Kultur- und Biographiegeschichte“ attestiert – „einzig in seiner Art“.

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