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Milde Strafe für brutale Tritte

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Justitia
Justitia © ddp

Wegen einer Kleinigkeit hat ein 22-Jähriger einen 49 Jahre alten Mann niedergeschlagen und mehrfach gegen den Kopf getreten. Das Opfer leidet bis heute. „Das war asozial, unterste Schublade“, sagt die Richterin - und urteilt dennoch milde.

Von Anton J. Seib

Es war eine brutale Attacke. Der 22-Jährige traktierte sein 49 Jahre altes Opfer aus nichtigem Anlass zunächst mit Faustschlägen und trat dann dem am Boden liegenden Mann mehrmals brutal gegen den Kopf. Noch heute leidet der Bad Homburger unter Kopfschmerzen, Einschlafproblemen. Angesichts der Brutalität fiel gestern die Strafe vor dem Amtsgericht Bad Homburg milde aus. Der Schläger wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro verurteilt. Dennoch machte Richterin Doris Kurschat aus ihrer Abscheu keinen Hehl. „Das war asozial, unterste Schublade!“

Der Vorfall hatte sich am Nachmittag des 17. Mai an der Fußgängerampel vor dem Krankenhaus abgespielt. Die Mutter des Angeklagten hatte ihren Sohn vor dem Fußgängerüberweg abgeladen und war dann weitergefahren. Dabei behinderte sie das spätere Opfer. Der 49 Jahre alte Schlosser hatte gerade bei Grün die Straße überquert. „Scheiß Rotfahrer“, habe er verärgert gerufen, räumte der 49-Jährige unumwunden bei der Zeugenbefragung ein. In diesem Moment sei der 22-Jährige auf ihn zu gekommen.

Ruhig erzählte er dann vor Gericht, wie er sich an den Vorfall erinnert. „Verpiss dich, hat er mehrmals gerufen. Ich habe ihn mit den Händen weggeschubst, doch der hat weitergemacht. Dann erschien die Mutter. Sie rief: Lass die Finger von meinem Sohn, du Drecksack.“ Dann ging alles schnell. Laut Anklage schlug der 22-Jährige seinem Opfer mehrmals mit der Faust ins Gesicht. Als der Mann zu Boden fiel, trat er ihm mindestens dreimal gegen Schläfe und Hinterkopf. Eine Version, die auch eine Zeugin bestätigte.

Dass der 49-Jährige nur eine Platzwunde erlitt, hängt wohl damit zusammen, dass der Schläger Turnschuhe trug. Das bewahrte ihn auch vor einer härteren Strafe. „Turnschuhe gelten juristisch nicht als gefährlich“, erklärte Richterin Kurschat. Dennoch sei es „eine Sauerei“, auf jemanden „aus läppischem Anlass in Wildwest-Manier“ derart einzutreten.

Selbst äußerte sich der Angeklagte, der derzeit von Harzt IV lebt, nicht zu seiner Tat. Er ließ von seinem Verteidiger Ulrich Endres ein kurzes Geständnis verlesen. Auch die Mutter machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Nicht einmal die Entschuldigung brachte der Angeklagte selbst über die Lippen, auch die wurde dem Opfer durch den Verteidiger übermittelt.

Was sein Mandant gemacht habe, sei ein „absolutes no go“, sagte Endres in seinem Plädoyer. Dass bei Auseinandersetzungen Opfer getreten würden, habe in den vergangenen zehn Jahren erheblich zugenommen, so der Anwalt. Oft würden die Täter die Folgen nicht absehen. „So etwas kann leicht mal vor dem Schwurgericht landen“, gab er seinem Mandanten mit auf den Weg.

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